kalaydo logo
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Schriftgröße

Anstoss

Klinsmann war nie Bayern-Trainer

Von Frank Nägele, 27.04.09, 12:19h, aktualisiert 27.04.09, 15:02h

Die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann war ein kolossaler Irrtum des deutschen Rekordmeisters. Der ehemalige Bundestrainer und der erfolgreichste deutsche Fußballverein, das passte nie zusammen. Anstoß, der tägliche Kommentar auf ksta.de.

Jürgen Klinsmann
Bild vergrößern
Ein Moment der Verzweiflung: Jürgen Klinsmann (l) sitzt mit Manager Uli Hoeneß auf der Bank. (Bild: dpa)
Jürgen Klinsmann
Bild verkleinern
Ein Moment der Verzweiflung: Jürgen Klinsmann (l) sitzt mit Manager Uli Hoeneß auf der Bank. (Bild: dpa)
Was der FC Bayern München nach der Niederlage gegen den FC Schalke 04 getan hat, ist das Eingeständnis des Scheiterns auf der Grundlage eines kolossalen Irrtums. Jürgen Klinsmann ist nicht mehr Trainer des FC Bayern München. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte lautet: Er war nie Trainer des FC Bayern München. Selten haben zwei Dinge im deutschen Fußball so wenig zusammen gepasst wie die Gedankenwelt des ehemaligen Torjägers und Bundestrainers und das Universum des erfolgreichsten deutschen Vereins. Das hat jeder, der auch nur einen Funken Ahnung von der Sache besitzt, schon bei der Verkündung des Experimentes gewusst.

Und deshalb, alleine deshalb, war der Ausgang der Sache unvermeidlich. Denn Fußball ist auch deshalb eine Art Religion, weil sich seine wichtigsten Prozesse im Bereich des Glaubens abspielen. Und wenn alle ganz fest daran glauben, dass eine Sache scheitern muss, dann wird sie scheitern. Das ist eine Tatsache, die keines Beweises bedarf. Das war schon immer so im Fußball.

Deshalb muss man sich heute noch fragen, was Männer wie Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer im Winter 2007/2008 auf diese Schnapsidee gebracht hat. Keiner Figur wurde mehr Skepsis entgegen gebracht als Klinsmann, daran hat auch die erfolgreiche WM 2006 nichts geändert. Gerade in München, wo sich Tradition, Großmannssucht, Besserwisserei und die Gewöhnung an Erfolg auf eine Art vereinigen, wie nirgends sonst im deutschen Fußball, musste der missionarische Eifer des Allesinfragestellers auf brutalen Widerstand stoßen. Am Ende war gar nicht mehr die Frage, wo Ursache und Wirkung lagen. Ob Klinsmann ein guter Trainer sein kann oder nicht. Ob er überhaupt ein Trainer ist oder nicht. Nur noch: wann, wann? Der Rauswurf wurde von anderen Instanzen beschlossen als der Bayern-Führung. Das war quasi eine nationale Angelegenheit. Die Bayern-Führung hat das Verdikt jetzt nur noch mitgeteilt.

20 Millionen in den Sand gesetzt

Gescheitert ist damit auch der Versuch des Rekordmeisters, der Gefangenschaft in seiner nationalen Überlegenheit zu entrinnen. Denn das war die einzig nachvollziehbare Fantasie, die hinter diesem Brachial-Experiment steckte. Des ständigen Meisterwerdens bei gleichzeitiger europäischer Chancenlosigkeit müde geworden, haben die Herren Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer halt einmal etwas völlig Verrücktes gemacht. Seht her, jetzt hauen wir einen raus! Und jetzt müssen sie ihn wieder raushauen. Kostet schätzungsweise 20 Millionen Euro, diese Idee mit dem riesigen Menschengeflecht, das sie beinhaltete, wieder los zu werden.

Aber kein Grund, jetzt mit Schaum vor dem Mund irgend etwas anzuprangern. Wenn das überschätzte Modeadjektiv "spannend" je irgendwo gepasst hat, dann auf die zehn Monate Klinsmann beim FC Bayern. Es gibt etwas, das noch schlimmer ist als sportliches Scheitern. Langweiliges sportliches Scheitern. Und langweilig war dieses nicht.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Der satirische Wochenrückblick


Anzeige


Bildergalerien


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Bolzplatz. Die Kolumne


Serie


Die andere Meinung


Dienste