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Stasi-Spion tötete Ohnesorg

Erstellt 21.05.09, 20:04h, aktualisiert 22.05.09, 18:44h

Der Student Benno Ohnesorg ist 1967 von dem Westberliner Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen worden. Nach Unterlagen der Birthler-Behörde soll Kurras ein Stasi-Spitzel gewesen sein. Gegen ihn wurde erneut Strafanzeige erstattet.

Benno Ohnesorg
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Benno Ohnesorg umringt von Helfern des Roten Kreuzes bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus. (Bild: dpa)
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Benno Ohnesorg umringt von Helfern des Roten Kreuzes bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus. (Bild: dpa)
BERLIN - Gegen den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg unter bisher ungeklärten Umständen erschossen hatte, ist erneut Strafanzeige erstattet worden. Grund sind Presseberichte, wonach Kurras seit Mitte der 1950er Jahre Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit (Stasi) gewesen sein soll.

Das ZDF (Donnerstag) und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag) berichteten unter Berufung auf Erkenntnisse der Birthler-Behörde, dass sich Kurras 1955 gegenüber der DDR-Staatssicherheit verpflichtete, die West-Berliner Polizei auszuspähen. Außerdem soll er laut vorliegenden Dokumenten Mitglied der DDR-Staatspartei SED gewesen sein. Nach dem tödlichen Schuss auf Benno Ohnesorg funkte das MfS laut ZDF-„Heute-Journal“ an Kurras: „Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen. Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall.“

Der Spionageexperte der Birthler-Behörde, Helmut Müller-Enbergs, sagte dem ZDF, es gebe keinen Hinweis in der Stasi-Akte, dass Kurras einen Auftrag hatte, Ohnesorg zu erschießen. Kurras war in zwei Verfahren in den Jahren 1967 und 1970 mangels Beweisen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Die „FAZ“ schreibt, bei der Staatssicherheit sei die Personenakte von Kurras nach dem Vorfall entfernt worden, so dass es unmittelbar nach dem 2. Juni 1967 unmöglich wurde, seine Akte zu finden. Laut Müller-Enbergs sei sie „ausschließlich durch interne Forschungen auffindbar geworden“.

Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni und stellvertretende Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Carl-Wolfgang Holzapfel, erstattete nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den 81-jährigen Kurras. „Mord verjährt nicht“, erklärte Holzapfel am Freitag in einer Pressemitteilung. Die Ermittlungen gegen Kurras müssten so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Nach einem Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ (Freitag) bestreitet der im Berliner Stadtteil Spandau lebende Pensionär, jemals mit der Stasi kooperiert zu haben.

Seine tödlichen Schüsse auf Ohnesorg während der Demonstrationen gegen den Schah-Besuch vor der Deutschen Oper am 2. Juni 1967 in Berlin gelten als Zäsur für die bis dahin meist friedliche Protestbewegung in der Bundesrepublik. In der zeitgeschichtlichen Forschung gibt es wenig Zweifel, dass Ohnesorgs Tod zur Radikalisierung der damaligen Außerparlamentarischen Opposition (APO) und zur Entstehung des Terrorismus in der Bundesrepublik mit beigetragen hat. Ein Funke sprang auf das ganze Land über, der Protest verließ den Universitätscampus.

Der Studentenprotest wurde zu einer politischen Bewegung - bis hin zu den Bürgerbewegungen, aus denen später die Grünen hervorgingen, aber auch die Friedens-, Jugend-, Frauen- und Anti-Atomkraft-Bewegung der 70er und 80er Jahre. „Die 68er haben eigentlich am 2. Juni 1967 begonnen“, schreiben heute manche Autoren und Publizisten mit Blick auf die gesellschaftspolitische Entwicklung der Bundesrepublik.

Der Studentenführer Rudi Dutschke, der am 11. April 1968 auf dem Berliner Kurfürstendamm von einem verwirrten Mann niedergeschossen wurde, hatte seinen Gefolgsleuten den mühsamen „Marsch durch die Institutionen“ vorausgesagt. Andere wollten davon nichts wissen und wählten den „Weg des bewaffneten Widerstands“ von der „Bewegung 2. Juni“ bis zur „Roten Armee Fraktion“ (RAF).

Der Sohn des ehemaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback, Michael Buback, hat im Fall Kurras die Ermittlungsbehörden angegriffen. Mit Blick auf Kurras' Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit der früheren DDR sagte Buback dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ich bin erstaunt, dass solch ein Umstand so lange verborgen bleiben konnte.“ Buback zog eine Parallele zur Ermordung seines Vaters im Jahr 1977. Auch hierzu seien „viele Dinge mehr als 30 Jahre lang verborgen geblieben.“ Michael Buback zweifelt bis heute an der Darstellung der Justizbehörden über die Ermordung seines Vaters durch die RAF.

(dpa, ksta)

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