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Töpfermarkt in Frechen

Kitsch und Kunst - beides gefällt

Von Alexa Jansen, 17.05.09, 17:42h, aktualisiert 17.05.09, 17:54h

Die viel diskutierte Frage über Kitsch und Kunst lässt sich nicht klären. Von bunten Fröschen bis zu schlichten weißen Schalen: Bei den 114 internationalen Ausstellern ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Töpfermarkt
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Ihre modernen Geschirr-Kreationen aus Steinzeug zeigte Elke Eder-Eich. (Bild: Jansen)
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Ihre modernen Geschirr-Kreationen aus Steinzeug zeigte Elke Eder-Eich. (Bild: Jansen)
Frechen - Marlene Mausbach hat sich neu verliebt. Mit sehnsüchtigen Augen schaut die 68-Jährige auf das Objekt ihrer Begierde: Er ist recht klein, von etwas rundlicher Figur, hat charmante große Augen und ein fröhliches Lächeln - und sogar ein goldenes Krönchen auf. Da stört es die Bergheimerin gar nicht, dass ihr Angebeteter einen seltsam gelblichen Teint hat und dicke rote Punkte. „Er ist ja so niedlich, den würde ich gerne mit nach Hause nehmen“, seufzt die elegante Dame. Und doch wird sie ihren Herzbuben in der Frechener Innenstadt zurücklassen - aus Platzmangel im schmucken Eigenheim: Für den dicken Keramikfrosch von Andreas Hinder aus Höhr-Grenzhausen kann sie kein Plätzchen mehr finden. Aber allein wird der Verschmähte nicht lange bleiben, die lustigen Reptilien sind bei den Besuchern des 34. Frechener Töpfermarktes beliebt. Doch gibt es auch ein kritisches Urteil: „Ich finde so etwas schon leicht kitschig“, bemerkt Jutta Hinz aus Köln. „Mir sind abstrakte Arbeiten lieber.“

Einfache Emotionen

Aber was ist Kitsch, was ist Kunst? Eine Frage, die auch ein Rundgang über den Töpfermarkt nicht wirklich klären kann. Schon lange diskutieren Philosophen, Wissenschaftler und Kunsthistoriker über diese Frage, finden aber auch keine gemeinsame Definition. Mal wird Kitsch als „sehnsuchtartiges Gefühl“, mal als „leicht reproduzierbare Stereotypen“, mal als „einfach ausgedrückte Emotionen“ beschrieben, wohingegen Kunst sich „um das Wahre und Schöne“ bemühe und von „Originalität“ geprägt sei.Annegret Stocher macht es sich da etwas einfacher: „Hauptsache ist doch, dass es mir gefällt“, konstatiert die Brauweilerin, die sowohl von den charmanten Fröschen als auch den filigranen Porzellangefäßen der Berlinerin Anke Schulz etwas abgewinnen kann. Formal äußerst reduziert und streng auf das Material Porzellan konzentriert schafft die 1963 Geborene anspruchsvolle Arbeiten, die im klassischen Sinne sicherlich eher in die Rubrik Kunst gehören.

„Die Qualität der Arbeiten ist verblüffend“, wertet dann auch Brigitte Rasche. „Sehr hochwertig“, ergänzt ihre Freundin Eva Joniak. Die beiden Frauen sind extra aus Bochum zum Töpfermarkt angereist. Und obwohl sie sich so eindeutig als Fans des Reduzierten zeigen, finden auch die Tierskulpturen ihre Anerkennung: „Das ist kein Kitsch, das sind doch alles von Hand geschaffene Unikate - auch die naturalistischen Arbeiten finde ich schön“, sagt Rasche, die sich bei der Keramikerin Antje Schwittmann-Schops gleich zwei große rote Krabben bestellt hat. Und doch sind die zarten weißen Arbeiten für den Brühler Horst Kamtl ein besonderer Genuss: „Endlich mal nichts Buntes, meine Augen können sich einmal ausruhen“, seufzt der Grafiker, der sein eindeutiges Votum für klare, eher schmucklose Werke abgibt.

Ein Spagat zwischen der anscheinend unklärbaren Frage „Kitsch oder Kunst“ gelingt dem Töpferpaar Tanja und Gideon Necker aus Höhr-Grenzhausen: Sie nehmen die deutsche Gemütlichkeit aufs Korn und haben extra eine kultige Dose geschaffen, die einen Liebling der Nation karikiert: Auf dem Deckel des kunstvollen Gefäßes prangt ein gewaltiger gemalter röhrender Hirsch. Kitsch pur!



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