Erstellt 22.04.09, 11:51h
Burkhard Driest wurde 1939 in Stettin geboren. Die Schule war ihm ein Gräuel: "Meine Schulzeit war eine Kette von Protesthandlungen." Er war nach eigenen Angaben ein renitentes Kind, "ein widerborstiger Schüler, bekam Verweise, musste Schulen wechseln". Trotzdem machte er 1960 als Drittbester seines Jahrgangs das Abitur, studierte zehn Semester lang Jura. Doch drei Wochen vor seinem mündlichen Examen überfiel Burkhard Driest eine Sparkasse und erbeutete rund fünfeinhalb Tausend Mark.
Wegen schweren Raubes wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, schlug sich nach seiner Entlassung dreieinhalb Jahre später mit Gelegenheitsjobs durch und veröffentlichte 1974 seinen ersten Roman "Die Verrohung des Franz Blum", der stark autobiografisch geprägt war. "Nicht gerade ein Stück Weltliteratur, aber empfohlen von Martin Walser, immerhin" schrieb damals die "Zeit". Reinhard Hauff verfilmte das Buch fürs Fernsehen mit Jürgen Prochnow in der Haupt- und Burkhard Driest in einer Nebenrolle.
Breitbeinig in Jeans und Lederjacke
In der Folgezeit machte sich Driest einen Namen als Drehbuchautor ("Paule Pauländer", "Endstation Freiheit"), Theaterautor ("Falco meets Amadeus") und als Schauspieler. Er spielte etwa in Rainer Werner Fassbinders letztem Film "Querelle" (1982). Burkhard Driest geriet immer wieder in die Schlagzeilen, für viele ist er schlichtweg der Mann, der "Sissi" verzauberte: 1974 saß er breitbeinig in Jeans und Lederjacke neben Romy Schneider in der WDR-Talkshow "Je später der Abend" und entlockte ihr die verzückten Worte "Sie gefallen mir! Sie gefallen mir sehr!", eine Folge, die zur Fernsehlegende wurde.
In "Private Life Show" (1995, ARD) war Burkhard Driest erneut in einen Fernsehskandal verwickelt. Er spielte den Moderator einer neuen Show-Reihe, die als "live" angekündigt wurde, in Wahrheit aber eine kritische Satire nach Drehbuch war. Driest wurde am Ende der Show erstochen - etliche entsetzte Zuschauer riefen an und der Saarländische Rundfunk musste eine Erklärung abgeben. In der Presse wurde die Produktion heftig kritisiert; "Jetzt knallt die ARD völlig durch", schrieb etwa die "Süddeutsche Zeitung".
Lob und Verriss lagen im Leben von Burkhard Driest stets nah beieinander: 1999 wurde er als Darsteller im TV-Film "Callboys Jede Lust hat ihren Preis" (Sat.1) harsch kritisiert, für sein Drehbuch zum ARD-Film "Schande" hingegen gelobt. Mittlerweile ist der Vorzeige-Rowdie zum anerkannten Romanautoren geworden. Seit 2003 sind vier Bände seiner Krimi-Reihe erschienen, in denen Kommissar Costa auf Ibiza ermittelt (aktueller Roman "Sommernachtsmord").
"Schreiben bedeutet für mich einen nochmaligen und neuen Zugang zum Leben mit Bedacht noch einmal alles anders und richtig machen, wenn auch nur in der Fantasie und auf dem Papier" resümierte er laut Verlag. Driest war dreimal verheiratet und ist Vater von zwei Kindern. Seine Tochter Johanna lebt bei ihm auf Ibiza und hatte im Jahr 2005 mit 15 ihr Literaturdebüt ("Crazy for Love"). Ihren Vater beschreibt sie als "Rund und plump und schräg, wie seine Nase". (dpa)
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