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Vereinsjubiläum

Uralte Junggesellen

Von Thomas Schmitz, 27.05.09, 16:25h, aktualisiert 28.05.09, 09:10h

Einer der ältesten Junggesellenvereine Deutschlands wird 300 Jahre alt. Zum Jubiläum der Hockenbroicher Junggesellen aus Kirchheim ist eine Festschrift erschienen, die Anekdoten versammelt und die Bräuche liebevoll erklärt.

Junggesellen auf der Kirmes
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Das älteste vorhandene Gruppenbild zeigt die Mitglieder des Hockenbroicher Junggesellenvereins am Kirmesdienstag 1904 vor der Hohnsheck. (Repro: Schmitz)
Junggesellen auf der Kirmes
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Das älteste vorhandene Gruppenbild zeigt die Mitglieder des Hockenbroicher Junggesellenvereins am Kirmesdienstag 1904 vor der Hohnsheck. (Repro: Schmitz)
Hohnshecker Protokoll
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Willi Köhler (auf dem Pferd) trägt Anfang der 50er Jahre das Hohnshecker Protokoll vor. Neben ihm die Fähnriche Hans-Josef Zimmer (links) und Franz Heck. (Repro: Schmitz)
Hohnshecker Protokoll
EUSKIRCHEN-KIRCHHEIM - Er ist der älteste Junggesellenverein im Kreis Euskirchen und einer der ältesten in Deutschland: Am Pfingstwochenende feiern die Hockenbroicher Junggesellen aus Kirchheim ihr 300-jähriges Bestehen. Vielleicht ist der Verein sogar noch ein paar Jahre älter. Denn vor 50 Jahren vermutete der Heimatforscher Wilhelm Heck unter Berufung auf sprachwissenschaftliche Untersuchungen, dass der Verein um 1600 oder sogar früher entstanden sei.

Irgendwann zwischen 1600 und 1750 entstand die Urfassung des „Hohnshecker Protokolls“, in dem an die Macht erinnert wird, die angeblich vor mehr als 1000 Jahren, als Kaiser Karl das Sagen hatte, von der Hohnsheck, dem Grundstück an der Einsteinstraße, ausging. Darin werden Tribute von Ländern, aber auch von umliegenden Ortschaften gefordert. In einer überarbeiteten Fassung aus dem 19. Jahrhundert heißt es etwa: „Die Franzosen bringen Champagner Wein / Zirka Tausend Flaschen sollen's sein / Dann dürfen an den Rhein sie gehen / Sich all die Städte und Dörfer besehen /Die 70 so gern sie gewonnen / Was ihnen aber übel war bekommen“.

Bestrafungen und Verwünschungen

Wird ein Tribut nicht erbracht, folgen Bestrafungen und Verwünschungen: „Münstereifel muss jährlich liefern 1 Centner Pfefferkuchen / sonst werden wir sie verfluchen“ oder „Eiservey liefert 100 Stangen Eisen für Fenstertraillen / Wenn sie selbige nicht bringen, sind sie Kanaillen“. In der ausführlichen und äußerst liebevoll gestalteten Festschrift, die Hans-Rolf Theissen und Petra Braun erstellt haben, gehen die beiden Autoren auch auf längst vergangene Bräuche ein und erzählen so manche Anekdote. So gab es das „Stippen“: Hatte ein Junge ein Mädchen in Kirchheim geheiratet, dem Junggesellenverein aber keinen ausgegeben, wurde das Haus der frisch gebackenen Eheleute mit Gegenständen wie Holz, Brettern oder sogar Gartentüren komplett zugestellt. Gefeiert wurde bis in die Puppen. Als Pfarrer Joseph Emonds nach einer langen Mainacht einige nicht ganz nüchterne Junggesellen traf, predigte er später: „Heute morgen ist mir ein Leichenzug begegnet. Es waren Tote ohne Begräbnis.“

Im 19. Jahrhundert wurde bei der Kirmes auch noch von früh bis spät getrommelt. Der Kuchenheimer Bürgermeister verbot 1838 das Trommelschlagen und die damit einhergehenden „Exzesse, Balgereien, Lärm und Ruhestörung“, wie es im Protokoll heißt. Das bekam besonders ein armer Polizeidiener zu spüren, der die Trommel beschlagnahmen wollte und „beschimpft und misshandelt wurde“. Drei Jahre später steckte derselbe Polizist den Trommler Theodor Jonas für drei Tage in Mittelarrest. Die Aufnahmerituale bei den Junggesellen waren auch nicht immer einfach. Neulinge wurden beim Holen der Maibäume mit schwarzer Schuhcreme im Lendenbereich eingeschmiert.

Gespalten war früher das Verhältnis zum Kirchheimer Junggesellenverein „Einigkeit 1903“. „Kirchheimer Jünglinge“ durften zwar seit 1904 Mitglied bei den Hockenbroichern werden, aber keine Vorstandsposition bekleiden. Fusionen und Namensänderungen wurden 1911 und 1919 abgelehnt. Von 1920 ist sogar eine handfeste Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der beiden Vereine dokumentiert. Wer allerdings Zwietracht säte, der wurde, wie 1922 geschehen, rausgeworfen.

In der Festschrift, die für drei Euro erworben werden kann, finden sich nicht nur zahlreiche Bilder von Maipaaren und Präsidenten sowie Berichte über das Vereinsleben, sondern auch alte Zeitungsartikel, die das Vereinsleben dokumentieren. So ist einst auch Fernseh-Moderatorin Bettina Böttinger, die in Kirchheim lebt, bei der Maiversteigerung für 51 Euro unter den „Luremmel“, wie der lange Haselnussstock heißt, gekommen.



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