Von Helmut Frangenberg, 20.05.09, 17:33h
Hinter sich zieht Hülkenberg sein „Denk! Bar“-Mobil, eine Holzkiste mit allem, was er so in vier Wochen unter freiem Himmel braucht. Geschlafen wird auf einem Feldbett. Der Karren ist beklebt mit Aufforderungen zum Nachdenken, provokanten Fragen, klugen Anstößen für interessante Gespräche, die sich Hülkenberg erhofft. Erste Erfahrungen mit dem ungewöhnlichen Projekt hat er bereits vor zwei Jahren gemacht, als er vom Hambacher Schloss zum Brandenburger Tor gewandert ist. „Die Leute, die ich treffe, sind erst einmal verblüfft. Doch dann ergeben sich zum Teil lange und ausführliche Gespräche.“ Es sei „hoch interessant“ gewesen, die Unterschiede zwischen Ost und West zu erleben. Er habe eine große Distanz zur Politik erlebt. „Das hatte ich so nicht erwartet.“
Alle Ergebnisse und Eindrücke werden am Abend notiert und wenn es technisch möglich ist, gleich ins Internet gestellt. Bei seiner Wanderung nach Berlin entstand ein „Tagebuch einer weisen Torheit“, wie Hülkenberg den dicken Erfahrungsbericht nennt. Der Demokratie-Pilger sammelt deutsche Befindlichkeiten und anregende Gedanken, Erlebnisberichte und kleine Gedichte. Dann wird auch deutlich, warum der Wanderer vom Pilgern spricht, das man ja eigentlich mit Wegen zu religiösen Orten verbindet. „Demokratie hat viel mit Werten zu tun. Also ist sie letztlich auch ein spirituelles Thema.“
Im „normalen“ Leben ist der Witwer freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig, er arbeitet für die katholische Kirche. Das Reizvolle an seiner ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung sei, mit Menschen über politische Themen zu sprechen, die man in Tagungen und Seminaren der politischen Bildung nicht antreffe. „Da kommen immer die selben Leute.“ Also müsse man zu den anderen eben hingehen.
Obwohl Hülkenberg dafür wirbt, sich an den Wahlen wie jetzt zum Europaparlament zu beteiligen, hat er mit Parteipolitik nicht viel im Sinn. Er wünscht sich Politiker, die die Aufgabe der Interessenvertretung anders wahrnehmen, als es die meisten zurzeit tun. „Sie denken sich Programme in Hinterzimmern aus, stellen sich an Tapeziertische und versuchen uns zu überzeugen, für diese Programme zu stimmen. Es wäre besser, wenn Politiker sich als Moderatoren verstehen.“ Änderungen erhofft er sich weniger von den Parteien. „Veränderungen bekommen wir nur hin, wenn sich die Bürger selbst stärker einbringen.“ Hülkenberg wirbt für das so genannte Subsidiaritätsprinzip, also dafür, dass der Staat die Selbstverantwortung einzelner Bürger oder ihrer Zusammenschlüsse immer vor eigenes, staatliches Handeln stellt. Sein Ideal: „Wir sagen den Politikern, welche Rahmenbedingungen wir brauchen, damit wir vor Ort die Probleme selbst lösen können.“
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