Von Joachim Sprothen, 13.05.09, 18:52h, aktualisiert 14.05.09, 18:08h
Josef Schmitz ist 80 Jahre alt. Ende Februar wurde er mit einer beidseitigen Lungenentzündung, die ihn fast das Leben gekostet hätte, in eine Bonner Klinik eingeliefert. Seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus ist er von einem Sauerstoffgerät abhängig und muss mit Kortison behandelt werden.
Im Sande verlaufen
Doch die Bemühungen, im Großraum Euskirchen den unverzichtbaren Hausarzt zu finden, verliefen im Sande. Die Mediziner winkten nach Schilderung des gesundheitlichen Zustands von Josef Schmitz reihenweise ab. Neue Patienten würden nicht mehr angenommen, hieß es immer wieder. Eine Arzthelferin fragte laut Ute Schmitz nach, ob ihr Vater privat versichert sei. Nach der Erklärung, gesetzlich krankenversichert zu sein, habe es auch in dieser Praxis eine Abfuhr gegeben.
GDringend benötigte Hilfsmittel wie etwa einen Notruf gibt es aber nur auf ärztliches Rezept. Der 80-Jährige gerät schon auf dem Weg zum Auto in Atemnot, der Besuch einer Praxis ist ihm daher nicht möglich. Seine Tochter und ihr Lebensgefährte sind beide berufstätig und können den Vater daher nicht ganztägig „bewachen“. Josef Schmitz: „Es wäre schon ein beruhigendes Gefühl, wenn ich im Notfall einen Hausarzt meines Vertrauens als Ansprechpartner hätte, auf dessen Hausbesuch ich mich verlassen kann.“
Dank der Kulanz des früheren Hausarztes aus Bonn konnte das Problem mit den Hilfsmitteln gelöst werden. Er stellte die benötigten Rezepte aus. Ute Schmitz: „Er hätte auch sagen können, dass er mit meinem Vater nichts mehr zu tun hat.“ Einen Hausarzt in der Nähe seiner Einliegerwohnung hatte der Rentner aber immer noch nicht.
Er wäre selbst bei einem Vorfall, bei dem der Besuch eines Hausarztes genügt hätte, auf die Alarmierung des Rettungsdienstes angewiesen gewesen. Bis vor einigen Tagen das Telefon klingelte: Eine Mitarbeiterin der Krankenkassen-Zentrale in Düsseldorf verkündete, dass es ihr gelungen sei, eine Hausärztin für Josef Schmitz zu finden. Mit dieser Botschaft wurde die Bitte an Ute Schmitz verbunden, die Krankenkasse weiterzuempfehlen. „Das werde ich nicht tun. Immerhin hat das über vier Wochen gedauert, in denen mein Vater ohne ärztliche Versorgung war.“ Sie hat auch keinerlei Anlass, für die Krankenkasse Reklame zu machen. Die Mitarbeiterin aus Düsseldorf hatte sich nämlich offenkundig mit fremden Federn geschmückt. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ sprach mit dem Vorsitzenden der kassenärztlichen Vereinigung im Kreis Euskirchen, Dr. Franz-Josef Zumbé. „Die Krankenkassen machen es sich in solchen Fällen einfach. Die rufen mich an und ich kann dann die »Bettelbriefe« an die Kollegen schreiben“, so der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Tondorf. Bislang sei es ihm aber immer gelungen, einen Hausarzt zu finden.
Wobei die Betonung auf „bislang“ lag: „Wir bekommen einfach keine Nachfolger für ausscheidende Kollegen.“ Allein in den letzten beiden Jahren hätten im Kreis Euskirchen acht Praxen dichtgemacht. Die Honorierung ärztlicher Leistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen sei in den vergangenen drei Jahrzehnten fast halbiert worden. Privatpatienten, mit denen diese Kürzungen von Ärzten in Großstädten aufgefangen werden könnten, „gibt es in der Eifel aber so gut wie nicht“. Die Frauen oder Freundinnen müssten mitarbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Aber für die gebe es hier keine Jobs.
Große Arbeitsbelastung
Ein Hausarzt bekomme von den gesetzlichen Krankenkassen pro Quartal für jeden Patienten 34,60 Euro, die 14 Euro für einen Hausbesuch würden auf diese Summe angerechnet. Schon der vierte Hausbesuch werde also nicht mehr bezahlt. Zumbé: „Ich finde es zwar nicht gut, wenn nach einer privaten Krankenversicherung gefragt wird, kann die jungen Kollegen aber verstehen.“ Die Arbeitsbelastung der niedergelassenen Ärzte werde schon wegen ihrer sinkenden Zahl im Kreis Euskirchen immer größer. „Wenn die dann vor Erschöpfung zusammenbrechen, fragt keiner nach dem Ethos.“ Er, so Zumbé, kämpfe ständig darum, dass die Honorare für Landärzte den besonderen Umständen angepasst werden. Sollte das nicht gelingen, werde die hausärztliche Versorgung im Kreis Euskirchen „in zehn bis 15 Jahren ganz finster aussehen“.
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