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„Menschen bei Maischberger“

Verbale Schlacht um DDR-Vergangenheit

Von Markus Decker, 20.05.09, 20:09h, aktualisiert 21.05.09, 21:24h

Deutschland wird 60 Jahre alt. Und auch dieses Gedenkjahr will kein Ende nehmen. Bei Maischberger nostalgierten die Kanzlerin und andere Gäste über die DDR. Die Sendung geriet dabei zuweilen zur Show eines Unwissenden.

Maischberger
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Maischberger (r.) und die Kanzlerin. (Bild: ddp)
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Maischberger (r.) und die Kanzlerin. (Bild: ddp)
Obwohl es nicht mal zur Hälfte rum ist, hat man erneut das Gefühl, auch dieses Gedenkjahr wolle kein Ende nehmen. Bei Sandra Maischbergers klug komponierter Sendung „60 Jahre Deutschland: Sind die besten Jahre vorbei?“ war das anders.

Im ersten Teil gewährte Kanzlerin Angela Merkel Einblicke in ihre DDR-Biografie. Sie erinnerte, wie „furchtbar“ sich der Mauerbau aus der Perspektive der damals Siebenjährigen Angela ausnahm. Merkel berichtete von dem Versuch der Stasi, sie für ihre Zwecke einzuspannen. Als junge Physikerin bewarb sie sich um eine Stelle an der Technischen Hochschule Ilmenau und wehrte mit der Behauptung, „geschwätzig“ zu sein (was sie nicht ist), den Anwerbeversuch ab. Maischberger konfrontierte Merkel mit der Kritik von Linksparteichef Oskar Lafontaine, wonach sie in jungen Jahren FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda gewesen sei. Die Pfarrerstochter antwortete darauf recht aufrichtig. „Man musste in diesem System Kompromisse machen“, sagte sie. Und andere seien sicherlich widerständiger gewesen. Die DDR-Kritik der Kanzlerin fiel jedenfalls zurückhaltend aus. Natürlich sei der Staat „auf Unrecht gebaut“ gewesen. Allerdings helfe Schwarz-Weiß-Malerei nicht weiter. Und „Gott sei Dank“ sei in der DDR nicht alles Staat gewesen. Im zweiten Teil der Sendung trafen ZDF-Historiker Guido Knopp und der Journalist Wolfgang Weimer („Cicero“) als konservatives West-Team auf das linke Ost-Team aus Gregor Gysi und dem Kabarettisten Uwe Steimle. Während Knopp und Weimer selbstgewiss auf 60 Jahre Bundesrepublik zurückblickten, kämpften Gysi und Steimle stellvertretend für 16 Millionen Landsleute um jene Aufmerksamkeit und Fairness, die den Ostdeutschen fehlt. Gysi mag den Terminus „Unrechtsstaat“ nicht verwenden, weil er die komplette DDR de-legitimiere.

Weimer sprach daraufhin von „sophistischen Relativierungen“, die den Opfern gegenüber „kaltherzig“ sei. Gysi befand, nach 1945 hätten sich alle Deutschen rechtfertigen müssen, seit 1989 nur die Ostdeutschen. Weimer wiederum nannte die Bundesrepublik eine „große Versöhnerin“, die auch diese Konflikte einebnen werde. Das hatte Niveau. Steimle hatte keins. So behauptete er, nach 1989 sei der Sozialstaat abgeschafft worden und die Bundesrepublik sei seinerzeit „genau so am Ende“ gewesen „wie die DDR – nur auf höherem Niveau“. Wenn sich Dummheit, Unwissenheit und Selbstbewusstsein in einer Person paaren, ist das stets schwer zu ertragen. Den Ostdeutschen ist mit sol chen Verteidigern nicht gedient.



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