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Projekt

„Knastprinzessinnen“ hinter der Kamera

Von Kathrin Gemein, 06.04.09, 18:27h, aktualisiert 14.04.09, 10:32h

Im Filmhaus wurden unter anderem Kurzfilme von jungen Gefängnis-Insassinnen präsentiert. Die Protagonistinnen spielen mit viel Charme und Selbstironie.

Köln - Ein Mädchen kommt in die JVA Ossendorf - und muss das gesamte Einweisungsritual einmal durchmachen: persönliche Sachen abliefern, duschen, die karge Zelle beziehen. Alles unter den strengen Blicken einer Beamtin des Gefängnisses. Die 17-jährige Yvonne wirkt in den langen Gängen der JVA ganz verloren. Doch auf dem Innenhof wird sie von einer anderen Insassin angequatscht, freundet sich mit ihr an - und landet ungewollt mitten in einem Cliquenkampf der anderen inhaftierten Mädchen. Der 19-minütige Film „Knastprinzessinnen und Zickenterror“ ist mit viel Charme und Selbstironie der einzelnen Protagonistinnen gespickt. Und zeigt einerseits die bedrückend kühle Gefängnisatmosphäre und den teilweise ziemlich harschen Umgang untereinander. Andererseits bildet er ganz alltägliche soziale Interaktionen der jungen Frauen ab, die auch in abgewandelter Form auf jedem Pausenhof stattfinden könnten.

Initiiert von Filmemacherin und Pädagogin Lisa Glahn und Mirjam Leuze haben Insassinnen der JVA Ossendorf in einem dreiwöchigen Workshop die Möglichkeit bekommen, ihren Gefängnisalltag von ihrer Warte aus filmisch umzusetzen - und alles selber zu machen: ob Drehbuch, Schnitt oder Schauspielerei, alles wurde ihnen von der Pike auf beigebracht. „Ich arbeite gerne mit Randgruppen, denn was sie oft nicht haben, ist eine eigene Stimme“, erzählt Lahn. Und die Beteiligten sind begeistert: „Wir haben Knast-Situationen nachgestellt, um zu zeigen, wie unser Alltag wirklich aussieht“, erzählt die 17-jährige Luna G. Es sei schon toll, dem Publikum anhand der Filme zu zeigen, wie ihr Leben wirklich ist, erzählt sie nicht ohne Stolz. Das Filmhaus-Kino ist Sonntagnachmittag gerappelt voll - um allen Besuchern Sitzplätze zu bieten, müssen schließlich noch Bierbänke in den Kinoraum getragen werden. Glahn hat unter anderem auch mit jungen Menschen aus der Jugendhilfe Kalk, der Punkerwerkstatt und dem Alevitischen Kulturzentrum zusammengearbeitet, deren Filme an diesem Nachmittag ebenfalls gezeigt wurden.

Die Kurzfilme sind auf einer DVD gesammelt erhältlich: „Kölner Blicke“ ist über die Homepage bestellbar. Der Erlös geht an die Initiative „Jack in the box“.



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