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Wahlkampfstrategien

„Einen Obama hätten wir alle gern“

Erstellt 01.04.09, 10:48h, aktualisiert 01.04.09, 10:49h

Sie twittern, bloggen und stellen flotte Videoclips ins Netz. Doch im Vergleich zum Wahlkampf von Barack Obama erscheinen die multimedialen Bemühungen deutscher Politiker fast niedlich.

Barack Obama
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US-Präsident Barack Obama (Bild: dpa)
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US-Präsident Barack Obama (Bild: dpa)
BERLIN - Müssen sich die Parteien hierzulande für die kommenden Wahlkämpfe ganz anders rüsten? Unter dem Motto "Heißt von Obama lernen siegen lernen", diskutieren am Dienstagabend in der Berliner Kalkscheune Wahlkampfmanager quer durch die Parteien über das Thema.

Das Internet ist wichtig, klar, da sind sich die Gäste auf dem Podium einig, aber auf den Kopf stellen werde es den Wahlkampf in Deutschland nicht. Obamas Kampagne habe man zwar intensiv beobachtet, erzählen die Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel (SPD), Steffi Lemke (Grüne) und Hans-Jürgen Beerfeltz (FDP) unisono, doch übertragen lasse sich das auf deutsche Verhältnisse kaum. "Es ist kein Geheimnis", sagt Lemke, "dass man Obama nicht kopieren kann."

Rund 300 PR-Fachleute und Journalisten verfolgen die Diskussion im Saal. Einige von ihnen kommentieren das Gehörte zur Freude der Veranstalter auch gleich ganz im Stile des US-Wahlkampfs - in 140-Zeichen-Botschaften bei Twitter. Das liest sich dann etwa so: "Amerikas Demokraten sind Schwesterpartei der FDP, meint deren Geschäftsführer. Erfolg habe viele Geschwister, kontert Moderator." Ein anderer tippt in sein Handy: "Kommst du noch zum mediacoffee? Steffi schlägt sich gut."

Für die CDU sitzt ein Wahlkampfveteran auf dem Podium: Peter Radunski, früher ebenfalls Bundesgeschäftsführer seiner Partei, warnt davor, den Erfolg des US-Präsidenten auf das Internet zu reduzieren. Obama sei schließlich omnipräsent gewesen - im Fernsehen, mit Plakaten, mit Briefen an die Wähler und schließlich im Internet. All das sei nur möglich gewesen, weil er den teuersten Wahlkampf aller Zeiten habe führen können "Da kommt man hier sofort an die Budgetgrenze". Außerdem dürfe man das Charisma dieses Mannes nicht vergessen: "Das kann kein deutscher Politiker. Einen Typ wie Obama hätten wir schon alle mal gern."

Als größter Mahner in der Internet-Euphorie geriert sich schließlich der Leiter des ZDF-Hauptstadtbüros, Peter Frey, neben Moderator Romanus Otte von der "Welt" der einzige Journalist in der Runde. Er will in Obamas Wahlkampfmethode eine "gefährliche Tendenz im Meinungsbildungsprozess" erkennen. Gelächter erntet der ZDF-Mann, als er vor Informationen warnt, die nicht zuerst durch den kritischen Flaschenhals des Journalismus gewandert seien. Grünen-Politikerin Lemke entgegnet: "Die Vorstellung, dass Sie mein Flaschenhals sind, behagt mir dann doch nicht."

Allzu große Sorgen muss sich Frey wohl nicht machen. Denn, so die schlichte Erkenntnis des Abends, Deutschland ist nicht Amerika, und für einen Wahlkampf à la Obama braucht es auch Politiker à la Obama. Und manchmal braucht es ja in der Politik vielleicht auch mehr als 140 Zeichen. (ddp)



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