Über 19 000 „Stolpersteine“ hat Künstler Gunter Demnig in Deutschland und anderen Ländern verlegt. In Frechen kamen am Freitag, 3. April, neun weitere hinzu. (Bild: Christ)
Über 19 000 „Stolpersteine“ hat Künstler Gunter Demnig in Deutschland und anderen Ländern verlegt. In Frechen kamen am Freitag, 3. April, neun weitere hinzu. (Bild: Christ)
Frechen -
Der erste Frechener „Stolperstein“ trägt den Namen Elise Winters. Im Alter von 50 Jahren wurde die Jüdin 1941 im polnischen Konzentrationslager Lodz ermordet. Als die Nationalsozialisten sie deportierten, wohnte Elise Winter an der Hauptstraße 103 in der Frechener Innenstadt. Dort, wo sich heute eine Geschäftspassage befindet, ging Künstler Gunter Demnig am Freitag im Beisein von Bürgermeister Hans-Willi Meier in die Knie, um zum Gedenken Winters einen „Stolperstein“ im Pflaster der Fußgängerzone zu versenken. Damit war die Arbeit des 61-Jährigen nicht beendet: Auch an der Hauptstraße 84, 74, 28 und 26 verlegte Demnig Stolpersteine zum Gedenken an deportierte Juden. Insgesamt neun goldglänzende Steine erinnern nun an die Gräueltaten der Nazis. „Wir haben angefangen, eine Lücke in der Erinnerungskultur unserer Stadt zu schließen“, sagte Dr. Franz-Joseph Kiegelmann, Vorsitzender des Frechener Geschichtsvereins. Der Verein zeichnet verantwortlich für die Aktion, mangels städtischer Zuschüsse sammelte er dafür 2700 Euro Spenden. Mit dem Geld sollen bis Jahresende 20 Stolpersteine in der Innenstadt gesetzt werden. Weitere 33 sollen folgen, wenn genug Spenden eingegangen sind. Ziel des Vereins ist es, allen 52 deportierten Frechener Juden sowie einem von den Nazis erschlagenen Kommunisten einen Gedenkstein zu widmen. Doch es gibt auch Kritiker. Für Heimatforscher Egon Heeg etwa kam „eine Erinnerung, auf der man läuft“ nicht in Frage: Er brachte jüngst eine Gedenktafel am Haus Rosmarstraße 10 an, wo einst die jüdische, ebenfalls von den Nazis ermordete Familie Levy lebte.
Auch im Geschichtsverein gingen die Meinungen darüber auseinander, ob es sich bei den Stolpersteinen um eine geeignete Erinnerungsform handelt. Für Vereins-Geschäftsführer Martin Bock sind sie gerade wegen ihrer kontroversen Wirkung die richtige Wahl. Die Steine regten zum Überlegen an und hielten so das Gedenken lebendig.
Positiv nahm Bettina Nottebrock aus Frechen die Aktion auf: „Die Steine sehen hübsch aus und machen neugierig.“ Es sei schön anzusehen, wenn Kinder innehielten und um Erklärungen bäten: „Das ist eine Geschichtsstunde im Vorbeigehen.“ Ursprünglich sollte Demnig am Freitag drei weitere Stolpersteine verlegen. Eine Hausbesitzerin hatte jedoch Widerspruch eingelegt. „Wir wollen auf ihre Gefühle Rücksicht nehmen“, so Bock. Eventuell würden die Steine nun einen anderen „würdevollen Platz“ finden.