Von Marianne Kierspel, 14.04.09, 22:07h
Manche Szene erinnert an alte, naive Mysterienspiele, die Dialoge der Frauen am Grab, die Erscheinungen des Auferstandenen, Auftritte von Petrus und Paulus. Das erstaunlich retrospektive Werk von 1980 reflektiert und beerbt ein gutes Jahrtausend „Musica sacra“, unter anderem mit Antiphon, Lamentation und Hymnus. Wörtlich zitiert Baumann gregorianische Choräle und das altdeutsche Pfingstlied „Nun bitten wir den Heiligen Geist“. Den Evangelienbericht verteilt er auf Chor und Sprechchor; sein herber Gebetston hat den Jungen KonzertChor Düsseldorf und den figuralchor köln so stark gefordert wie sein Schola-Gesang. Um das Fundstück machten sich auch die Solisten Johanna Winkel, Christian Palm, Thilo Dahlmann und die Sprecher Frank Maier (Christus) und Claudia Holzapfel (Atheistin) verdient.
Fabelhaft begleitete das extra groß besetzte Neue Rheinische Kammerorchester. Es war für Tonmalereien mächtig aufgerüstet. So bot es etwa für eine finster-grelle Musik des Höllenfürsten, der aus der Ostkirche stammt, Schlagwerk und Bläser bis hinab zum Kontrafagott auf. Auch Komik kam vor. So hörte man die Wächter am Grab vor Angst förmlich schlottern, und das „Reden in Zungen“ erinnerte an Betrunkene. Mehrfach unterbricht eine Sprecherin den musikalischen Fluss. Sie bezweifelt die biblischen Geschichten und verweist darauf. Ein Zugeständnis an Zeitgenossen? Seinem frommen Oratorium schaden die Zweifel nicht.
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