Von Tobias Peter, 01.04.09, 22:46h
„Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime.“ So heißt das neue Buch des Kölner Autors. Und unter diesem Titel spricht Kermani in der Stadtbibliothek mit Joachim Frank, stellvertretender Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“, über die Integrationsdebatte. Kermani ist als Kind iranischer Eltern in Deutschland aufgewachsen. Spannend ist, dass er Aussagen aus der politischen und gesellschaftlichen Debatte immer wieder mit seinem ganz persönlichem Leben und Erleben abgleicht. Ohne sofort einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben.
Vor der Frage nach dem „Wir“ steht immer die Frage nach dem „Ich“, nach der eigenen Identität. „Auf Anhieb würde ich darauf gar keine Antwort geben wollen“, sagt Kermani. Wenn er seine Werke im Buchladen unter „orientalischer Literatur“ finde, gehe er an die Ladentheke und weise darauf hin: „Ich schreibe deutsche Literatur.“ Aber bei Fußball-Länderspielen halte er eindeutig zum Iran.
Identität bewegt sich für Kermani also gerade nicht in den Kategorien von „Entweder - oder“, sondern im Dazwischen. Dort sieht es selten aufgeräumt aus; aber dafür ist es ein Ort spielerischer Spannung. So erzielt Kermani große Heiterkeit im Publikum, als er aus seinem Buch eine Passage vorliest, in der er von den Vor- und Nachteilen berichtet, in einem iranischen Haushalt aufzuwachsen. Zwar habe er es genossen, dass der Alltag weniger geregelt gewesen sei als in vielen Familien deutscher Klassenkameraden. Doch einen nie ganz nachlassenden Schmerz verspürte er immer wieder: „Ich hätte auch gern so ordentlich geschmierte, wie mit dem Lineal abgeschnittene Butterbrote und nagelneue Brotzeitdosen gehabt.“
Vom Butterbrot bis hin zum Moscheebau in Köln - die Integrationsfrage findet sich fast überall im alltäglichen und weniger alltäglichen Geschehen. Kermani lobt, die Kölner seien sehr offen für den Moscheebau. Aber er würde sich eine Architektur wünschen, die stärker die Formensprache der hiesigen Gesellschaft aufgreift. „Ich hoffe, dass es bald ganz spezifisch europäische Moscheen gibt“, sagt er.
Kermani zeigt sich als Versöhner. Selbst eine so definitive Geste wie der ausgestreckte Zeigefinger wirkt bei ihm, als wollte er eigentlich die Hand ausstrecken. Zwar mache er sich Sorgen, dass das gesellschaftliche Klima gegenüber Muslimen kippen könnte - sollte es im Land einen großen Anschlag islamistischer Terroristen geben. Doch seien die Menschen in den vergangenen zwanzig, dreißig Jahren viel weltoffener geworden. Auch und gerade, weil heute ehrlich über Integrationsprobleme gesprochen werde.
Fragen zwecklos
02.04.2009 | 12.46 Uhr | tex340
Aber keine Antwort ist doch auch eine. Ja, Walhalla, ich habe
da mal zwischen den Zeilen gelesen. Ich habe jedenfalls kein Problem eine derartige…
Warum fällt es so schwer auf den Punkt zu kommen?
02.04.2009 | 10.36 Uhr | Dlareg
Die Frage mit der Heirat ist weder dumm noch unberechtigt. Es verursacht zunehmend Unbehagen, daß Mitbürger bestimmter Glaubensausrichtung Freunde…
Tja lieber betrachter
02.04.2009 | 08.53 Uhr | Walhalla
das ist schlimm. Die Krankheit, der Sie anheim gefallen sind nennt man: "Die Welt in gut und böse, in schwarz und weiß sehen zu können"-Krankheit.…
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