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Podiumsdiskussion

Zu wenig Kinderärzte im Armenhaus

Von Martin Boldt, 29.03.09, 16:53h

Immer mehr Artzpraxen zieht es woanders hin. Da Chorweiler Kölns ärmster Stadtteil ist, fehlen den Ärzten die nötigen Privatpatienten, um ihre Praxen zu finanzieren. Bei einer Podiumsdiskussion hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt versucht zu vermitteln.

Kinderärzte in Chorweiler
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In den Praxen reihen sich die Kinderwagen aneinander: Nur noch sieben Kinderärzte praktizieren im Stadtteil Chorweiler. (Bild: Worring)
Kinderärzte in Chorweiler
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In den Praxen reihen sich die Kinderwagen aneinander: Nur noch sieben Kinderärzte praktizieren im Stadtteil Chorweiler. (Bild: Worring)
Dr. Detlev Geiß
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Dr. Detlev Geiß ist im Stadtteil Chorweiler der letzte, praktizierende Kinderarzt. (Bild: Worring)
Dr. Detlev Geiß
Chorweiler - Im Stadtbezirk Chorweiler gibt es immer weniger niedergelassene Mediziner, besonders akut ist der Notstand bei den Kinderärzten. Hiervon hat der 84 000 Einwohner zählende Stadtbezirk nur noch sieben. Nachdem im Juni 2008 der letzte Kollege wegen Geldsorgen nach Longerich zog, kämpft Dr. Detlev Geiß im Stadtteil Chorweiler nun alleine gegen Masern und Husten. Die dringlich benötigten Impulse zur Beendigung dieses traurigen Zustandes erhoffte sich Bezirksbürgermeister Jürgen Kircher jetzt durch eine Podiumsdiskussion im Bürgerzentrum.

Als prominenteste Rednerin stellte sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt der hitzigen Debatte: „Mir macht die Situation, wie sie sich in Chorweiler, aber auch in der Eifel oder im bayrischen Wald derzeit entwickelt, große Sorgen“, gestand die Politikerin. Das Paradoxe an der Situation sei leider, dass Köln statistisch gesehen genügend Mediziner besitzt und deshalb „Sperrgebiet für neue Ärzte ist. Wir müssen uns also fragen, wie wir andere Anreize schaffen können. Wir brauchen mehr Leute, die davon reden, dass die Arbeit hier vor Ort toll ist“, forderte sie und wurde durch ein verstimmtes Forum lautstark darauf hingewiesen, dass es nicht die Frage der Motivation, sondern „die Angst vor der drohenden Pleite“ sei, die Ärzte zur Flucht aus dem Bezirk zwingt. Da Chorweiler Kölns Armenhaus und ungefähr jeder vierte Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen ist, fehlen den Ärzten die Privatpatienten und somit aufgrund der Honorarreform die Grundlage, ihre Praxen wirtschaftlich führen zu können.

„Das eigentliche Problem ist jedoch“, stellte Dr. Klaus Enderer von der kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein fest, „dass sich seit 1993 jeder Arzt überall in Köln niederlassen darf, wo er will. Die rechtlichen Gegebenheiten reichen nicht aus, um von unserer Seite in diesem Punkt eingreifen zu können.“ Ein nicht gerade schnell veränderbarer Status quo, weswegen Wilfried Jacobs, Vorsitzender der einzigen Krankenkasse Chorweilers, für eine schnelle, pragmatische Lösung, „mitunter auf Kosten anderer Ärzte“, plädierte, „damit ein weiterer Kinderarzt in der Praxis angestellt werden kann“. Dem stimmte auch Jan Leidel vom Gesundheitsamt zu: „Ich denke, auch die Stadt sollte aktiv werden, zum Beispiel bei der Beschaffung von Behandlungsräumen, Zuschüssen oder billigen Krediten.“

Ob Detlev Geiß jetzt an schnelle Abhilfe glaubt? „Nein. Aber ich freue mich, dass die Politik überhaupt aufmerksam geworden ist“, so der Arzt. Ein Fakt blieb an diesem Abend jedoch besonders auffällig: Die Zielgruppe, also die Eltern, denen die schlechte Versorgungslage am unmittelbarsten zusetzen müsste, waren nicht präsent. Niemand schilderte der Ministerin die Lage aus Patientensicht. „Schade, dass die praktischen Probleme viel zu wenig thematisiert wurden“, fand auch Sabine Lieder, die als Mitarbeiterin des Vereins „Kindernöte“ um die Lage der Eltern weiß.



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