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Gutscheinsysteme

„Sterntaler“ als Euro-Ersatz

Erstellt 14.04.09, 20:18h

Wertgutscheine statt Geld: Regional gültige Alternativwährungen sind vor allem auf dem Land beliebt. Allein in Deutschland gibt es fast 70 Initiativen mit eigenen Geldscheinen. Experten warnen allerdings vor den Risiken des Regiogeldes.

Alternativwährungen
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"BürgerBlüte". In Zeiten der Finanzkrise stehen Regionalwährungen vielerorts hoch im Kurs. (Bild: dpa)
Alternativwährungen
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"BürgerBlüte". In Zeiten der Finanzkrise stehen Regionalwährungen vielerorts hoch im Kurs. (Bild: dpa)
BERLIN - Sie heißen zum Beispiel „Sterntaler“, „Havelblüte“, oder „Tauberfranken“. Die bunt bedruckten Coupons aus Papier erinnern mehr an Spielgeld aus dem Kaufmannsladen als an Euro-Scheine. Doch in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise stehen die zahlreichen Regionalwährungen als Ersatzgeld vielerorts hoch im Kurs. Vor allem auf dem Lande werden die Wertgutscheine gerne in Ökoläden oder kleinen Handwerksbetrieben eingesetzt. Finanz- und Konsumexperten sehen im Regiogeld aber eher eine „Promotionaktion“ und warnen vor eingebauter Inflation.

„Gerechtes Wirtschaften“ bei kurzen Transportwegen schreiben sich die Initiativen auf die Fahnen. „Die Wertschöpfung findet hier statt, nicht sonst wo auf der Welt“, heißt es beispielsweise in der Broschüre des AmmerLechTalers. Dieser sei ein Zahlungsmittel, mit dem es keine Finanzspekulationen gebe, die Arbeitsplätze gefährdeten.

Wertschöpfung in der Region

Die Idee der Regionalwährungen kam nach Einführung des Euro 1999 auf. Bundesweit existieren mittlerweile 66 Initiativen. Das Konzept ist aber keine deutsche Erfindung. Weltweit gibt es solche Komplementärwährungen etwa in Argentinien, Kanada, Italien, Österreich, in der Schweiz und in Afrika. In Deutschland sind derzeit schätzungsweise gut eine Million solcher „Blüten“ und „Taler“ im Umlauf. „Im Vergleich zu großen Konzernen sind wir aber nur kleine Fische“, sagt Christian Gelleri vom „Chiemgauer“. So kursierten allein bei der Lufthansa Bonusmeilen im Wert von 700 Millionen Euro.

Auf dem Land haben sich die Regionalgelder teils zum wichtigen Förderinstrument für die Wirtschaft gemausert. 2003 ursprünglich als Schülerprojekt gestartet, zählt der „Chiemgauer“ heute zu den erfolgreichsten Initiativen. Damals sollte mit Hilfe eines Gutscheinsystems der Bau einer Turnhalle gefördert werden. Mittlerweile sind in der oberbayerischen Region rund um Rosenheim mehr als 300 000 „Chiemgauer“ im Umlauf, in Regionalbanken werden 150 Konten mit der Alternativwährung geführt.

In knapp 600 Unternehmen und Geschäften kann man mit den bunten Scheinen bezahlen. „In Traunstein hat sogar einer die Renovierung seines Hauses komplett mit »Chiemgauern« finanziert“, berichtet Gelleri. Besonders Handwerksbetriebe schätzten das Ersatzgeld. Sie erhoffen sich dadurch bessere Chancen bei der Auftragsvergabe. „Und auch der Verbraucher bekommt gezielter Informationen darüber, welche Betriebe es in seinem Umfeld gibt“, betont er.

Der „Wechselkurs“ zum Euro beträgt bei fast allen Regiogeldern 1:1. Eingesetzt werden können sie nur in Geschäften und Betrieben, die sich an dem Projekt beteiligen. Beim Rücktausch wird meist eine Gebühr fällig, beim „Chiemgauer“ beispielsweise fünf Prozent.

Nur ein Quartal lang gültig

Beim AmmerLechTaler sind die Scheine jeweils nur bis zum Ende eines Quartals gültig. Wer dann noch Scheine übrig hat, kann sie gegen einen „Regionalbeitrag“ in Höhe von zwei Prozent verlängern lassen. Die Taler sollen aber nicht gehortet oder gegen Zins angelegt werden. Dem Bundesverband deutscher Banken zufolge haben die auf freiwilliger Basis funktionierenden Parallelwährungen keinen nennenswerten Einfluss auf den allgemeinen Geldkreislauf. Die Regionalwährungen seien eine Art Schwundgeld, das nach kurzer Zeit seinen Wert verliere. Die Rede ist von einer „gewollten Inflation“.

„Es geht uns nicht darum, den Euro abzuschaffen oder uns abzuschotten“, betont Thomas Hempel vom Brandenburger Regionalgeld. Rund um Potsdam seien derzeit etwa 20 000 „Havelblüten“ im Umlauf. „Das Interesse ist groß“. Vor dem Aus steht dagegen der vor gut vier Jahren gestartete „Berliner“. Das Scheitern begründet die Hauptstadtinitiative mit System- und Organisationsfehlern. „Großstädte ticken halt anders. Auf dem Land ist die regionale Verbundenheit einfach größer“, sagt Mitbegründerin Susanne Thomas. (dpa)



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