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Stadt-Archiv

Dokumente aus Keller geborgen

Von Carl Dietmar und Simon Müller, 21.04.09, 15:52h, aktualisiert 23.04.09, 14:07h

Die Feuerwehr hat aus einem Kellerraum des eingestürzten Stadtarchivs insgesamt 850 Regalmeter Akten geborgen - unter anderem lagerten dort Unterlagen von Günter Wallraf und Prof. Erich Schneider-Wessling.

Stadt-Archiv Köln
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Gefunden wurden auch Telefonbücher aus den 50er Jahren. (Bild: Krasniqi)
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Gefunden wurden auch Telefonbücher aus den 50er Jahren. (Bild: Krasniqi)
Innenstadt - Es war eine unerwartete Entdeckung, die die Feuerwehrleute in den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs schon am Freitag gemacht hatten: Unter einer frisch abgetragenen Schuttschicht tat sich ihnen eine etwa einen Quadratmeter große Öffnung auf - dahinter ein Hohlraum. Mit Taschenlampen leuchteten die Einsatzkräfte in die Dunkelheit. Und blickten in einen unbeschädigten Kellerraum.

Am Dienstagmorgen hat die Feuerwehr insgesamt 850 Regalmeter Akten aus diesem Keller geborgen. Das gerettete Material befindet sich nach Angaben von Feuerwehrsprecher Daniel Leupold in einem „einwandfreien Zustand“. „Die Decke dieses Raumes hat der Belastung offenbar stand gehalten, obwohl andere Teile des Kellers eingestürzt sind.“ Den Weg zu den Unterlagen bahnte sich die Feuerwehr nicht von der Öffnung im eigentlichen Trümmerkrater aus, sondern über die Rückseite des Häuserblocks. Zunächst musste eine knapp sieben Meter lange Rampe errichtet werden. Die Einsatzkräfte legten die Rampe mit Holzbrettern aus, schoben Rollcontainer ins Untergeschoss und räumten die Archivalien direkt aus den Regalen.

Bei dem geborgenen Archivgut handelt es sich um Zeitungen des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Bände zweier wissenschaftlicher Reihen, die „Veröffentlichungen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde“ und die „Mitteilungen des Stadtarchivs Köln“, in der Ergebnisse der Archivarbeit publiziert sind. Im Keller lagerten aber auch die gesammelten Unterlagen des Architekten Prof. Erich Schneider-Wessling und des Schriftstellers Günter Wallraf, so genannte „Vorlässe“. Wallraf, dessen Material in mehr als 200 Kartons archiviert war, erhielt die „erlösende Nachricht“, als er sich - nach eigenen Worten - „gerade mit irgendwelchen Rechtsanwälten“ herumschlug. „Heute feiere ich meinen zweiten Geburtstag“, kündigte Wallraf an. Da das Material „ganz unten“ gefunden wurde, sieht Wallraf nun als Glücksfall an, zumal er einen Teil der Unterlagen für ein aktuelles Projekt einsehen wollte.

Auch Schneider-Wessling war „sehr froh und glücklich“, dass seine Arbeiten aus mehr als 50 Jahren wieder zugänglich sind, Originale von Plänen, Wettbewerbsunterlagen, Entwurfzeichnungen, Schriftverkehr und dergleichen mehr. „Ein Architekt baut schließlich immer auf seinen Arbeiten auf.“

Am Waidmarkt arbeiten zurzeit noch etwa 60 Feuerwehrleute, davon 15 aus Bonn. Ein Messsystem überwacht die Unglücksstelle Tag und Nacht, die benachbarten Gebäude und der Boden werden regelmäßig kontrolliert - bisher ohne jede Warnmeldung. Mehr als 5600 Tonnen Schutt seien schon weggeräumt worden, teilte die Feuerwehr mit. Bis Ende Mai seien vermutlich alle Archivalien geborgen.

Keine Sicherheitsbedenken

Unterdessen haben Sachverständige auch die Beschleunigungskonzepte für die unterirdischen Bauwerke und die Haltestellen Bechergasse, Severinstraße, Chlodwigplatz sowie Bonner Wall überprüft. Die Experten hätten „keine Sicherheitsbedenken geltend gemacht“, teilte das Presseamt mit. Daher sei auch keine Beschleunigung der Baumaßnahmen empfohlen worden. Das Beschleunigungsprogramm für den Heumarkt wird indessen noch überprüft.

Nach Angaben der Stadt haben inzwischen die meisten Betroffenen, die durch den Einsturz ihre Wohnungen verloren haben, eine neue Bleibe gefunden. 21 Personen wohnten noch im Hotel wohnen.



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