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Internet-Kicker

Vor dem Anpfiff

Von Jens Höhner, 27.03.09, 21:03h, aktualisiert 27.03.09, 21:55h

Der Kölner Tobias Kollmann ist der Erfinder und Chef der Virtuellen Kicker-Liga im Internet. Inzwischen tragen rund 120000 Fans die Duelle der Bundesliga vorab online gegeneinander aus.

Tobias Kollmann
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Tobias Kollmann hat den klassischen Kicker ins Internet gebracht - und zu einem Massenspektakel gemacht. Der aus Köln stammende Professor für Wirtschaftsinformatik lässt 120 000 Fußballfans die Bundesliga-Paarungen per Mausklick austragen. (Bild: Jens Höhner)
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Tobias Kollmann hat den klassischen Kicker ins Internet gebracht - und zu einem Massenspektakel gemacht. Der aus Köln stammende Professor für Wirtschaftsinformatik lässt 120 000 Fußballfans die Bundesliga-Paarungen per Mausklick austragen. (Bild: Jens Höhner)
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So sieht das Spielfeld auf dem PC-Monitor aus. In der „VKL“ führt zurzeit Bochum vor Dortmund, Berlin und Leverkusen. Köln liegt auf Platz 13.
Köln - Rund 120 000 Fans tragen die Duelle der Bundesliga vorab online gegeneinander aus.

Essen / Köln - Wer den VfL Bochum zum Lieblingsverein der Fußball-Bundesliga erklärt, der hat nicht gerade viel zu jubeln. Mittelmaß statt Meisterschaft heißt es im Ruhrpott schon seit Jahrzehnten. Im Internet aber ist der zweite Deutsche Meistertitel derzeit nur Mausklicks weit entfernt, da triumphiert der VfL an der Tabellenspitze mit einer Traumquote von 41 795 Toren bei 23 222 Gegentreffern sogar über seine ärgsten Rivalen, Borussia Dortmund und Schalke 04.

Möglich gemacht hat dies ein Professor für Wirtschaftsinformatik der Universität Duisburg-Essen, der aus Köln kommt. Tobias Kollmann heißt der Mann, der den guten alten Kickertisch aus der schummrigen Kneipe in die Datenwelt getragen und dort die „Virtual Kicker League“, eben die „Virtuelle Kicker-Liga“, rund um das kultige Spielgerät eröffnet hat. „Anlass war vor bald drei Jahren eine Studie, bei der wir die Internetauftritte der Bundesliga-Klubs betrachtet haben“, blickt der 38 Jahre alte Dozent am Campus Essen zurück. „Wir haben geschaut, welche Vereine mit ihren Online-Angeboten gutes Geld verdienen können.“

Bares Geld verdienen, das funktioniert im Internet nicht nur mit Hilfe von Werbung, sondern auch mit blanker Verweildauer: Je länger der Fußballfreund auf einer Seite bleibt, umso besser. Kollmann: „Wir haben vor allem Angebote wie das Fan-TV analysiert.“ Bald sei klar gewesen, dass manches Potenzial brach lag, neue Ideen sollten her. „Da haben wir den virtuellen Kicker erfunden“, sagt der Wissenschaftler. „Kommerziell geworden ist der allerdings nicht.“ Dennoch: Die Idee ist eingeschlagen wie eine Bombe. Seither haben sich fast 120 000 Fans angemeldet, täglich werden es mehr.

Denn der Reiz ist offensichtlich: Wer den „Virtual Kicker“ bedient, der zockt nicht gegen den Computer, sondern tritt an im Duell gegen einen Fan einer anderen Mannschaft - will sagen: Bevor die Klubs einander auf dem grünen Rasen begegnen, haben die Anhänger die jeweilige Partie längst entschieden. Der virtuelle Spielplan orientiert sich am realen Ligageschehen, „angepfiffen“ werden die Kicker-Partien bereits einige Tage vorher.

In ihrer dritten Saison spielt die „Virtual Kicker League“ nun mit dem offiziellen Segen der Deutschen Fußball-Liga: Alle Vereine der ersten und der zweiten Liga tragen das Projekt und haben es eingebunden in ihre Internetauftritte. „Wir finden die Idee einfach toll, weil sie Fußballfans zusammenbringt“, erklärt etwa Stefan Mennerich, Medienbeauftragter des FC Bayern München, das Engagement. Der deutsche Rekordmeister hat sich einst als erster Verein des Projektes angenommen. „Sympathisch daran ist vor allem, dass es von Studenten kommt.“

Mit fast 15 300 Online-Kickern stellen die Bayern zwar die größte „Community“, wie heute so eine Gemeinschaft heißt, aber eben nicht die erfolgreichste - zum Vergleich: Die Anhänger der TSG 1899 Hoffenheim sind mit 1111 Spielern die kleinste Gruppe. Aber bei nur rund 3272 Einwohnern geht jeder dritte Hoffenheimer im Datennetz für seinen Verein auf Torejagd.

Auch Jens Fricke, Sprecher des VfL Bochum, hat eine klare Begründung für die Leidenschaft jener 2155 Fans, die Spieltag für Spieltag die Maustasten malträtieren und dem Gegner die Kickerkugel um die Beine dreschen. Nach 2008 steuern sie bereits zum zweiten Mal auf Titelkurs: „Wir sind beim VfL nun mal nicht von Titeln verwöhnt.“ Ein echter und recht stattlicher Pokal zeugt in der Vereinsvitrine vom Meistertitel. Vergeben wird der stets am ersten Bundesliga-Spieltag vor großem Publikum im Stadion. „Und wir wünschen uns, dass die Klubs den Titel bald im Briefkopf auflisten“, verrät Tobias Kollmann, der in Köln lebt und als Liga-Präsident - selbstverständlich neutral - im Hintergrund agiert.

Als zweiter Verein ist dem Professor der eigene Favorit, der 1. FC Köln, damals ins Netz gegangen. Mit 5239 Spielern rangieren die Kölner im Mittelfeld dieser Liga. „Aber dafür sind sie sehr aktiv“, lobt Lars Nierfeld, Marketing-Chef des FC. „Allein schon deswegen wollen wir ihnen etwas Besonderes anbieten.“ Der Karlsruher SC geht sogar noch weiter: Er beschäftigt einen Reporter, der über die virtuellen Partien berichtet. „Denn die sind mehr als bloß eine Spielerei“, betont KSC-Sprecher Jörg Bock. Die Realität gibt ihm Recht: Die Fangruppen verabreden sich inzwischen auch zu wirklichen und - vor allem friedlichen - Fußball-Turnieren.

Das freut Tobias Kollmann. Und mehr noch: Es ermutigt den Wirtschaftsforscher zu neuen, zu größeren Projekten: „2010 findet die erste virtuelle Weltmeisterschaft statt.“



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