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B-Jugend

Wenn Nachwuchskicker träumen

Von Ferdi Luft, 02.04.09, 15:53h, aktualisiert 14.04.09, 11:22h

Welcher Nachwuchskicker träumt nicht vom Profifussball? In der Altersklasse der 14 bis 16-Jährigen ist bereits gut erkennbar, wohin der Weg führen kann. Doch Vorsicht ist geboten, die körperliche Entwicklung variiert noch sehr stark.

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Werde ich mal Profispieler? (Bild: Galushko)
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Werde ich mal Profispieler? (Bild: Galushko)
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Unser Autor, Diplomsportlehrer Ferdi Luft. (Bild: Privat)
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Es ist Sonntagnachmittag und gerade Halbzeit bei einem Jugendspiel der B-Junioren des 1. FC Köln . „Achtet auf eure Positionen, spielt den Ball schneller in die Spitze und rückt geschlossen nach. Und seid vor allem geduldiger im Spielaufbau und vermeidet Fehlpässe!“ Trainer Peter Vienken versucht sein Team auf die zweite Hälfte einzustimmen und spricht dabei vor allem mannschaftstaktische Maßnahmen an.

Er sieht die Schwerpunkte dieser Altersklasse sowohl in der Stabilisierung technischer Fertigkeiten als auch in der Ausbildung des teamtaktischen Verständnisses sowie positionsbezogener Aufgaben. „Wir sind nun in der letzten Ausbildungsstufe und die Spieler müssen auch taktisch auf den Seniorenbereich vorbereitet werden. Die Voraussetzung hierfür ist eine solide Technikschulung, die den steigenden Spielansprüchen angepasst werden muss. Das Spiel wird schneller und die Räume enger - technische Mängel kann man sich in dieser Altersklasse kaum mehr erlauben, ohne dass der Gegner dies ausnutzt“, so Vienken.

Auch konditionelle Aspekte sind seiner Ansicht nach ein wichtiger Bestandteil im Trainingsplan der B-Jugendlichen, die jedoch immer mit dem Ball trainiert werden sollten. Diese Ziele gibt auch der deutsche Fußballbund in seinem Ausbildungskonzept wider. Er nennt die letzte Stufe der Ausbildung auch „Leistungstraining“ und spricht von einem bewussten und spielerischen Lernen, das optimale Voraussetzungen für den Seniorenbereich schaffen soll. Die technischen Fertigkeiten der Spieler sollen an den schnelleren Spielfluss angepasst, ihre Balltechniken automatisiert werden. Die Stabilisierung der Technik steht dabei im Mittelpunkt, denn Defizite in diesem Bereich können auch das taktische Leistungsvermögen begrenzen.

Das positionbezogene Spiel findet verstärkt Beachtung und wird in die Mannschaftstaktik beim Elf gegen Elf eingebettet. Die Spieler erfahren nun eine Spezialisierung auf bestimmte Spielpositionen und sollen auch an individuellen Stärken arbeiten. In der Vergangenheit konnten viele Profikicker wie beispielsweise David Beckham oder Mario Basler gerade durch ihre einzigartigen Schusstechniken auf sich aufmerksam machen und ihren jeweiligen Teams wertvolle Unterstützung geben.

Die Trainer und auch die Jugendlichen sollten spätestens ab dieser Stufe erkennen, wo ihre Stärken liegen und diese konsequent fördern, ohne die Grundfertigkeiten zu vernachlässigen. Letztlich fängt der Torwart auch sehr früh an, sich auf seinen Bereich zu konzentrieren, wobei in den Aufbaujahren vor dem B-Jugendalter auch im Feldspiel eine solide Basis im technischen und spieltaktischen Bereich gebildet werden sollte.

Zweites goldenes Lernalter

Im sogenannten zweiten "goldenen Lernalter" haben die Nachwuchskicker aufgrund ihrer körperlichen Entwicklung hervorragende Lernvoraussetzungen. Die zweite puberale Phase lässt den Körper wieder homogener werden - nach dem Längenwachstumssschub werden die Körperproportionen nun durch zunehmende „Breite“ ausgeglichener. Vor allem für koordinative Aufgaben sowie für Kraft- und Schnelligkeitstraining herrschen ideale Voraussetzungen.

Die Kicker haben nicht nur ein verbessertes Leistungsvermögen, sondern auch eine höhere Bereitschaft und Willen. Allerdings sollte man wie in allen Altersklassen auf die individuellen Entwicklungsmerkmale achten, denn die Leistungsunterschiede können durch die Pubertät noch immer groß sein. So sollten Ziele, Inhalte sowie Methoden stets auf den einzelnen Spieler ausgerichtet sein.

Ein deutlicher Unterschied ist vor allem zwischen den Geschlechtern zu erkennen: Die Bewegungsdynamik sowie das höhere Kraftniveau verschaffen den Jungen einen enormen Vorteil im Spiel gegenüber den Mädchen. Eine Trennung kann ab dieser Entwicklungsstufe für beide Geschlechter Vorteile bringen, da die spezifische Traininierbarkeit - vor allem in Bereich der Dynamik - sich nach und nach unterscheidet.

Selbständige Spieler

In der B-Jugend gibt es auch eine deutliche Persönlichkeitsentwicklung, die ein höheres Maß an Selbstbewusstsein sowie Verantwortung mit sich bringt. Die Jugendlichen lösen sich von ihrer puberalen „Ich-Bezogenheit“ und möchten ein Teil des Teams sein, das auch Mitspracherecht hat. Sie zeigen ein verbessertes Aufnahmevermögen, was letztlich für das Training förderlich ist und die Leistungsfähigkeit steigert. Jedoch möchten sie den Sinn des Trainings sowie den Effekt einzelner Übungen verstehen und hinterfragen ihren Nutzen.

