Erstellt 04.05.09, 21:31h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Sonneborn, Ihre Mitbewerber plakatieren in Nordrhein-Westfalen im Vorfeld der Europa-Wahl schon großflächig. Warum befindet sich „Die Partei“ noch im Tiefschlaf?
MARTIN SONNEBORN: Ich bedanke mich für diese Frage. Ich hätte das sonst selbst angesprochen. Wir schenken uns die Europa-Wahl und konzentrieren uns voll auf die Bundestagswahl. Unser erstes und größtes Ziel ist die Machtübernahme hier im Bund, bevor wir uns auf Europa ausdehnen. Ein Anlass für diese Bundestagswahl ist ja auch der Geburtstag des Faktenmagazins „Titanic“, das ist das Zentralorgan der Partei. „Titanic“ wird Anfang Oktober 30 Anfang und um uns selbst zu feiern, veranstalten wir eine Bundestagswahl. Das Datum haben wir schon festgelegt, 27. September, das können Sie auch ihren Lesern freundlicherweise schon mitteilen. Da laden wir sämtliche Parteien ein teilzunehmen, außer die FDP.
Was haben Sie für Vorbehalte gegen die Freien Demokraten? Sind Sie der Meinung, dass es rechts von Ihnen keine demokratisch legitimierte Spaßpartei geben darf?
SONNEBORN: Ich bedanke mich für diese Frage. Es stört uns grundsätzlich, dass es andere Parteien gibt in diesem Land, aber die FDP ist uns besonders verhasst, weil das eine Spaßpartei ist, und weil uns ja oft der Vorwurf gemacht wurde, wir seien lediglich eine Spaßpartei.
Werden Sie, die FDP mal ausgeklammert, mit einer Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehen oder setzen Sie auf eine eigene Mehrheit?
SONNEBORN: Nein, die übliche Koalitionsaussage - wir nehmen jeden, der sich als Steigbügelhalter andient auf dem Weg zur Macht - gilt natürlich auch in diesem Wahlkampf.
Die SPD zeigt auf einem Plakat einen Fön, der statt eines Kopfes aus einem Anzug ragt, dazu den Spruch: „Heiße Luft würde Die Linke wählen“: Kommt diese Form von vergleichender, diffamierender Wahlwerbung für Die Partei in Frage?
SONNEBORN: Herr Keller, Sie sind ja ganz schlecht vorbereit! Natürlich machen wir das. Wir machen das aber noch widerwärtiger und niveauärmer als die SPD. Wir haben zum Beispiel im Landtagswahlkampf in Hamburg 2008 entsprechende Plakate gegen Michael Naumann und Ole von Beust geklebt. Aber lassen Sie mich auf NRW zurückkommen. Das ist ein Vorzeigeland der Partei: Wir sind diesem Land und ihren Leuten und ihren Lesern extrem verbunden. Das liegt uns am Herzen. Das war die erste Landtagswahl, die wir bestritten haben. Da haben wir 2005 aus dem Stand heraus 0,9 Prozent der Stimmen abgefischt - das ist unser bestes Ergebnis seit Kriegsende.
Was ist mit der Finanzkrise? Nutzt oder schadet sie Ihrer Partei? Die Linke profitiert zum Beispiel den Umfragen zufolge nicht.
SONNEBORN: Natürlich profitieren wir, denn wir sind die einzige Partei, die ohne jegliches Wirtschaftskonzept antritt. Und ich glaube, das ist in einer Zeit, in der sämtliche Konzepte anderer Parteien gescheitert sind, ein ganz großer Bonus, den die Wähler auch honorieren werden. Ich werde auf Lesungen oft angesprochen: wie steht die Partei zur Krise? Ich antworte darauf, dass wir ganz klar gegen die Krise sind.
Ein Hauptanliegen der Partei ist der Wiederaufbau der Mauer. Gibt es in ihrem Leben eigentlich irgendein traumatisches Erlebnis mit Bewohnern der damaligen DDR?
SONNEBORN: Dass wir die Ossis, und wir nennen sie auch gerne weiter so, ins Zentrum unseres Wahlkampfes stellen, ist eine rein populistische Maßnahme. Bei der Parteigründung haben wir gesagt, in den ruinierten westdeutschen Randgebieten - ich rede hier von Städten wie Gelsenkirchen und Krefeld; Städte, die ja furchtbar am Boden liegen - bringt es uns riesige Sympathien, wenn wir sagen: Wir sind die Partei, die die Mauer wieder aufbauen will! Wir wollen, dass das Merkel dahinter wieder weggeschlossen wird! Ich erinnere daran, dass Deutschland seine besten Jahre hatte, als das Merkel hinter der Mauer weggeschlossen war. Und diese Milliarden, die da rübergeschaufelt werden, die bleiben hier.
Das Gespräch führte Thorsten Keller
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