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Art Cologne

Weniger Galerien als im Vorjahr

Von Emmanuel van Stein, 15.04.09, 17:18h, aktualisiert 15.04.09, 18:45h

Zur 43. Art Cologne werden in diesem Jahr nur 180 Galerien aus aller Welt eingeladen. Das sind deutlich weniger Teilnehmer als noch im Vorjahr. Die teilweise ohne Begründung abgelehnten Teilnehmer äußern heftige Kritik.

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Begehrt ist der Zugang zur Art Cologne: Hier ein Blick durch den Vorhang auf der Art im Jahre 2008. (Bild: Worring)
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Begehrt ist der Zugang zur Art Cologne: Hier ein Blick durch den Vorhang auf der Art im Jahre 2008. (Bild: Worring)
Wenn die 43. Art Cologne vom 22. bis 26. April ihre Pforten öffnet, laden 180 Galerien aus dem In- und Ausland wieder zu einen Rundgang ein. Das sind dann deutlich weniger als noch im Vorjahr, als es noch 250 waren. So vehement die Reduzierung der Teilnehmerzahl in den letzten Jahren eingefordert wurde, so heftig brandet jetzt die Kritik einiger Galerien auf, die abgelehnt wurden. Allen voran empört sich der Berliner Galerist Michael Schultz über seine Nichtberücksichtigung.

Auf Anfrage erklärte Schultz, der mehr als ein Jahrzehnt lang für die „Art“ tätig war (als Mitglied des Zulassungsausschusses), man habe ihn „herausgemobbt“ - wegen seiner deutlichen Kritik an der Terminverschiebung (Art Cologne und Cologne Fine Art & Antiques hatten den Platz getauscht) und dem Art-Cologne-Ableger auf Mallorca. Schultz sagte, ein Vorstandsmitglied der Kölnmesse habe ihn nach seinem Teilnahmeverzicht 2008 persönlich aufgefordert, sich für die 43. Art Cologne wieder anzumelden. Schultz: „Dann bin ich ohne Begründung abgelehnt worden.“ Diese habe man ihm bis heute verweigert, weshalb er auch nicht klagen konnte. So habe er zuletzt auf eine Teilnahme verzichtet, obwohl ihm mitgeteilt worden sei, er könne einen Stand bekommen, wenn er denn darauf bestehe.

In einer E-Mail-Korrespondenz zwischen Schultz und einem Manager der Kölnmesse schreibt Schultz am 8. März: „Gestern hatte ich ein Gespräch mit Herrn Hug (Leiter der „Art“; Anm. d. Red.), an dessen Ende ich mich entschlossen habe, auf alles zu verzichten; auf eine Begründung der Ablehnung ebenso wie auf eine Zulassung für 2010. Ich glaube, die verloren gegangene Liebe ist nicht mehr zu kitten. Mein letzter Liebesdienst an die Art Cologne ist der Verzicht auf die Ablehnungsbegründung und die damit verbundene Klage vor Gericht, die ihr mit Sicherheit verloren hättet.“

Der Galerist Christian Nagel, ein Mitglied des Zulassungsbeirats, verteidigt die Entscheidungen der neun Galeristen (darunter vier aus Deutschland), die aus rund 400 Bewerbern auswählen mussten: „Das läuft superkorrekt ab, zudem sind da auch noch zwei Anwälte dabei.“ Seiner Beobachtung nach hat es in diesem Jahr auch „nicht mehr Beschwerden“ gegeben als in der Vergangenheit.

Mit bestem Gewissen

Nagel erklärte zu der heftigen Kritik am Auswahlverfahren: „Wir tun unsere Arbeit mit bestem Gewissen.“ Zum oft geäußerten Zweifel, ob das Gremium unbedingt mit Galeristen besetzt sein müsse, weil diese Galeristen doch nicht objektiv über ihre Mitbewerber entscheiden könnten, stellt Nagel fest: Weder herrsche in dem Gremium ein Konkurrenzdenken, noch seien unabhängige Kuratoren (sie organisieren Ausstellungen oder betreuen Sammlungen) eine Alternative. Die eben nicht so tief in das Galeristengeschäft eingebunden sind.

Allerdings gibt es im Rahmen der Art Cologne den Sonderbereich des „Open Space“, dessen Jury sich aus Kuratoren zusammensetzt. Dessen Macherin Kathrin Luz verweist jedoch darauf, dass es sich hierbei nicht um eine klassische Verkaufsfläche handele. Luz bezeichnete es als „Trugschluss“, dass Kuratoren bei ihren Entscheidungen unanfechtbar seien.

Ablehnungen werden, wie Daniel Hug, der Leiter der Art Cologne, erklärt, prinzipiell ohne Begründung verschickt. Die Galerien können dann allerdings eine Begründung einfordern. Hug: „Das funktioniert wie bei jeder anderen Kunstmesse.“ Beim Art Forum Berlin beispielsweise wird eine Ablehnungsbegründung verschickt, wenn die betreffende Galerie Widerspruch einlegt. Susanne Tschenisch, die Pressesprecherin des Art Forums, zum weiteren Verfahren: „Dann prüft ein Schiedsgericht.“ Die sieben Galeristen vom Auswahlkomitee der Art Basel verschicken sogar ausführliche Absagebriefe, so Maike Cruse, Pressesprecherin der Art Basel: „Die machen das sehr genau.“ Cruse betont überdies, dass die Besetzung der Jury ausschließlich mit Galeristen „viel Sinn“ mache. Denn das seien die einzigen Fachkräfte, die einen profunden Einblick in die Arbeit von Galerien haben.

Daniel Hug erinnert daran, dass die Art Cologne von Galeristen gegründet wurde: „Die Galeristen sind nun mal am besten informiert.“ Fragt man nach den Auswahl-Kriterien, so wird stets „die Qualität“ genannt, aber auch Konstanz und Marktpräsenz. Hug nennt ein Beispiel: Es sei „unfair“, eine Galerie zuzulassen, die ihrem Künstler erst zwei Ausstellungen ausgerichtet habe, während andere Galerien ihre Künstler bereits über viele Jahre hinweg betreue.

Derweil wirft Schultz dem Jury-Mitglied Nagel vor, seine Nichtzulassung in einem Brief öffentlich gemacht zu haben. Dazu schreibt Schultz in nämlicher Korrespondenz am 7. April an die Messe: „Ist das der neue Stil in Köln? Ich bin sprachlos, wirklich. Das ist eine bodenlose Unverschämtheit und eine ungeheuerliche Rufschädigung.“ Darauf antwortete der Kölnmesse-Manager: „Die Kölnmesse, d.h. die Art Cologne hat in der Vergangenheit weder Namen nicht zugelassener Galerien genannt, noch veröffentlicht und wir werden dies auch zukünftig nicht tun.“ Auch Nagel beteuert, einen solchen Brief habe es nicht gegeben.



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