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Malcolm Gladwell

Darum sind Überflieger erfolgreich

Erstellt 29.05.09, 21:06h

Erfolgreichen Menschen wird nicht alles in die Wiege gelegt, sagt Autor Malcolm Gladwell im Interview. Sie sind vielmehr ein Produkt ihrer Umgebung. Gladwell muss es wissen. In seinem neuesten Buch geht er dem Phänomen „Überflieger“ nach.

Malcolm Gladwell
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Malcolm Gladwell ist Journalist, Autor und Unternehmensberater. (Bild: Rakoczy)
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Malcolm Gladwell ist Journalist, Autor und Unternehmensberater. (Bild: Rakoczy)
KÖLNER STADT-ANZEIGER Herr Gladwell, Ihr neuestes Buch handelt von „Überfliegern“. Wer ist gemeint?

MALCOLM GLADWELL Das sind Leute, die Außergewöhnliches erreicht haben: Musikstars, Software-Milliardäre, Spitzenpolitiker, also Menschen wie die Beatles, Bill Gates oder Barack Obama.

Und sie alle tragen ein Geheimnis in sich.

GLADWELL Genau! Wir denken, dass sie vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Begabung erfolgreich sind. Dabei übersehen wir, dass nicht das Talent entscheidend ist. Denn Überflieger sind die Produkte ihrer Umgebung, ihrer Gesellschaft und ihrer Generation. Es geht weniger um ihre Veranlagung, als um die Chancen, die sie bekommen. Die westliche Welt macht da immer den gleichen Fehler: Sie nimmt das Individuum zu wichtig und übersieht die Rolle der Gesellschaft in solchen Karriereläufen.

Sind die Beatles oder Bill Gates also nur Glückspilze, die die richtigen Chancen bekamen?

GLADWELL Das spielt jedenfalls eine große Rolle. Die Beatles durften am Anfang ihrer Karriere in Hamburg oft stundenlang auftreten, manchmal sieben Tage die Woche. Bei ihrem Durchbruch hatten sie bereits 1200 Mal auf der Bühne gestanden. Bei Bill Gates war es ähnlich: Er durfte schon als Achtklässler in den Computerraum seiner Schule, was sozusagen sein „Hamburg“ war. Außerdem gilt: Eine Chance kommt selten allein.

Echt?

GLADWELL Ja, das hat System. Ich nenne es den „Matthäus-Effekt“ nach einem Vers aus der Bibel. Da heißt es: „Wer hat, dem wird gegeben werden. Wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen.“ Was ich damit sagen will: Ein kleiner Vorteil wächst oft exponentiell. Ich bekomme eine Chance, qualifiziere mich dadurch, bekomme wieder eine Chance und so weiter.

Ist Erfolg also reiner Zufall?

GLADWELL Nicht nur. Wir müssen Möglichkeiten auch erkennen und ergreifen und üben, üben, üben. Bill Gates hatte mit 20 Jahren schon mehr als 10 000 Stunden programmiert - eine magische Zahl. Denn 10 000 Übungsstunden machen den Profi zum Überflieger. Das gilt für Informatiker genauso wie für Sänger, Schriftsteller, Schlittschuhläufer.

Sie haben in zehn Jahre bei der „Washington Post“ sicherlich Ihr Soll erfüllt.

GLADWELL (lacht) Ja, das Training habe ich hinter mir. Die Stelle war mein erster richtiger Job nach der Uni. Als ich dort angefangen habe, war ich kein besonders guter Schreiber. Aber ich geriet in die richtige Umgebung, konnte von den richtigen Leuten profitieren.

Würden Sie sich selbst als Überflieger bezeichnen?

GLADWELL Nicht wirklich. Es sei den man definiert erfolgreiche Menschen als diejenigen, die mit einer sinnvollen, komplexen und unabhängigen Tätigkeit beschäftigt sind, die eine unmittelbare Befriedigung ermöglicht. Das trifft nämlich auf mich zu.

Drei Bestseller haben Sie geschrieben, das „Time Magazine“ kürte Sie zu einer der 100 einflussreichsten Personen weltweit. Wer hat Ihren Erfolg ermöglicht?

GLADWELL Meine Großmutter Daisy - eine bemerkenswerte Frau! