Von Peter Berger, Lutz Feierabend, Peter Pauls und Burkhard von Pappenheim, 14.05.09, 20:47h, aktualisiert 14.08.09, 14:12h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Seit Dienstag hat die CDU einen OB-Kandidaten. Peter Kurth aus Berlin. Sind Sie froh, dass Sie endlich einen Kontrahenten haben?
JÜRGEN ROTERS: Ja. Das ist wie beim Sport. Man braucht einen Gegner, dann nimmt die Kampfeslust zu.
Ist Peter Kurth ein Zählkandidat?
ROTERS: Das muss sich herausstellen. Es wird sich zeigen, ob er ein Profil entwickelt, das zu Köln passt. Er bringt mit Sicherheit einige Erfahrung mit, wirkt aber doch eher wie ein fixer Managertyp, der überall eingesetzt werden kann. Egal in welcher Stadt. Und eins ist doch klar: Ein Kurth macht noch keine neue CDU. Ich habe mir gegen Fritz Schramma gute Chancen ausgerechnet. Warum sollte ich es also nicht gegen einen Import aus Berlin schaffen?
Müssen wir uns also auf einen Wahlkampf Wirtschaftsmanager gegen Verwaltungsprofi einstellen?
ROTERS: Wirtschaftsmanagement und Verwaltungsmanagement sind doch kein Gegensatz. Auch eine Verwaltung muss gut und zielorientiert geführt werden. Auch da müssen Prozesse organisiert werden. Von einem Oberbürgermeister wird aber auch erwartet, dass er ein Ohr für die Bürger hat. Und zwar nicht in dem Sinne, dass er überall mitfeiert. Sondern in Schulen, oder in Großsiedlungen wie Chorweiler. Das erwarten die Menschen in ihren Veedeln. Diese Mischung muss man hinkriegen. Man muss den Kölnern zeigen, dass man mit dem Herzen dabei ist. Das ist weit wichtiger als die ganzen repräsentativen Aufgaben.
Beraterverträge, Messeaffäre, Müllaffäre, Parteispendenskandale. Spätestens mit dem Einsturz des Archivs ist das Vertrauen der Bürger in die Kölner Politik endgültig verloren gegangen. Nach dem Motto: In Köln wird sich nie was ändern.
ROTERS: Da bin ich schon ein bisschen weiter. Resignation und Politik-Distanz sind vorhanden, lösen sich aber auf, sobald es um konkrete Probleme geht. Dann ist das Interesse da. Zum Beispiel bei der Frage, warum es in Chorweiler nur noch einen Kinderarzt gibt. Da kommen die Leute in Scharen. Die alten Formen der politischen Beteiligungen sind dagegen nicht mehr so gefragt. Wahlveranstaltungen zum Beispiel.
Das ist das politische Alltagsgeschäft. Köln braucht nach dem Archiveinsturz einen Aufbruch. Wie sieht der mit Ihnen aus?
ROTERS: Auch wenn das theoretisch klingt. Wir müssen das Wirtschafts- und Wissenschaftspotenzial dieser Stadt endlich zusammenbringen. Ganz konkret am Beispiel des Instituts für Alternsforschung, das jetzt an der Uni-Klinik angesiedelt wird. Das ist ein Nukleus, den wir erweitern müssen. Wir waren viel zu lange mit uns selbst beschäftigt. Andere Regionen sind an uns vorbeigezogen. Der Gesundheitscampus geht nach Bochum. In das 100-Millionen-Euro-Programm für die Bahnhöfe ist ein Kölner Bahnhof eingeschlossen, in Düsseldorf sind es 16. Wir brauchen einen Mentalitätswandel. Köln ist abgehängt worden. Köln kann es besser.
Bei der Diskussion um den Fachhochschulcampus scheint Köln erneut alles zu verspielen. Da geht es derzeit nur noch um die Frage, ob die Grundstücksgeschäfte zwischen dem Bauunternehmen Bauwens-Adenauer und dem Land sauber abgewickelt worden sind.
ROTERS: Wir wollen den Fachhochschulcampus. Das ist eine ganz klare Aussage.
Wie wollen Sie das anpacken, wenn Sie die Wahl gewinnen?
ROTERS: Es wird schnell eine klare Entscheidung pro Campus geben. Zusammen mit dem Wissenschaftsministerium des Landes. Alle Detailfragen wie Studentenwohnungen oder die Frage, was in Deutz nach dem Wegzug der Fachhochschule passiert, werden danach geklärt.
Was sind Ihre konkreten Projekte, die Sie nach der Wahl angehen werden?
ROTERS: Neben dem Campus nenne ich mal drei weitere: eine vernünftige Lösung für die Querung der Rheinuferstraße durch die neue U-Bahn, die Entwicklung des Deutzer Hafens oder die Frage, wie man in Großsiedlungen wie Porz-Finkenberg oder Chorweiler die Probleme abmildert.
Wie?
ROTERS: Indem man sie beispielsweise durch den Rückbau bestimmter Wohneinheiten wieder menschlicher macht. Wir können nicht hinnehmen, dass beispielsweise in Chorweiler zwei Objekte zunehmend verwahrlosen und einen ganzen Stadtteil, der durchaus an Attraktivität gewonnen hat, hinunterziehen.
Welche Führungsinstrumente haben Sie, um das durchzusetzen?
ROTERS: Man muss mit Disziplin und menschlichem Gesicht führen. Und klare Zielvereinbarungen abschließen. Von oben herab geht das nicht. Man braucht den Konsens. Die Mitarbeiter müssen geschätzt und geachtet werden. Sie müssen das Gefühl haben, dass sie stolz sein können, bei der Stadt Köln zu arbeiten.
Wer viel gestalten will, braucht Geld. Wie viel Tafelsilber wollen Sie verkaufen?
ROTERS: Im Augenblick gar nichts. Wir können froh sein, dass wir einen starken Stadtwerke-Konzern mit den eigenen städtischen Gesellschaften haben. Davon profitiert der Haushalt der Stadt Köln jedes Jahr mit 80 Millionen Euro. Dazu kommt die Quer-Subventionierung der KVB. Verkaufen kann man nur einmal. Dazu muss sich auch der Gegenkandidat bekennen. Will er privatisieren oder nicht?
Warum haben Sie die Zeit nach Schrammas Rücktritt nicht dazu genutzt, ihr Profil zu schärfen?
ROTERS: In der schwierigen Phase nach dem Einsturz des Stadtarchivs konnte man keinen Wahlkampf machen. Jetzt sind wir so weit. Ein Gegenkandidat ist da. Jetzt muss Farbe bekannt werden. Wie steht Peter Kurth zum dreigliedrigen Schulsystem, wie zur Privatisierung, wie zum Köln-Pass, den die CDU immer ablehnt? Wie steht er zum Masterplan und zur Fortentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs? Ich scheue die Auseinandersetzung nicht, habe eine breite Rückendeckung meiner eigenen Partei und ein gutes Verhältnis zu den Grünen.
Der Verfassungsgerichtshof wird am 26. Mai über das Wahlverfahren entscheiden. Sind Sie für oder gegen eine Stichwahl?
ROTERS: Ich bin für eine Stichwahl. Eine derart verantwortungsvolle Position wie die eines Oberbürgermeisters der Stadt Köln muss von einer möglichst breiten Wählermehrheit getragen werden.
Wahltaktisch müssen Sie eigentlich dagegen sein, so lange der FDP-Kandidat Ralph Sterck nicht zurückzieht.
ROTERS: Das ist richtig. Aber Wahl taktik allein ist doch nicht aus schlaggebend. Ich gehe aber davon aus, dass es zu keiner Stichwahl gegen Peter Kurth kommen wird.
Das Gespräch führten Peter Berger, Lutz Feierabend, Peter Pauls und Burkhard von Pappenheim
@dreirath
20.05.2009 | 18.02 Uhr | achso
Das meiste Chaos und das schlechte Image dieser Stadt ist doch über Jahrzehnte in der Tat durch die SPD entstanden. Die CDU hat da natürlich gerne…
Es ist schon lustig
17.05.2009 | 13.34 Uhr | dreirath
wie die CDU-Schreiber hier das Fehlverhalten ihrer mehr als verkommenen Partei vergessen machen und den Eindruck erwecken wollen, all das Chaos das…
@joe cocker
16.05.2009 | 18.38 Uhr | Dellbrücker
Leute in eine Ecke schieben können Sie wohl ganz schnell was?? Ihre primitiven Anschluldigungen übergehe ich mal als kindliches Gedankengut! …
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Foto auf Leinwand günstig vom Testsieger
Werbeagentur Verzeichnis Köln Bonn
Werbeagentur / Internetagentur, Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt