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Kommentar zum „Paintball“

Alles nur wilder Aktionismus

Von Michael Thalken, 20.05.09, 16:59h

Es ist immer derselbe Automatismus: Nach einer Katastrophe wie dem Amoklauf von Winnenden setzen manche Politiker - zumal in Wahlzeiten - auf blinden, aber medienwirksamen Aktionismus. Ursachenforschung, nein danke! Lieber mimt man den starken Mann und spricht davon, etwas verbieten zu wollen, damit wieder Ruhe in die Gesellschaft einkehrt. Die Frage, ob das anvisierte Verbot überhaupt rechtlich durchzusetzen ist, wird dabei noch weniger gestellt, als die, ob durch ein solches Verbot überhaupt etwas Positives erreicht werden kann.

Politiker, die wirklich glauben, dass beim Paintball automatisch Amokläufer „erzeugt“ werden, da diese Sportart das Töten simuliert, wirken reichlich naiv. So etwas gehört natürlich verboten, mag mancher Bürger vielleicht beipflichten und vergisst dabei, dass unter dieser Prämisse auch der Fechtsport abgeschafft werden müsste. Ganz zu schweigen von all den Boxkämpfen, in denen der „Fight“ nicht nur simuliert, sondern realer, blutiger Ernst wird.

Paintball ist genau wie andere reglementierte Sportarten wohl kaum die Ursache dafür, dass junge Leute durchdrehen. Dieser Hightech-Sport ist höchstens ein Indiz für eine immer stärker um sich greifende Infantilisierung der Erwachsenenwelt, in der nun auch große Jungen und Mädchen ab 18 wieder Räuber und Gendarm spielen wollen. Mehr aber auch nicht. Ein Verbot führt höchstens dazu, dass diejenigen, die dieser Sportart frönen, demnächst wieder illegal im Wald ihrem Freizeitvergnügen nachgehen. Man sollte daher lieber froh sein, dass Paintballer dort nicht mehr anzutreffen sind und sich mittlerweile zu Gruppen mit strengen Statuten zusammengeschlossen haben.

Wenn die Politiker nach Winnenden wirklich etwas tun wollen, dann sollten sie in Bildung und Kultur, in Jugendarbeit, in Kindergärten, in Schulen, in Universitäten, also in eine bessere Erziehung und Ausbildung junger Leute investieren. Aber solche Investitionen sind bekanntlich teuer und verursachen nur wenig medialen Wirbel. Publikumswirksamer ist es da schon, Kinderspiele für Erwachsene zu verbieten.



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