Erstellt 27.04.09, 19:41h
LEVERKUSENER ANZEIGER / KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Amanatidou, was hat sich im Stadtteil alles verändert?
GALINA AMANATIDOU: Es gibt zwei neue Vereine in Rheindorf: Die Rheindorfer Pänz e.V. und den Förderverein Soziale Stadt Rheindorf. Arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene sind seit Juli 2008 im Rahmen eines Beschäftigungsprojektes im Stadtteil unterwegs. Sie schneiden, roden, säubern und pflegen die Außenanlagen, bessern die Wegeflächen aus, erneuern die Parkbänke im Friedenspark und beseitigen Müll. Im Januar 2008 startete das Projekt zur Integration von Bewohnerinnen und Bewohnern mit Zuwanderungsgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband. Außerdem hat ein erstes Stadtteilfest im vergangenen Jahr stattgefunden, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Schießverein Rheindorf.
Und darüber hinaus?
AMANATIDOU: Das Media-Café hat einen Zuschuss erhalten und konnte so ein elektronisches Ausleihsystem einführen. Zudem gibt's jetzt eine Bewegungsförderung für Kinder der Schule Masurenstraße. Sie wird zusammen mit dem TuS-Rheindorf angeboten. Im vergangenen Sommer hat die Wohnungsgesellschaft Leverkusen ihre Mieter befragt. Dabei ging's um seniorengerechtes Wohnen. Auf dieser Grundlage können nun neue Wohnkonzepte besprochen werden.
Das ist doch schon eine ganze Menge. Gibt es Folgeprojekte?
AMANATIDOU: Ja. Das Landesprogramm „Soziale Stadt NRW“ ist eine Eintrittskarte für weitere Förderprogramme, so das europaweite künstlerische Projekt MUS-E, es hat bereits in den dritten Schulklassen der Grundschule Masurenstraße und Löwenzahnschule begonnen. Ferner gibt's das MiMi-Projekt (mit Migranten für Migranten), das eine Schulung zu Gesundheitsmediatoren ermöglicht.
Es gibt sechs Arbeitsgruppen. Wie viele Menschen engagieren sich in diesen Gruppen?
AMANATIDOU: Das ist recht unterschiedlich und hängt vom aktuellen Thema, der eingeladenen Gäste als Referentinnen und Referenten ab. Durchschnittlich besuchen rund zehn bis 30 Bürger die Arbeitsgemeinschaften.
Engagieren sich da auch Leute aus allen sozialen Schichten?
AMANATIDOU: In der Arbeitsgruppe engagieren sich unterschiedliche Menschen. Da sind bestimmt auch Leute dabei, deren Einkommen und Bildungsabschluss eher durchschnittlich sind. Ins Stadtteilbüro kommen auch die leisen und alten Menschen, die sich nicht in die Arbeitsgruppe trauen oder physisch nicht in der Lage sind, lange Sitzungen durchzuhalten.
Engagieren sich junge Leute?
AMANATIDOU: Wenn Sie die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen meinen, ist ihre Anzahl in den Arbeitsgruppen gering. Jugendliche interessieren sich vor allen Dingen für das Jugendhaus und das Stadtteilfest.
Engagieren sich Migranten?
AMANATIDOU: Ja, sie gehen zum Elterncafé der Caritas in die Schule an der Masurenstraße. Das sind hauptsächlich junge Frauen. Sie besuchen auch die Angebote im Rheindorfer Laden und kommen ins Stadtteilbüro. Vereinzelt bringen sie sich auch in den Arbeitsgruppen ein, beispielsweise zum Thema Stadtteilfest und Gesundheitsförderung.
Liegen wegweisende Entscheidungen der Arbeitsgruppen vor?
AMANATIDOU: In allen Arbeitsgruppen und im Stadtteilbeirat sind Ergebnisse und Entscheidungen auf den Weg gebracht worden. So das Stadtteilfest, die Verbesserungsvorschläge für das Wohnumfeld, die Gestaltung des Friedensparks, Vorschläge zur Attraktivierung des Markts am Königsberger Platz, die Umgestaltung des Festplatzes an der Felderstraße. Da es sich um Investitions-Maßnahmen handelt, wird vieles davon erst im nächsten und übernächsten Jahr verwirklicht. Außerdem hat sich vor kurzem ein Mieterrat zusammengefunden.
Ein Großprojekt ist ein neues Jugendhaus?
