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Amokalarm

Schülerin stellt sich der Polizei

Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 11.05.09, 10:23h, aktualisiert 06.12.11, 17:10h

Die Flucht der nach der Messerattacke an einem Gymnasium in Sankt Augustin gesuchten Schülerin ist zu Ende. Die Jugendliche befindet sich in der Obhut der Polizei. Die 16-Jährige stellte sich noch am Abend der Bundespolizei in Köln.

Amokalarm in Siegburg
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Die Polizei in Sankt Augustin hat Amokalarm ausgelöst. (Bild: Iskra)
Amokalarm in Siegburg
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Die Polizei in Sankt Augustin hat Amokalarm ausgelöst. (Bild: Iskra)
Sankt Augustin - Dass sie gegen neun Uhr mal musste, macht Anna P. zu einer Heldin wider Willen. Als die 17 Jahre alte Gymnasiastin in die Mädchentoilette kommt, tritt ihr eine vermummte junge Frau entgegen. Die zögert gar nicht erst lang, sondern geht mit einem Messer mit langer Klinge auf die 17-Jährige los, verletzt sie an einer Hand, der Daumen wird abgetrennt.

Durch Hilferufe wird ein Lehrer aufmerksam. Er rennt hinüber und entdeckt die stark blutende Anna. Vom Sekretariat aus werden Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei gerufen. Es wird Amokalarm gegeben, das in den vergangenen Jahren entwickelte Sicherheitskonzept greift. Einsatzhundertschaften, Spezialeinsatzkräfte (SEK), 85 Feuerwehrleute und 105 Mitarbeiter des Rettungsdienstes rasen zum Schulzentrum in Niederpleis. Die Lage ist noch unklar. Keiner weiß zu diesem Zeitpunkt, ob die mutmaßliche Täterin Tanja O. noch auf dem Schulgelände ist.

Ihr Rucksack wird aber in der Toilette gefunden und die Vermutung zur Gewissheit. Die 16 Jahre alte Gymnasiastin wollte offensichtlich Brandsätze werfen. Sie hatte zehn "Molotow-Cocktails" dabei, außerdem eine Gaspistole. In einem Feuerlöscher, so die neuesten Erkenntnisse vom Abend, transportierte sie Sprengstoff - eine Bombe, mit der sie möglicherweise eine Explosion im Gymnasium auslösen wollte. Laut Schulministerium soll sie ihre Schule in der vergangenen Woche schon einmal bedroht haben und sei deshalb für diesen Montag zu einer "Gefährdungsansprache" mit dem Schulpsychologen einbestellt gewesen. Dazu ist es nicht gekommen. In einem Brief in ihrem Rucksack scheint sie die geplante Tat angekündigt zu haben. Auch ihre Maske wird sichergestellt. Sie hat sie sich vom Gesicht gerissen, als sie flüchtete. Ein Hauptschüler, beide Schulformen sind in einem Gebäude untergebracht, hat sie mit dem Messer in der Hand auf sich zukommen sehen. Er dreht sich schnell um und läuft weg. Von Tanja fehlt jede Spur. Die benachbarte Realschule wird evakuiert, Hunderte junge Leute laufen über den Schulhof nach draußen, Rettungskräfte kümmern sich um sie. Die Gymnasiasten werden aufgefordert, in ihren Klassenräumen zu bleiben, das gehört zum Konzept. Türen werden gesichert - entweder abgeschlossen oder verbarrikadiert. SEK-Beamte laufen von Etage zu Etage, beruhigen die Schüler. Die zwölf Jahre alte Julia erinnert sich: "Es war wie in einem Film. Wir sind unter die Tische gekrabbelt. Die Polizisten kamen mit langen Gewehren rein und sagten, wir wären in Sicherheit. Viele haben geweint und geschrien."

Tanja wird nicht gefunden. Stunden später sammeln sich die Gymnasiasten in der großen Sporthalle, die besorgten Eltern können sie von dort abholen. Väter, Mütter und Angehörige hatten lange Zeit an den Absperrungen ausharren müssen. Sie hatten allerdings erfahren, dass nur ein Mädchen verletzt worden war. Notfallseelsorger kümmern sich um die jungen Menschen. Hub- schrauber kreisen über der Stadt auf der Suche nach Tanja, Beamte durchsuchen ihr Zimmer und das Haus, in dem sie lebt - eine gepflegte Doppelhaushälfte in Mülldorf.

Die Handy-Ortung hat Tanjas Mobiltelefon lokalisiert - doch sie hat es zu Hause gelassen. Die Polizei gibt ein Fahndungsfoto des Mädchens heraus, die in ihrer Familie das älteste von fünf Kindern ist. Kurz nach Mitternacht dann die Meldung: Tanja ist in Obhut der Polizei. Die 16-Jährige hatte sich Montag-Nacht der Bundespolizei am Hauptbahnhof in Köln gestellt. Die Schulministerin Barbara Sommer besucht am Vormittag das Albert-Einstein-Gymnasium und hält um 11.45 eine Pressekonferenz zu dem Fall ab.

Für die Schüler besteht auch weiterhin Schulpflicht, jedoch fordern die Behörden diese nicht ein. Prüfungen sollen wie geplant stattfinden. Die Schulleiterin des Gymnasiums Anne Marie Wähner erklärte, dass es vor einer Woche schon Hinweise von Schülern gegeben hätte und der Schulpsychologe daraufhin mit Tanja O. und deren Eltern gesprochen hatte. Es gab zu dem Zeitpunkt allerdings noch keine Hinweise darauf, dass andere Menschen in Gefahr sind, höchstens eine Selbstgefährdung. Im Kreis der Schüler wird behauptet, dass die Täterin mehrfach gemobbt wurde.



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