Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 07.04.09, 11:20h, aktualisiert 07.04.09, 19:22h
„Bei der Handhabung mit Aceton muss ein Funken entstanden ein“, erzählte Helmut Heidgen, Geschäftsführer des Betriebes, der unter anderem Galvanogestelle herstellt, später. Die leicht entzündliche Flüssigkeit, von der etwa 100 Liter in einem Tauchbecken waren, entflammte sofort. Das Feuer breitete sich rasend schnell auf die Lagerhalle aus, die kurze Zeit später in Vollbrand stand. Die beiden Mitarbeiter, die zuvor ein Metallgestell in dem Becken hatten reinigen wollen, konnten sich ins Freie retten. Zwei Menschen mussten von den Rettungsdienstmitarbeitern wegen Kreislaufbeschwerden behandelt werden, auch leichtere Verbrennungen versorgten Notarzt und Rettungsassistenten.
Große Teile des eigentlichen Produktionsbereiches waren nicht mehr zu retten, sie brannten vollständig aus. Sorge bereitete Einsatzleiter Markus Büscher ein Trakt, in dem flüssiges PVC, ebenfalls in Tanks, gelagert wurde. Mit diesem Material werden die Gestelle nach dem Acetonbad beschichtet, für die Galvanisierung in anderen Unternehmen. Bei der Galvanotechnik werden Metallionen elektrochemisch gelöst und auf einen anderen, metallischen Gegenstand gleichmäßig abgelagert. Bei der Verbrennung von PVC können Salzsäuredämpfe frei werden, wie Kreisbrandmeister Walter Jonas die Brisanz der Situation erläuterte. Mehrere Messgruppen untersuchten die Umgebungsluft, konnten aber keine gesundheitsgefährdenden Konzentrationen feststellen. Gleichwohl wurden die Dorfbewohner aufgefordert, in den Häusern zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.
Doch durch den schnellen Einsatz massiver Feuerwehrkräfte konnte dieser Gebäudeteil ebenso gehalten werden wie die Büroräume. Mitarbeiter der Firma holten während der Löscharbeiten die Computer und Akten aus dem Verwaltungstrakt und brachten sie in Sicherheit. Der Betrieb, in dem 25 Menschen beschäftigt sind, hatte gerade neue Aufträge unter Dach und Fach gebracht. Die Schwester des Inhabers stand, um Fassung ringend, vor dem zerstörten Komplex. „Auch wenn sie schnell waren, in der Situation kommt es einem vor, als würde die Feuerwehr eine Stunde brauchen, bis sie kommt“, sagte sie. Die Frau und zahlreiche weitere Familienangehörige hatten das Feuer ängstlich beobachtet, stehen doch ihre Wohnhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Unternehmensbauten.
Zahlreiche Spezialwerkzeuge wurden ein Raub der Flammen, Produktionsausfälle erhöhen den Schaden, den Einsatzleiter Büscher mit mehreren hunderttausend Euro angab. Bürgermeister Alfred Haas sicherte zu, dass die Gemeinde eine Halle anbieten wird, in dem mit neuem Gerät gearbeitet werden kann, um zumindest die Auswirkungen für die Mitarbeiter und das Geschäftsergebnis so gering wie möglich zu halten.
Die Brandermittler, einer von ihnen machte von einem Hubschrauber aus Aufnahmen von dem brennenden Objekt, bestätigten, dass das Acetonbecken der Ursprung war. Wie der Funken entstanden ist, konnte noch nicht geklärt werden. Der Prozess, den die beiden Arbeiter gerade durchführten, wird in der Firma schon seit mehr als zehn Jahren in immer gleicher Weise erledigt. Die Ermittlungen dauern an.
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