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Wegen Mohammed al Dura

„France 2“ droht der ARD

Von Jan-Philipp Hein, 21.04.09, 22:32h, aktualisiert 21.04.09, 23:50h

Akribisch recherchierte Filme der HR-Journalistin Esther Schapira in der ARD haben den Bericht der Kollegen von „France 2“ in Frage gestellt, wonach israelische Soldaten im Jahr 2001 ein Kind erschossen haben sollen. Die Franzosen sind empört.

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Ein Bild, das zur Ikone des palästinensichen Zornes wurde: Mohammad al-Dura, der von israelischen Soldaten getötet worden sein soll. (Bild: rtr)
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Ein Bild, das zur Ikone des palästinensichen Zornes wurde: Mohammad al-Dura, der von israelischen Soldaten getötet worden sein soll. (Bild: rtr)
Mohammed al Dura ist inzwischen eine Ikone in der arabischen Welt. Sein dramatischer Tod ist auf Banknoten oder Briefmarken abgebildet. Zu sehen ist der Junge, der sich mit angstverzerrtem Gesicht an seinen Vater presst, der ihn zu schützen vergeblich vor den Gewehrkugeln eines israelischen Soldaten zu schützen versucht. So jedenfalls schilderte es am 30. September 2000 Charles Enderlin, Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Senders France 2. Das Ereignis wirkte auf die bereits aufgepeitschten Palästinenser bei der zweiten so genannten Intifada gegen Israel wie ein Verstärker.

Esther Schapira und Georg M. Hafner vom Hessischen Rundfunk haben zwei Filme zum Tod des Jungen gemacht. Die Indizienkette, die sie geknüpft haben, legt nicht nur nahe, dass es keine israelischen, sondern wenn, palästinensische Kugeln gewesen sein müssen, die al Dura töteten. In ihrem jüngsten Film, der Anfang März im Ersten lief, resümieren sie, dass es keinen Beweis gibt, dass al Dura überhaupt starb. Titel: „Der Junge, der Tod und die Wahrheit“.

Tod ohne Beleg

Angegriffen fühlt sich durch die Recherchen der deutschen Journalisten jetzt der Überbringer der Nachricht, Mohammed al Dura sei von israelischen Soldaten erschossen worden. Patrick De Carolis, Präsident von France Télévisons, unter dessen Dach France 2 ist, schrieb dem amtierenden ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust einen wenig freundlichen Brief, in dem er droht, die Kooperation der Senderfamilien aufzukündigen. Außerdem, so die ARD auf Nachfrage, habe er vor weiteren Ausstrahlungen des Films gewarnt.

Inzwischen hat De Carolis eine Antwort vom Intendanten des Hessischen Rundfunk (HR), Helmut Reitze, bekommen. „Wir haben France 2 geschrieben, dass wir keine Veranlassung sehen, den Film zurückzuziehen. Der Film ist nicht gegen den Sender gerichtet“, sagt HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ein weiterer Vorwurf der Franzosen sei gewesen, dass ihr Sender nicht ausreichend gehört worden sei. Dazu sagt Krupp: „Unsere Autoren haben sich um Fairness bemüht. Natürlich ist France 2 angefragt worden.“ Charles Enderlin und die Nachrichtenchefin Arlette Chabot tauchen in dem Stück auf.

France 2 und sein renommierter Nahost-Korrespondent mussten bereits eine Niederlage einstecken. In zweiter Instanz verloren sie im Sommer 2008 gegen den Medienkritiker Philippe Karsenty, der France 2 der Fälschung bezichtigte.

Für Enderlin geht es um seinen Ruf. Bei seiner Verteidigung geht er wenig zimperlich mit dem seiner Kollegin Schapira um. Die nannte er gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ eine „militante Journalistin“, die sich von rechten Kreisen in Israel vereinnahmen lasse. Esther Schapira will dagegen nicht vorgehen: „Wir üben selbst deutliche Kritik und sind umgekehrt auch bereit uns jeder Kritik zu stellen. Und genau das empört mich am Verhalten von France 2 und Herrn Enderlin, dass sie versuchen Kritik an ihrer Arbeit zu unterbinden.“



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