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Personalabbau

Tränen am Zanders-Werkstor

Von Matthias Niewels, 30.03.09, 18:24h, aktualisiert 31.03.09, 19:11h

In der Papierfabrik M-Real-Zanders hat Geschäftsführer Heikki Husso die Entlassung von rund 100 Arbeitskräften verkündet. Als Grund nannte er die weltweite Krise bei den Standardpapieren. Die Mitarbeiter sind geschockt.

M-Real-Zanders
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Die Entlassung von 117 Mitarbeitern wurde im Werk an der Gohrsmühle verkündet. (Bild: Neumann)
M-Real-Zanders
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Die Entlassung von 117 Mitarbeitern wurde im Werk an der Gohrsmühle verkündet. (Bild: Neumann)
Heikki Husso
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Heikki Husso (Bild: KSTA)
Heikki Husso
Bergisch Gladbach - Vom Hauptparkplatz ins Werk geht es durch ein Drehtor. Dort spielten sich am Montag menschliche Tragödien ab. Gegen 13.30 Uhr war Schichtwechsel. Die Frauen und Männer der 6.30 Uhr-Schicht wussten schon, ob sie noch einen Arbeitsplatz haben - oder nicht. Diejenigen, die hineingingen, zitterten.

„Das fühlt sich an wie eine Hinrichtung“, sagt einer, der immerhin schon 22 Jahre bei Zanders arbeitet. Er begegnet einem Kollegen, der aus dem Werk kommt: „Und, bist du noch dabei?“ Der Mann nickt und sagt: „Ich darf bleiben, als einziger aus meiner Schicht.“ Er hat Tränen in den Augen. Und er fragt: „Darf man so mit Menschen umgehen?“

Am Nachmittag dann die Pressekonferenz mit Geschäftsleitung und Betriebsrat. Heikki Husso, der Geschäftsführer, machte es kurz: „Wir müssen heute über den Personalabbau reden. Es gibt dazu keine Alternative. Ich habe keine guten Nachrichten.“ Husso listete die schlechten Nachrichten der vergangenen Jahre auf. Seit Jahren stecke man bei den Standardpapieren in der Krise - die weltweite Überproduktion sei der Grund. Spätestens seit klar war, dass die Produktion der Standardpapiere in Bergisch Gladbach eingestellt wird (siehe Kasten), sei klar gewesen, dass das auch personelle Konsequenzen haben müsse. Husso: „Wir haben aber auch gute Nachrichten, gute neue Produkte und eine gute Perspektive für das Werk - darüber werde ich heute nicht sprechen.“

"Ein ganz schwerer Tag"

Personalchef Jürgen Röcker erklärte die Einzelheiten: „Der Personalabbau von den rund 100 Mitarbeitern wird so sozialverträglich wie möglich durchgeführt.“ Rund 800 Zandrianer werden weiter beschäftigt. Die Betroffenen können in eine Transfergesellschaft wechseln. Dort erhalten sie bis zum 30. April etwa 80 Prozent ihres Nettolohns. Danach gibt es noch einmal eine Abfindung. Insgesamt, so Husso, kalkuliere man mit „fünf bis zehn Millionen Euro“ allein für die Abfindungen.

Frank Eschenauer, Betriebsratsvorsitzender: „Das ist heute ein ganz schwerer Tag.“ Denn „eigentlich“ hätte er als Betriebsrat den Kündigungen nicht zustimmen können. Nach mehreren Entlassungswellen würden jetzt altgediente Mitarbeiter, entlassen - „die eigentlich unbedingt zu schützen sind“. Eschenauer: „Wir konnten dem nur zustimmen, weil wir Zanders eine Zukunft geben wollen.“ Eschenauer verweist auf die Möglichkeit, nach der Zeit in der Transfergesellschaft noch zwei Jahre Arbeitslosengeld zu beziehen. „Das sind drei Jahre, in denen die Menschen nicht ins Bodenlose fallen.“

„Wir haben lange damit gerungen, wie wir es den Betroffenen mitteilen sollen“, erzählt Eschenauer. Röcker: „Es gibt keinen Weg, die schlechte Nachricht der Entlassung schön zu verpacken.“ Deshalb habe man so lange wie möglich versucht, die Entscheidungen unter der Decke zu halten. Tatsächlich hatten noch am Wochenende Betriebsrat und Geschäftsleitung zusammengesessen und die Einzelheiten der Entlassungen besprochen. Heute beginnt für die verbliebenen Zandrianer eine neuer Abschnitt. Die gesamten Produktionsprozesse sollen umgestellt werden. Die Produktion von Spezialpapieren soll verhindern, dass sich ein Tag wie dieser wiederholt. Vor dem Drehtor ist die Stimmung aber gereizt - die Ungewissheit bleibt.



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