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Kondom-Debatte

Unicef widerspricht dem Papst

Erstellt 17.03.09, 13:07h, aktualisiert 17.03.09, 23:31h

Nach Auffassung von Papst Benedikt XVI. lässt sich die Aids-Epidemie in Afrika nicht mit dem Gebrauch von Kondomen überwinden. Vielmehr sei eine neue Moral nötig. Hilfsorganisationen und Politiker reagieren mit Unverständnis.

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Kondome helfen doch, weiß die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
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Kondome helfen doch, weiß die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
ROM - Die Alitalia-Maschine des Pontifex hatte noch nicht auf afrikanischem Boden aufgesetzt, als Benedikt XVI. bereits zum wohl umstrittensten Thema seiner ersten Afrikareise Stellung bezog: „Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem", erklärte der Papst an Bord der Maschine, die ihn nach Kamerun brachte. Vielmehr sei eine „spirituelle und menschliche Erneuerung in der Sexualität“ der einzige Weg aus der Seuche.

Im Afrika südlich der Sahara befinden sich nach Angaben des UN-Aidsprogramms (Unaids) die von der Krankheit am schlimmsten betroffenen Länder der Erde. Etwa 22 Millionen HIV-infizierte Menschen leben dort, 17 Millionen Menschen sind in Afrika bereits an der Immunschwäche gestorben - das entspricht weltweit 75 Prozent aller Aids-Toten. Trotz dieser dramatischen Zahlen ist die Verwendung von Präservativen - das Kondom gilt nach wie vor als das sicherste und billigste Mittel, sich beim Geschlechtsverkehr vor einer Ansteckung mit dem tödlichen Virus zu schützen - auf dem Kontinent nicht sehr verbreitet.

Mit ein Grund dafür ist laut den Seuchenexperten der Weltgesundheitsorganisation WHO und von Unaids das Kondom-Verbot des Vatikans. Sie werfen dem Papst seit langem vor, mit seiner Haltung die Ausbreitung von Aids zu begünstigen. Der Kondom-Bann ist auch innerhalb der Kirche umstritten: Zum 40. Jahrestag der Enzyklika „Humanae Vitae", auf welche das Verbot zurückgeht, forderten im vergangenen Jahr rund 60 katholische Laienorganisationen aus aller Welt ein Umdenken der Amtskirche. In einem offenen Brief prangerten sie „katastrophale Auswirkungen“ des Kondom-Verbots an. Selbst innerhalb des Vatikans hat es immer wieder Stimmen gegeben, die im Zusammenhang mit Aids für das Kondom Lockerungen vorschlugen.

So meinte der Schweizer Kardinal Georg Cottier im Jahr 2005, dass das Kondom in „Situationen, wo viele Drogen zirkulieren, wo grosse Promiskuität herrscht und wo die Not gross ist“, als „legitim erklärt werden könnte“. Bereits ein Jahr zuvor hatte der belgische Kardinal Godfried Danneels festgehalten, dass der Gebrauch des Kondoms, um sich vor einer tödlichen Ansteckung zu schützen, „moralisch etwas anderes ist als dessen Gebrauch, um Geburten zu verhindern“. Auch Benedikt XVI. bereite die Ausbreitung von Aids „große Sorgen", erklärte im Jahr 2006 der vatikanische Gesundheitsminister Kardinal Javier Lozano Barragan und bestätigte, dass im Vatikan eine Kondom-Studie ausgearbeitet worden sei. Allein schon der Umstand, dass sich der Vatikan mit dem Thema befasste, ließ Hoffnungen auf Lockerungen aufkeimen. Die Studie blieb aber bis heute unter Verschluss.

Die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfswerks Unicef reagierte mit Unverständnis auf die Äußerungen des Papstes. „Erwachsene und Jugendliche müssen über die Ansteckungswege Bescheid wissen - und darüber, wie man sich vor Aids schützen kann“, sagte Unicef-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Kondome seien Teil der weltweiten Aufklärungskampagnen nach dem „ABC-Ansatz“. Dabei steht A für Abstinenz, B für „Bleib treu“ und C für die Benutzung von Kondomen (englisch: „Condoms“). „Das ist unsere klare Botschaft an die Jugendlichen auf der Welt“, so Stachelhaus.



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