Von Tobias Peter, 12.05.09, 23:10h, aktualisiert 12.05.09, 23:13h
Obamas Entscheidung ist klug. Der geschasste General David McKiernan gilt als glücklos, da sich die Lage in Afghanistan trotz der inzwischen 70 000 alliierten Soldaten deutlich verschärft hat. Auf kurze Sicht kann seine Personalentscheidung zunächst symbolische Kraft entwickeln. Die USA streben entschlossen einer neuen Etappe entgegen: Diese Botschaft will Obama an die eigenen Soldaten, aber auch die Taliban senden.
Auf lange Sicht ist die entscheidende Frage, ob Obama den Menschen in Afghanistan seinen Kurswechsel tatsächlich glaubwürdig machen kann. Nur mit der - versprochenen, aber noch nicht verwirklichten - Hinwendung zum Wiederaufbau haben die Amerikaner eine Chance, die Köpfe und die Herzen der Menschen zu gewinnen. Die Schwierigkeit dabei: Nur mit noch mehr Militär können die US-Truppen die Sicherheitsgrundlage für eine Politik der zivilen Hilfe legen. Doch jeder weitere Tote verstärkt die Vertrauenserosion in der Bevölkerung noch.
So wie ein Unternehmen durch einen neuen Geschäftsführer nicht schon automatisch saniert ist, kann auch der Wechsel des Kommandeurs in Afghanistan nur ein erster, kleiner Schritt sein. Entscheidend ist, dass die USA ihre Strategie wirklich verändern - und damit unter widrigen Bedingungen Erfolg haben. Obama hat gehandelt und muss nun hoffen. Sollte er seinen Kommandeur in absehbarer Zeit wieder auswechseln müssen, wäre es kein Zeichen des Aufbrauchs mehr. Sondern der Verzweiflung.
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