Trainer sollten sich dieser altersspezifischen Ansprüche bewusst sein, viele Erklärungen liefern und versuchen, Fußballwissen zu vermitteln. Nur so können sie es schaffen, die Jungs inhaltlich zu erreichen und mit in die Verantwortung zu ziehen. Gerade bei der taktischen Schulung ist Verständnis gefragt und der Spieler muss als Teil des Teams funktionieren.

Der Trainer wird daher gerade in dieser Altersklasse verstärkt gefordert und muss viele Funktionen erfüllen. Neben dem sportlichen Training ist er Ansprechpartner für persönliche Bedürfnisse und private Probleme. Ob Schulprobleme, erste Freundin oder beginnender Arbeitsalltag - der Coach sollte immer ein offenes Ohr haben und auch hinterfragen, wenn die Leistung nicht den persönlichen Fähigkeiten entspricht.

Profitraining in kleinen Vereinen

Nicht jeder Verein oder auch Trainer hat die Möglichkeit, ein optimales Training für diese Altersklasse durchzuführen. Daher wird die Mitarbeit des einzelnen Spielers gerade bei wenigen Trainingseinheiten umso wichtiger. Eine mögliche Form besteht in einer Art „Hausaufgaben“, die jeder ambitionierte Kicker für sich erledigen kann. Gerade im technischen Bereich können so viele Defizite auch individuell verbessert werden. Selbst der konditionelle Rahmen mit seinen Anteilen aus Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination sowie Beweglichkeit birgt Wege des Selbsttrainings. Natürlich muss die Anleitung hierfür durch den Trainer weitergegeben werden.

Unter Berücksichtigung eines wachsenden Selbstbewusstseins kann es auch sinnvoll sein, nicht unbedingt dem Ruf höherklassiger Vereinen sofort zu folgen und sich im eigenen Verein Selbstvertrauen zu holen. Wie wichtig gerade die psychischen Stärken sind, können die Kids wöchentlich in der obersten deutschen Fußballliga beobachten, wo Spieler nach einem Vereinswechsel vom Leistungsträger zum Ersatzspieler werden. Letztlich sollte auch im Leistungstraining die Freude am Fußball überwiegen.

Aspekte des B-Jugendtrainings

## Technik stabilisieren: Individuell am Ball vor Beginn des Trainings 5-10 Minuten Ballarbeit mit Jonglieren, Dribbling, Finten, Ballzaubereien. Übungen sollten vorgegeben sein und auf genaue Ausführung ist zu achten.

## Handlungsschnelligkeit erhöhen: Kleine Spiele 4 gegen 4, Spielfeld begrenzt, Ballkontakte werden gezählt. Das Zusammenspiel soll gefördert und die Handlungsschnelligkeit erhöht werden.

1. Ohne Gegnerdruck beginnen: Die ballführende Mannschaft darf nicht attakiert werden. Auf Spielgenauigkeit achten.

2. Spieltempo erhöhen: Maximale Ballkontakte von drei auf zwei und einen Kontakt minimieren.

3. Spielräume verkleinern: Feldgröße von 25x25m langsam verkleinern.

4. Den Gegner erst teilaktiv, dann aktiv ins Spielgeschehen einbinden: Die Gegenspieler dürfen doch den ballführenden Spieler angreifen.

Variationen: mit Linientore, Tore auf der Torlinie.

## Spielintelligenz in Theorie und Praxis:

Positionsbezogene Taktik: Die Anforderungen auf einzelnen Positionen sollten notiert und mit dem Spieler besprochen werden.

Verschiedene Spielkonzepte sowie mannschaftstaktische Maßnahmen erläutern und nach den individuellen Stärken der Spieler ausrichten.

Den Spieler in theoretischen Einheiten auch Lösungsmöglichkeiten in bestimten Spielsituationen aufzeigen.

Praktische Umsetzung von individual, gruppen- und mannschaftstaktischen Maßnahmen im Rahmen.

## Spezialisierungen fördern: Freistöße, Kopfballspiel, Dribbling, Schnelligkeit oder Passpiel durch Individualtraining oder Hausaufgaben fördern.

## Persönlichkeitsentwicklung unterstützen: Verantwortung für verschiedene Bereiche innerhalb und außerhalb des Trainings übergeben, Einzelgespräche führen und protokollieren.

## Grundlagen der fußballspezifischen Kondition

Schnelligkeit: Kurze Antritte mit maximale Beschleunigung über maximal 15m. Zunächst ohne Ball. Auf Erholung achten. Mit Ball als Technikübung

Kraft: Treppenläufe, bergauf- und bergabläufe, Sprünge mit kurzen Bodenkontaktzeiten. Stabilisationsübungen wie Liegestützen oder Bauchmuskeln. Unter Anleitung kann ein Krafttraining mit Gewichten sinnvoll sein.

Beweglichkeit: kurze Dehnungen vor dem Training und Wettkampf, ausführliches Streching danach

Ausdauer: Sollte möglichst durch Spiele innerhalb des Trainings fußballspezifisch verbessert werden. Läufe ohne Ball sind weniger motivierend, können aber bei geringem Trainingsumfang sinnvoll werden.

Koordination: Fußballspezifisch vor allem in Lauf- und Bewegungsformen einbinden. Als Hilfsmittel dienen u.a. Stangen und Reifen. Auf genaue Durchführung achten, erst dann die Schnelligkeit steigern.



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