Von Ulla Jonen, 20.05.09, 19:53h
Andere laden aus dem Internet eine nullachtfünfzehn Software runter oder ein Formular oder Musik. Vielleicht machen sie auch nur ein Spiel. Und plötzlich landen Rechnungen im Briefkasten. Zunehmend mehr befassen sich die Leverkusener Verbraucherschützer mit Telefonie, Internet und Fernsehen. Rund ein Drittel ihrer Arbeit geht inzwischen dafür drauf. Das verwaschene T-Shirt, die defekte Waschmaschine, der „verbaute Urlaub“ oder ein Garantieanspruch - diese eigentlich ganz klassischen Themen rücken immer mehr in den Hintergrund.
Beraterin Martina Wagner hat sich in Wiesdorf einen Nachmittag lang auf die Suche nach einem neuen Telefonnetz-Anbieter gemacht. Zurück an der Dönhoffstraße hatte sie eine ganze Tasche voll mit Prospekten und Werbebroschüren. „Die meisten Sachen sind einfach nicht vergleichbar. Häufig werden einem die grundlegenden Vertragsbedingungen auch gar nicht ausgehändigt.“ Wer sie aber erhält, hat alle Mühe. Denn die seitenlangen juristischen Klaubereien sind so klein geschrieben, dass man irgendwann verzweifeln muss.
Das Spezialgebiet von Beraterin Stefanie Vogt ist unter anderem die Internet-Abzocke. Viele Seiten seien so „gut“ gemacht, dass der Normalverbraucher gar nicht mehr bemerkt, dass er eine kostenpflichtige Dienstleistung in Anspruch nimmt. Sie erzählt von einem älteren Herrn, der ungewollt an etwa 30 „Gewinnspielen“ teilgenommen hat. Rund 1000 Euro musste er dafür jeden Monat hinblättern. Er war einer der vielen Leverkusener, denen die Verbraucherberatungsstelle helfen konnte. „Wenn wir uns einschalten, nehmen unseriöse Unternehmen ganz rasch Abstand. Vermeintliche Verträge werden dann schnell storniert“, so die Chefin der Beratungsstelle, Sylvia Zimmermann.
Fallen umgehen
Angesichts verschiedener Abzockereien, kann die Vorsicht nicht groß genug sein, und so haben die Fachfrauen auch eine Menge Tipps parat, wie man Fallen vermeidet: Kontodaten nicht weitergeben, Kontoauszüge regelmäßig kontrollieren, Verträge genau lesen, bei Telefonwerbung direkt auflegen. Misstrauisch sein! Nur glauben, was schriftlich festgehalten ist.
Die Beratungsstelle in Wiesdorf kostet rund 190.000 Euro im Jahr. Rund 80 Prozent davon tragen das Land und die Stadt, 20 Prozent zahlen die Verbraucher, und zwar immer dann, wenn sie Beratungen in Anspruch nehmen. 2008 waren das knapp 2000 Bürger. Ein Beratungsgespräch kostet sieben Euro, Korrespondenz pro Fall zusätzlich noch einmal zwölf Euro.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|