Erstellt 21.05.09, 15:51h
"Wir drücken unser tiefstes Bedauern aus", sagte der ärztliche Direktor der Klinik, Hermann Thole. Bei dem Vorfall handele es sich um eine "Verkettung unglücklicher Umstände". Ob der Notarzt einen Fehler gemacht habe, müssten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen. "Wir sind noch weit davon entfernt, schon alles zu wissen, was an diesem Tag passiert ist."
Lebend begraben werden ist eine der Urängste des Menschen - in Deutschland werden Lebende aber nur äußerst selten irrtümlich für tot erklärt. In der Regel ist tatsächlich eine Verkettung unglücklicher Umstände schuld, so wohl auch in dem Fall in Nordhorn. Die Seniorin war Ende April in ihrem Badezimmer gestürzt. Nachbarn betreuten die Frau, schauten jeden Tag nach ihr. Als morgens die Jalousien noch heruntergelassen waren, schlugen sie Alarm.
Der junge Notarzt fand die 89-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft leblos. Er fasste sie an und stellte fest, dass sie sich kalt und starr anfühlte. Allerdings wusste er nicht, dass sie ein steifes Bein hatte - eventuell irrte er sich deswegen.
Die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau wollte der Notarzt erst nachmittags im Bestattungsinstitut vornehmen. Dabei muss der nackte Körper nicht nur oberflächlich, sondern von allen Seiten genau betrachtet werden. Der Mann alarmierte die Angehörigen, die bestellten einen Bestatter, der eine Stunde später da war. Als dieser die Frau in den Sarg legte, bemerkte er ein leichtes Atmen - und alarmierte sofort den geschockten Notarzt, der die Frau diesmal umgehend ins Nordhorner Klinikum bringen ließ.
Dort zeigte sich der ärztliche Direktor Hermann Thole knapp vier Wochen nach dem Vorfall sichtlich geknickt. "Wir haben unmittelbar an dem Tag, als das passiert ist, Kontakt mit der Familie aufgenommen", berichtete er am Mittwoch. Eine Computertomographie am Tag des Vorfalls habe gezeigt, dass die 89-Jährige schwere Hirnblutungen gehabt habe, die sie auch bei sofortiger medizinischer Hilfe nicht überlebt hätte, sagte Thole. Die Kinder der Toten seien Ärzte. "Wir haben die ganzen Dinge mit der Familie besprochen, es hat völlige Transparenz geherrscht." Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück haben die Angehörigen auf eine Anzeige verzichtet.
Der 33 Jahre alte Notarzt, dem der Fehler unterlief, ist weiter im Einsatz. Es gehe dem Arzt zwar nicht gut, aber er habe bislang sehr gute Arbeit geleistet. "Er genießt mein vollstes Vertrauen", betonte der Klinikchef. (dpa)
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