Schriftgröße

Vor der Europawahl

Auf Pilgerpfaden zu mehr Demokratie

Von Helmut Frangenberg, 20.05.09, 17:33h

Josef Hülkenberg wirbt an seiner „Denk-Bar“ für Europa und politisches Engagement. Der Kölner wirbt auf der 700 Kilometer langen Wanderung um bürgerschaftliches Engagement.

Josef Hülkenberg
Bild vergrößern
Josef Hülkenberg
Josef Hülkenberg
Bild verkleinern
Josef Hülkenberg
Köln - „Es gibt Gründe genug, sich um unsere Demokratie zu sorgen“, sagt Josef Hülkenberg, während er die Schrauben an seinem selbst gebauten Karren festzieht. „Wir sind auf dem Weg zur Oligarchie. Wenige herrschen über viele.“ Für den 58-Jährigen aus Mauenheim ist das jedoch kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil: Er geht bis zum Tag der Europawahl mehr als 700 Kilometer zu Fuß von Osnabrück nach Straßburg, um für die Demokratie zu werben, unterwegs mit Menschen zu diskutieren und sich auf Marktplätzen für bürgerschaftliches Engagement einzusetzen. „Demokratie-Pilgerweg“, nennt der Kölner sein Projekt. Die Orte der Wanderung sind bewusst gewählt. Sie führt vom Ort des Westfälischen Friedens entlang überwundender Grenzen über Schengen bis zum Europaparlament in Straßburg.

Hinter sich zieht Hülkenberg sein „Denk! Bar“-Mobil, eine Holzkiste mit allem, was er so in vier Wochen unter freiem Himmel braucht. Geschlafen wird auf einem Feldbett. Der Karren ist beklebt mit Aufforderungen zum Nachdenken, provokanten Fragen, klugen Anstößen für interessante Gespräche, die sich Hülkenberg erhofft. Erste Erfahrungen mit dem ungewöhnlichen Projekt hat er bereits vor zwei Jahren gemacht, als er vom Hambacher Schloss zum Brandenburger Tor gewandert ist. „Die Leute, die ich treffe, sind erst einmal verblüfft. Doch dann ergeben sich zum Teil lange und ausführliche Gespräche.“ Es sei „hoch interessant“ gewesen, die Unterschiede zwischen Ost und West zu erleben. Er habe eine große Distanz zur Politik erlebt. „Das hatte ich so nicht erwartet.“

Alle Ergebnisse und Eindrücke werden am Abend notiert und wenn es technisch möglich ist, gleich ins Internet gestellt. Bei seiner Wanderung nach Berlin entstand ein „Tagebuch einer weisen Torheit“, wie Hülkenberg den dicken Erfahrungsbericht nennt. Der Demokratie-Pilger sammelt deutsche Befindlichkeiten und anregende Gedanken, Erlebnisberichte und kleine Gedichte. Dann wird auch deutlich, warum der Wanderer vom Pilgern spricht, das man ja eigentlich mit Wegen zu religiösen Orten verbindet. „Demokratie hat viel mit Werten zu tun. Also ist sie letztlich auch ein spirituelles Thema.“

Im „normalen“ Leben ist der Witwer freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig, er arbeitet für die katholische Kirche. Das Reizvolle an seiner ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung sei, mit Menschen über politische Themen zu sprechen, die man in Tagungen und Seminaren der politischen Bildung nicht antreffe. „Da kommen immer die selben Leute.“ Also müsse man zu den anderen eben hingehen.

Obwohl Hülkenberg dafür wirbt, sich an den Wahlen wie jetzt zum Europaparlament zu beteiligen, hat er mit Parteipolitik nicht viel im Sinn. Er wünscht sich Politiker, die die Aufgabe der Interessenvertretung anders wahrnehmen, als es die meisten zurzeit tun. „Sie denken sich Programme in Hinterzimmern aus, stellen sich an Tapeziertische und versuchen uns zu überzeugen, für diese Programme zu stimmen. Es wäre besser, wenn Politiker sich als Moderatoren verstehen.“ Änderungen erhofft er sich weniger von den Parteien. „Veränderungen bekommen wir nur hin, wenn sich die Bürger selbst stärker einbringen.“ Hülkenberg wirbt für das so genannte Subsidiaritätsprinzip, also dafür, dass der Staat die Selbstverantwortung einzelner Bürger oder ihrer Zusammenschlüsse immer vor eigenes, staatliches Handeln stellt. Sein Ideal: „Wir sagen den Politikern, welche Rahmenbedingungen wir brauchen, damit wir vor Ort die Probleme selbst lösen können.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Mehr autofreie Zonen für Köln?
Der Platz vor der Eigelsteintorburg ist schon autofrei, nun soll der Chlodwigplatz folgen. Auch für den Neumarkt schlägt der Masterplan vor, eine Seite für den Verkehr zu sperren. Ist das sinnvoll?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste