Erstellt 25.04.09, 12:46h, aktualisiert 26.04.09, 09:51h
Sigurdardóttir will Island in EU führen
Umfragen sehen für die Übergangsregierung der Sozialdemokratischen Allianz (SDA) und der Links-Grünen eine Mehrheit von deutlich über 50 Prozent der Stimmen. Für die Linksgrünen, seit Februar Junior-Partner in der Übergangsregierung, wurde alleine ein Stimmenanteil von mehr als 25 Prozent erwartet. Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir (SDA) und Finanzminister Steingrimur Sigfusson von den Grünen befürworten beide eine Fortsetzung der gemeinsamen Regierungsarbeit.
Sigurdardóttir hat für den Fall ihres Wahlsiegs angekündigt, dass sie die im Atlantik gelegene Inselrepublik mit ihren 320.000 Einwohnern in die Europäische führen wolle. Allerdings müsste sie dafür ihren bevorzugten Koalitionspartner überzeugen: Die Linksgrünen fürchten vor allem Einschränkungen für die isländischen Fischer. Ebenfalls euroskeptisch ist die Unabhängigkeitspartei. Deren Spitzenkandidat Bjarni Benediktsson spricht sich jedoch für die Einführung des Euro aus, um das Land künftig besser vor Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten abzuschirmen.
Am Staatsbankrott knapp vorbei geschlittert
Im Januar war Ministerpräsident Geir Haarde von der Unabhängigen Partei nach massiven und zum Teil gewaltsamen Protesten zurückgetreten.. Für die seit 1991 regierende konservative Unabhängigkeitspartei wollten nur 22,5 Prozent der Befragten stimmen. Ursprünglich sollte erst 2011 ein neues Parlament gewählt werden.
Der Insel-Staat im Nordatlantik war das erste Land, dessen Regierung als Folge der Finanzkrise zusammenbrach. Islands Banken waren in großem Umfang risikoreiche Geschäfte eingegangen und hatten aggressiv mit günstigen Zinskonditionen Kunden geworben. Nach dem Ausbruch der Krise verlor die Landeswährung Isländische Krone dramatisch an Wert, tausende Menschen verloren ihre Ersparnisse, das Finanzsystem brach zusammen und die Regierung verstaatlichte eine Bank nach der anderen. Zeitweilig stand die Nation mit 320.000 Einwohnern - etwa so viele wie Bonn - vor dem Staatsbankrott. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zehn Milliarden Dollar Hilfe bewilligt. Die Arbeitslosenrate könnte 2009 auf zehn Prozent steigen; die Wirtschaftskraft dürfte dagegen laut Experten um zehn Prozent zurückgehen. (dpa, afp, rtr)
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