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Kloster in der Südosttürkei

Unklare Zukunft im Kloster Mor Gabriel

Von Gerd Höhler, 22.04.09, 23:00h

Der christliche Orden in der Südosttürkei gerät immer mehr in Bedrängnis. Grund dafür sind neue Gebietsansprüche. Der Fall gilt auch als Prüfstein für die EU-Perspektive des Landes.

Kloster Mor Gabriel
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Mönche in dem bedrohten Kloster Mor Gabriel (Bild: Reuters)
Kloster Mor Gabriel
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Mönche in dem bedrohten Kloster Mor Gabriel (Bild: Reuters)
ANKARA - Die Zukunft des christlichen Klosters Mor Gabriel in der Südosttürkei wird immer ungewisser. Mehrere seit November 2008 laufende Gerichtsverfahren, bei denen es um eine drohende Enteignung von Ländereien der Abtei geht, wurden am Mittwoch vor dem Landgericht der Kreisstadt Midyat ein weiteres Mal vertagt. Der Fall, über den am 6. Mai erneut verhandelt werden soll, berührt die Religionsfreiheit in der Türkei und gilt damit auch als Prüfstein für die EU-Perspektive des Landes.

Der türkische Staat und drei benachbarte Gemeinden beanspruchen große Teile des Klosterlandes. Dabei ging es bisher um mehrere hundert Hektar Boden. Bei einer vom Gericht angeordneten Ortsbegehung hat Anfang April eines der Nachbardörfer, die Ortschaft Yayvantepe, neue Gebietsforderungen angemeldet: das Dorf beansprucht nun auch Land, auf dem Gebäude des im Jahr 397 gegründeten Klosters stehen. Mit den neuen Ansprüchen scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen der bedrängten syrisch-orthodoxen Christen in der Türkei zu bestätigen. Sie sehen durch die Landansprüche die Existenz von Mor Gabriel, eines der ältesten Klöster der Christenheit überhaupt, in Gefahr: „Sie wollen alles - erst unser Land, dann unser Kloster“ sagt der Abt von Mor Gabriel, Bischof Timotheus Samuel Aktas.

Der Konflikt begann 2008 mit einer vom Staat angeordneten Landvermessung der Region, in der es bis dahin keine Grundbücher gab. Bei der Aufstellung des Katasters wurden dem Kloster mehrere hundert Hektar Land aberkannt. Weitere Vorwürfe stehen im Raum: so etwa die Behauptung, das Kloster sei auf der Ruine einer Moschee errichtet worden - dabei stand Mor Gabriel bereits seit über 200 Jahren, als Mohammed um das Jahr 615 den Islam begründete.

Mor Gabriel ist eines von nur noch sechs übrig gebliebenen syrisch-orthodoxen Klöstern auf dem Tur Abdin, einem kargen Bergrücken, der sich von der südostanatolischen Stadt Mardin nach Osten bis zum Tigris erstreckt. Tur Abdin bedeutet übersetzt „Berg der Gottesknechte“. Mehr als 80 christliche Klöster gab es hier einmal. Noch Anfang der 1970er Jahre lebten hier etwa 250 000 syrisch-orthodixe Christen. Die meisten wanderten seither aus nach Westeuropa - teils wegen zunehmender Übergriffe fanatischer Muslime, teils aus wirtschaftlicher Not, aber auch wegen des Kurdenkrieges, der hier in den 90er Jahren wütete. Wie alle nicht-muslimischen Glaubensgemeinschaften sind auch die christlichen Gemeinden auf dem Tur Abdin weitgehend rechtlos. Der ungesicherte Rechtsstatus der Kirchen erleichtert Behördenwillkür und Enteignungen - wie sie jetzt Mor Gabriel drohen. Für den kommenden Samstag haben aramäische, christliche, alevitische und kurdische Verbände zu einer Kundgebung für Mor Gabriel nach Köln eingeladen.

Zu dem Gerichtstermin in Midyat, bereits der fünften Verhandlung in dieser Sache, waren am Mittwoch erneut zahlreiche Beobachter aus dem Ausland angereist. Auch Vertreter der EU-Botschaften in Ankara verfolgten den Prozess, der die türkische Regierung international unter immer größeren Druck bringt.



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