AMANATIDOU: Bislang ist entschieden worden, dass der Bau eines Jugendhauses so schnell wie möglich erfolgen soll. Der Wunsch ist, die Baufertigstellung 2012 zu feiern. Zur Zeit werden in der Verwaltung unterschiedliche Standorte geprüft. Ein weiterer dicker Brocken ist das Beschäftigungsprojekt. In diesem Projekt arbeiten zurzeit zwölf Jugendliche und junge Erwachsene. Insgesamt sollen im Laufe des bis 2012 laufenden Projektes rund 180 erwerbslose junge Frauen und Männer qualifiziert werden. Sie werden sechs Monate lang an berufspraktische Tätigkeiten herangeführt.
Und wo werden sie dann eingesetzt?
AMANATIDOU: Sie arbeiten im Friedenspark, schneiden, roden, säubern und pflegen die Grünanlage, bessern die Wegeflächen aus, erneuern die Parkbänke, beseitigen Müll. Als erstes Gebiet haben sie sich die Fläche um den Rheindorfer See vorgeknöpft. Sie sind aber auch beispielsweise am Königsberger Platz tätig und haben auch dem Bauspielplatz bei der Beseitigung von lästigem Grün geholfen.
Viele deutschsprachige Bürger aus Rheindorf-Nord kritisieren, dass in ihrem Stadtteil im Gegensatz zu anderen in Leverkusen, zu viele Migranten wohnen? In diesem Zusammenhang wurde der Begriff Wohnraum-Management geprägt.
AMANATIDOU: Das ist mir neu. In den Stadtteilen Manfort, Wiesdorf, Opladen wohnen quartiersbezogen genau so viele Migranten wie in Rheindorf-Nord. In der Arbeitsgruppe zwei wurde das so genannte „Belegungsmanagement“ diskutiert. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe haben die Wohnungsgesellschaften gebeten, Statistiken über die Bewohnerstruktur vorzulegen. Anhand dieser Zahlen und Fakten konnten die Bedenken ausgeräumt werden. Es gibt in diesem Zusammenhang auch rechtliche Grundsatzentscheidungen und Gesetze, die eingehalten werden müssen. Jedenfalls hat sich die Arbeitsgruppe darauf verständigt, Integration und das Zusammenleben in den Vordergrund ihrer Aktivitäten zu stellen. Dazu gehören auch die Arbeit des Mieterrates, Straßen- und Nachbarschaftsfeste. Rheindorf-Nord hat im Vergleich zu anderen Stadtteilen viele Kinder und viele alte Menschen.
Was passiert zum Stichwort altengerechtes Wohnen?
AMANATIDOU: Eine Arbeitsgruppe hat einen Fragebogen entwickelt und eine Befragung bei Senioren durchgeführt. Ergebnis dieser Befragung war: Die meisten älteren Menschen möchten möglichst lange in ihrer Wohnung bleiben. Sie favorisieren seniorengerechte Wohnungen, haben Interesse an Hausnotrufsystemen und an Haushaltsdiensten. In Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt und der WGL wurde das Projekt „Betreutes Wohnen zu Hause“ entwickelt, das im Juli 2009 beginnt. Es bietet den Teilnehmern vergleichbare Serviceleistungen wie ein konventionelles betreutes Wohnen in einer entsprechenden Anlage. Es werden Grundleistungen angeboten, für die eine monatliche Servicepauschale zu entrichten ist. Darüber hinaus können Wahlleistungen in Anspruch genommen werden. Für die Neugestaltung der Spielflächen im Friedenspark sollen durch eine Kinder- und Jugendbeteiligung die Bedürfnisse und Ideen dieser Altersgruppen berücksichtigt werden.
Was möchten Sie den im Stadtteilbeirat engagierten Politikern und Bürgern mit auf den Weg geben? Auch mit Blick auf das Wahljahr 2009?
AMANATIDOU: Ich würde mir manche Debatte etwas sachlicher und weniger polemisch wünschen. Ich würde mir wünschen, dass Einigkeit bei anstehenden Großprojekten wie beispielsweise dem Jugendhaus und der Gestaltung der Plätze und Parks erzielt werden könnte. Der Stadtteil und die dort lebenden Menschen sollen durch das Projekt Soziale Stadt mehr Attraktivität und bessere Wohn- und Lebensbedingungen erfahren. Darauf sollte sich die ganze Aufmerksamkeit richten.
Das Gespräch führte
Ulla Jonen
2 Stunden ...
28.04.2009 | 07.30 Uhr | JamesBond
... von 40 möglichen Arbeitsstunden ist das Stadtteilbüro sicher besetzt. Ansonsten kann ein Termin vereinbart werden. Das sagt ja wohl schon alles…
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