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Im Dienst der Wissenschaft

Nebenjob Versuchskaninchen

Erstellt 23.04.09, 11:43h, aktualisiert 23.04.09, 12:22h

Die einen kellnern, andere gehen babysitten oder stapeln Kisten im Getränkemarkt. Yves Gerlinger (19) und Arne Östlund (18) haben sich als Probanden für eine Impfstudie zur Verfügung gestellt. Junge-Zeiten-Autorin Isabell Vidos hat die beiden Liblarer getroffen.

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Fröhliche Probanden: Arne (links) und Yves haben ihre Injektionen locker weggesteckt und mit wenig Mühe gutes Geld verdient. (Bild: Vidos)
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Fröhliche Probanden: Arne (links) und Yves haben ihre Injektionen locker weggesteckt und mit wenig Mühe gutes Geld verdient. (Bild: Vidos)
Erftstadt - "Das war eindeutig der einfachste Job, den wir je hatten!" Yves und Arne sind sich einig. Die beiden Abiturienten haben an einer Impfstudie der Universität Köln teilgenommen - und sich dabei freiwillig abgetötete Vogelgrippe-Erreger spritzen lassen. Was tut man nicht alles, wenn man dabei helfen kann, die Menschheit vor einer gefährlichen Krankheit zu schützen! Naja, das Geld, das man als menschliches "Versuchskaninchen" verdienen kann, spielte für die beiden Jungs aus Erftstadt zugegebenermaßen auch eine nicht unerhebliche Rolle.

Dass Forscher der Uni-Klinik einen neuen Impfstoff gegen die Vogelgrippe testen wollten und dafür Versuchspersonen brauchten, erfuhr Arne von seiner Mutter. "Sie hatte in der Zeitung eine Anzeige gesehen, in der die Uni Köln nach Freiwilligen für eine Testreihe suchte." Was er damit zu tun haben sollte, war dem 18-Jährigen zunächst nicht klar. "Ich interessiere mich nämlich eigentlich überhaupt nicht für Medizin." Doch Arnes Interesse stieg sprunghaft an, als er von einem reizvollen Detail hörte: Den Probanden winkte Bargeld: 50 Euro pro Sitzung! Schnell stand Arnes Entscheidung fest: "Da mache ich mit!" "Es war eine spontane Entscheidung", gibt er zu, "aber nirgendwo anders kann man so schnell und umkompliziert zu so viel Geld kommen. Und Bedenken, dass mir was passieren könnte, hatte ich nicht."

Warnende Stimmen

Dass es auch andere Meinungen gibt, wurde dem jungen Mann am nächsten Morgen in der Schule klar: "Fast alle meine Freunde meinten, sie würden so etwas nicht machen, weil sie Angst vor den Nebenwirkungen hätten. Einige wollten mich sogar überreden, lieber nicht bei einer so heiklen Sache einzusteigen." Auch seine Freundin Marina (20) hatte Bedenken: "Ich persönlich würde da niemals mitmachen", sagt sie, "man kann ja nie wissen, was dabei im Körper passiert."

Ganz anders reagierte Arnes Mitschüler Yves. Der 19-Jährige war sofort begeistert und entschloss sich kurzerhand, auch mitzumachen. "Die Einwände der anderen konnte ich nicht verstehen. Immerhin war ja zugesagt, dass wir die ganze Zeit ärztlich betreut werden." Also meldeten sich die beiden an und wurden wenig später zur ersten Sitzung nach Köln eingeladen. "Zuerst gab's ein Screening, wo geschaut wurde, ob wir tatsächlich kerngesund sind", erklärt Yves, "denn nur körperlich fitte Probanden wurden überhaupt zugelassen." Bei der anschließenden Besprechung mit den Ärzten wurden die Jungs über den Verlauf der Studie informiert. "Dabei haben uns die Ärzte nochmals versichert, dass keine anderen Nebenwirkungen auftreten könnten als bei jeder anderen Impfung auch", erzählt Arne, "das könnten zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle sein oder allergische Reaktionen."

Dann ging's auch schon los: Mit leicht mulmigem Gefühl krempelten Yves und Arne die Ärmel hoch und holten sich ihre Ladung Vogelgrippe-Erreger ab. Die Gefahr, tatsächlich infiziert zu werden, drohte aber nicht. Denn gespritzt wurden lediglich zuvor abgetötete Erreger. Anschließend mussten die Probanden sechs Tage lang über ihr körperliches Befinden Buch führen. Aber sie hatten keinen Grund zum Klagen. "Wir blieben beide locker, weil wir wussten, dass eigentlich nichts passieren kann. Tatsächlich ist es bei keinem von uns zu Komplikationen gekommen. Wir blieben fit und konnten nach einem Tag schon wieder Sport machen", sagt Yves.

Nach drei Wochen folgte dann das, woran die Forscher wirklich interessiert waren: Die Probanden bekamen eine weitere Injektion mit einer verfeinerten Form des Impfstoffes verabreicht. Bei ihren nächsten Besuchen in der Klinik wurden dann jede Menge Daten darüber gesammelt, wie der Körper auf den Stoff reagiert hat. Bis alles ausgewertet ist, kann es allerdings noch Jahre dauern. Und ob das Medikament wirklich auf den Markt kommt, ist längst noch nicht klar. Arne und Yves interessiert das auch nur am Rande: "Wir sind super einfach an 250 Euro gekommen und würden sofort wieder mitmachen." Yves kann sich sogar vorstellen, auch an risikoreicheren Studien teilzunehmen: "Natürlich nur, wenn die Entschädigung stimmt!"



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