Von Helmut Frangenberg, 17.03.09, 21:31h, aktualisiert 18.03.09, 09:34h
Speers Masterplan sieht „hochattraktive Fuß- und Radwegeverbindungen“ vor, die auch über den Rhein führen sollen. Dabei ist eine Fuß- und Radwegebrücke vom Theodor-Heuss-Ring zum Rheinpark als „mittel- bis langfristige Maßnahme“ vorgesehen. Die Verbindung im Süden vom Ubierring zum Deutzer Hafen wird als „perspektivische Maßnahme“ genannt. Vorher müsste die Umwidmung des rechtsrheinischen Hafens Gestalt annehmen, sonst würde die Brücke dort im Industriegebiet enden.
Das Projekt wäre spektakulär und wegen der Breite des Flusses einzigartig. Im Süden ist der Rhein etwa 300 Meter breit, im Norden sogar über 350. Hinzu kämen die Auf-und Abgänge. „Die Spannweite wird die zentrale Herausforderung an die Tragwerks- und Kostenplanung stellen“, sagt Michael Heller vom Büro Speer. Es gebe aber mittlerweile „anspruchsvolle neue Techniken, wie beispielsweise Aktivtragwerke, die mit reduziertem Konstruktionsaufwand große Spannweiten elegant und filigran überbrücken.“ Als mögliches architektonisches Vorbild verweist Heller unter anderem auf die neue Attraktion der britischen Hauptstadt, die „London Millennium Bridge“.
Ähnliches in Köln wäre eine Weltsensation, weil der Rhein in Köln deutlich breiter wäre als die Themse in London. Auch die bereits existierenden attraktiven Fußgängerverbindungen über den Rhein in Weil und in Kehl überspannen nicht die Flussbreite, wie es in Köln nötig wäre. „Wir schauen sehr genau hin, was in Köln diskutiert wird“, sagt ein Sprecher in Weil am Rhein, denn noch hält die 2006 eröffnete „Dreiländerbrücke“ den Weltrekord als längste Fußgängerbrücke ohne Stützpfeiler. Zwei Jahre älter ist die schicke „Passerelle des deux Rives“ von Marc Mimram zwischen Kehl und Straßburg. Beide Rheinbrücken haben starken symbolischen Wert, weil sie nicht nur den Rhein, sondern auch nationale Grenzen überwinden.
Die Kölner Kommunalpolitik ist auf Speers Brückenvorschläge bislang noch nicht richtig angesprungen. Andere, einfachere Projekte wie der Ebertplatz oder der Neumarkt scheinen nahliegender. Manchen mögen die Kosten abschrecken, andere befürchten lange Rampenbauten in die Innenstadt hinein. Nimmt man die Mimram- oder die Dreiländerbrücke als Vorbild, ließen sich für Köln Kosten in Höhe von über zehn Millionen Euro veranschlagen. Für das spektakuläre Bauwerk in London sind über 20 Millionen Euro bezahlt worden. Der anerkannte Kölner Brückenbauer und Ingenieur Stefan Polónyi glaubt, dass man angesichts der sinkenden Stahlpreise eine Fußgängerbrücke zur Zeit schon für fünf Millionen Euro bauen könnte.
Technische Hindernisse gebe es keine, sagt auch der renommierte Ingenieur und Tragwerksplaner Werner Bollinger. Auch für die Auf- und Abstiege zur eigentlichen Brücke ließen sich kluge Lösungen finden, die nicht die Stadt verbauen. „Technik und Größe sind keine so große Herausforderung“, sagt auch Polónyi, dessen Entwurf für den „Donausteg“ in Linz sich ebenfalls als Vorbild eigenen könnte.
Polónyi möchte jedoch noch einen deutlichen Schritt über Speers Vorschläge hinausgehen. Wenn man das Trennende des Rheins überwinden und den Rhein in den Stadtraum einbeziehen wolle, müsse man das städtische Leben auf die Brücke holen. Polónyi plädiert für eine „Living Bridge“ – mit Wohnungen, Geschäften, Lokalen, Promenaden, einem Hotel und jeder Art des städtischen Verkehrs. „Eine Fußgängerbrücke ist nur Luxus für Spaziergänger. Das ist zu wenig.“
Der emeritierte Universitätsprofessor hat zusammen mit dem Stararchitekten Hadid Teherani den ersten Entwurf für eine „Living Bridge“ über die Elbe in Hamburg erarbeitet: 700 Meter modernste Architektur und Tragwerkstechnik, die in die ganze Welt ausstrahlen würde. Teherani hat den ersten Entwurf mittlerweile stark verändert, baut nun ähnlich wie beim historischen Vorbild, der Ponte Vecchio in Florenz, Häuser auf die Brücke. Polónyi plädiert für integrierte Lösungen: Bei ihm soll ein Gebäude als Ganzes den Fluss überspannen, ein mehrstöckiges Tragwerk gleich mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen. Aktuell hat er an einem „Living Bridge“-Konzept für Budapest mitgearbeitet: Wie eine riesige Schlange schlängelt sich die Brücke mit Wohnungen und Hotels über die Donau.
So stellt er sich auch die „Living Bridge“ im Norden der Kölner Innenstadt vor, die nicht nur den Rhein sondern gleich auch den ganzen rechtsrheinischen Rheinpark überspannen und erst an der Messe enden würde. Damit würde das Bauwerk eine weitere Aufgabe aus Speers Masterplan erfüllen, die Belebung und Attraktivierung des Umfeldes der Messe. Und noch einen Vorteil hätte dieser Vorschlag: Vorausgesetzt man bekommt die „Luft über dem Rhein“ umsonst, so Polónyi, ließe sich eine solche Brücke weitgehend ohne Steuergelder finanzieren, weil über den Verkauf oder die Vermietung der Räume überm Rhein die Baukosten wieder eingespielt würden. Zahlreiche Städte auf der ganzen Welt diskutieren Entwürfe für solch ehrgeizige Vorhaben. Bislang wartet die faszinierende Idee der „Living Bridge“ jedoch noch auf ihre erste moderne bauliche Umsetzung.
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18.03.2009 | 19.43 Uhr | Ieserbähner met dä Plämp
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18.03.2009 | 12.47 Uhr | Dubesch
Reicht eigentlich nicht ein Milliardengrab mit 2 Toten um die Verantwortlichen Stadtplaner von ihrem Grössenwahn abzubringen? Gibt es in den…
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