Von Anja Katzmarzik, 03.05.09, 20:13h, aktualisiert 04.05.09, 12:31h
Neben Carolina Brauckmann, die für die älteren lesbischen Frauen zuständig ist, betreut Markus Schupp die schwulen Männer in allen „praktischen und wissenschaftlichen Belangen“. Der 40-Jährige vernetzt bestehende und im Aufbau befindliche Selbsthilfeangebote in Köln und steht diesen zur Seite. Für Karl Wiesinger ist das ein großes Glück.
Öffentlichkeit und Lobbyarbeit ist für den 70-jährigen pensionierten Elektroinstallateurmeister umso wichtiger, je älter er wird. Er will „auch im Alter mein Selbstbewusstsein erhalten“. Das ist für den gebürtigen Bremer als alter und schwuler Mann in mehrfacher Hinsicht wichtig - und oft anders wichtig als für heterosexuelle Rentner, versichert er. Karl Wiesinger wuchs in einer Zeit auf, in der Homosexualität nicht nur als ein Tabu galt, sondern auch ein Straftatbestand nach Paragraf 175 des Strafgesetzbuches war, der in Teilen noch bis 1994 gültig war. Als einer der ersten Kriegsdienstverweigerer und früh in der Friedensbewegung aktiv, war Wiesinger stets Gegenwind gewöhnt. „Ich stand immer mit dem Rücken zur Wand.“
Bei der Emanzipation gleichgeschlechtlich liebender Menschen habe seine Generation viel erreicht. „Wir sind gut vernetzt und haben viele Mauern abgebaut“, so der Nippeser. Im Alter dürfe sich dies nicht ins Gegenteil verkehren. Doch ausgerechnet von anderen älteren und sogar jungen, schwulen Männern gehe häufig - wenn auch unbewusst - eine Diskriminierung aus. „Es gibt viele Schwulenkneipen in Köln. Aber nicht jeder schwule Mann geht gerne in diese Kneipen“, weiß Schupp. Weil er selbst schwul lebt.
Im Alter komme in der oft sexualisierten Lebenswelt schwuler Männer eine weitere Dimension hinzu. „Ist der erste Lack ab, fängt die Selbst- und die Fremdausgrenzung innerhalb der eigenen Minderheit an.“ Einsamkeit und Hilflosigkeit seien oft die Folge. Dagegen wollen Wiesinger und Schupp ankämpfen.
Viele schwule Männer seiner Generation können bis heute nicht den Begriff schwul für sich akzeptieren und seien besonders verletzbar, wenn sie etwa Schwulenwitze hören. Viele waren oder sind immer noch verheiratet und trauen sich oft erst mit dem Ruhestand „raus“. Wiesinger selbst ist auch verheiratet, jedoch mit aller Offenheit seiner Frau und seinem Sohn gegenüber - von Anfang an. „Es war eine Vernunftentscheidung für uns beide. Wir lernten uns in der Friedensbewegung kennen und waren der Meinung, dass auch Kinder in die Welt gesetzt werden müssen, die anders erzogen werden.“
„Ich will nicht, dass die Gesellschaft oder die Politik nur das CSD-Bild von Homosexuellen in den Köpfen hat“, sagt Wiesinger, der mit dem „Kultcafé“ und den „Golden Gays“ im Rubicon-Beratungszentrum in zwei Selbsthilfe-Gruppen engagiert ist.
Der Hauptamtler Markus Schupp ist dabei für den Ehrenamtler und viele andere eine unersetzliche Unterstützung. Ob es um die Einrichtung eines Besuchsdienst für schwule Senioren geht oder um rechtliche Schwierigkeiten wie das Problem von Besuchsrechten von einem Lebenspartner, der kein Ehepartner ist.
Mit dem Sammeln, Sichten und Auswerten von Berichten und Arbeiten zu verschiedenen Aspekten des Themas leistet Schupp zudem auf speziellen Gebieten Aufbauarbeit. So sollte „kein alter Mensch im Intimbereich von einem Pfleger des anderen Geschlechts gewaschen werden“, findet der gelernte Krankenpfleger. Er weiß, dass es manchmal dennoch so ist. „Jeder Mensch hat das Recht, diskriminierungsfrei und kultursensitiv zu altern.“ Dazu wünscht sich Schupp eine Vernetzung mit den heterosexuellen Senioren-Netzwerken. „Wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten als viele glauben.“
Disriminierung fängt bein Titel des Artikels an....
04.05.2009 | 13.46 Uhr | risaysol
...fasst er mal wieder Homosexuelle unter dem Begriff "Schwule" zusammen. Es wird von Frauen und Männern gesprochen und doch heißt der Titel "Hilfe…
Hilfe für schwule Senioren
04.05.2009 | 12.40 Uhr | heinz.greuling
Ich freue mich über diesen informativen Artikel, der mir aus dem Herzen spricht. Als 53-jähriger, der seit 26 Jahren in einer glücklichen Beziehung…
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