Von Peter Berger und Dirk Risse, 22.04.09, 18:16h, aktualisiert 22.04.09, 22:04h
Im Jahr 2006 hatte das Nettetaler Unternehmen Frankonia Eurobau das 4,8 Hektar große Gelände im Herzen der Innenstadt erworben, auf dem Jahrzehnte der Kölner Versicherer Gerling seinen Stammsitz hatte. Nach der Übernahme durch den Konkurrenten Talanx vor drei Jahren und der Entscheidung, mit dem Versicherungskonzern in die früheren Deutzer Rheinhallen umzuziehen, steht das Friesenviertel vor einem Umbruch. Mitte des Jahres werden die Talanx-Mitarbeiter die Büros geräumt haben. Dann fällt der Startschuss für das ambitionierte Bauprojekt.
Rund 380 Millionen Euro will Frankonia nach Angaben von Projektleiter Benno Maubach bis 2013 in den Umbau des Komplexes stecken, den Gerling-Chef Hans Gerling und der wegen seiner NS-Vergangenheit umstrittene Architekt Arno Breker in den 1950er Jahren geplant hatten. „Für mich ist das nach dem Rheinauhafen das spannendste Projekt, das Köln derzeit zu bieten hat. Mitten im Herzen von Köln ein solches Areal entwickeln zu dürfen, ist schon eine besondere Herausforderung“, sagt Maubach.
Neben Büros und Geschäften sollen bis 2013 auf einer Baufläche von 130 000 Quadratmetern 140 Eigentumswohnungen entstehen. Die denkmalgeschützten Fassaden werden erhalten. „Wir werden sie entfernen, die Gebäude energietechnisch auf den neuesten Stand bringen und dann wieder anbringen.“ Die 14 Etagen des Gerling-Hochhauses am Gereonshof werden entkernt und in 26 Appartements umgewandelt - zwischen 145 und 365 Quadratmeter groß. Angesichts der Wirtschaftskrise werde man die Pläne den veränderten Wohn-Bedürfnissen anpassen. „Wir haben gerade für das Hochhaus auch Anfragen nach kleineren Wohnungen, so dass wir variable Grundrisse anbieten können“, so Maubach. Die Quadratmeter-Kaufpreise werden bei rund 4500 Euro beginnen. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Zum geplanten Premium-Wohnen werden auch entsprechende Dienstleistungen gehören: Unter anderem sind Portiers und eine Club-Lounge geplant. In einer Passage am Gereonskloster und gegenüber des Hauses von Werth sollen zwei Neubauten mit elf Lofts mit 70 bis 122 Quadratmeter Größe entstehen. Während das Haus von Werth bis auf das denkmalgeschützte Torhaus abgebrochen wird, planen die Architekten im angrenzenden Agrippina Palais einen Mix aus Büros und Wohnungen. Das neu geplante Torhaus am Gereonshof soll ein Tagungszentrum beherbergen. Für die so genannte Jahrhunderthalle gebe es noch keine konkreten Pläne, reizvoll sei aber, dort einen Lebensmittelmarkt „der edleren Kategorie mit entsprechender Gastronomie anzusiedeln“. Ebenfalls geplant und in Köln bisher kaum vorhanden sind so genannte Serviced-Wohnungen. „Damit richten wir uns an die Zielgruppe von Menschen, die aufgrund des Jobs für eine begrenzte Zeit in Köln leben, aber nicht ständig in einem Hotel wohnen, sondern etwas mehr Privatsphäre möchten.“
Frankonia Eurobau wird das Gerling-Viertel in zwei Etappen entwickeln. „Wir beginnen mit dem nördlichen Teil, weil dort mehrere Gebäude abgebrochen und neue Häuser entstehen werden“, erläutert Maubach. Der südliche Teil mit dem Rundbau wird ein halbes Jahr später in Angriff genommen.
Schluss mit der Monokultur
Widerstand gegen die Umbaupläne sind aus der Politik nicht zu erwarten. Nachdem die Bezirksvertretung Innenstadt die Vorlage einstimmig beschlossen hat, signalisierten die Vertreter von CDU und SPD, dem Papier im Stadtentwicklungsausschuss zuzustimmen. Dessen Vorsitzender Karl Jürgen Klipper (CDU) begrüßt das Frankonia-Projekt ausdrücklich: Der Umbau mache Schluss mit der „Monokultur“ im Gerling-Viertel. „Ab 17 Uhr herrschte da bislang tote Hose.“ Jetzt entstehe durch die geplante Mischung aus Wohnen und Arbeiten ein Stück moderner Innenstadt. Klippers Stellvertreterin Eva Bürgermeister (SPD) äußert sich ähnlich: „Im Grundsatz sind wir unbedingt dafür, dass sich dort was tut.“ Der Vorsitzende des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Gottfried Stracke, unterstützt die Idee, nach dem Einsturz des Historischen Archivs an der Severinstraße die Schriftensammlung am Gereonshof unterzubringen. Dort hatte sich das Archiv bis 1971 befunden. Realistisch ist das allerdings nicht, denn die Kosten werden inzwischen auf 85 Millionen Euro beziffert.
Beim ursprünglichen Angebot aus dem Jahre 2008 sei man davon ausgegangen, dass zwei Drittel der Magazinflächen unter der Erde liegen werden, so Benno Maubach. Diese Pläne seien überholt. Wenn man jetzt oberirdische Magazinbauten planen müsse, habe das erhebliche Folgen für den Grundstückswert. Maubach ist eher skeptisch, dass sich die Politik zu diesem Schritt entschließt. „Die Stadt muss sich entscheiden, ob es wirklich erforderlich ist, für ein Stadtarchiv ein derartiges Filetgrundstück mitten in der City für Archivzwecke zu nutzen. Das ist eine politische Entscheidung.“
Zu dem Bebauungsplan „Gereonshof“ hatte es rund zwei Dutzend Stellungnahmen von Bürgern gegeben, die unter anderem die geplante Aufstockung der Gebäude kritisierten. Die Stadt hatte die Einwände allerdings zurückgewiesen. Weder würde das Höhenkonzept der Stadt umgangen noch der freie Blick auf die romanische Kirche St. Gereon gefährdet, so die Verwaltung.
Wer nicht gemerkt hat, ...
23.04.2009 | 20.57 Uhr | metöke
... daß diese Planung lauthals "Esch-Oppenheim" schreit, der muß stocktaub sein.
Und mittlerweile haben sich doch die ökonomischen Rahmenbedingungen…
Äh, "mobile Leistungsträger ...
23.04.2009 | 20.54 Uhr | metöke
... wandern in attraktivere Volkswirtschaften ab"?
Denken Sie dabei an Zumwinkel und seine Übersiedlung in den Bereich der attraktiven und mafiosen…
Wohl war!
23.04.2009 | 16.03 Uhr | Stauffenberg
deshalb wandern ja auch die mobilen Leistungsträger in attraktivere Volkswirtschaften. Währenddessen versinkt Deutschland weiter im Umverteilungswahn…
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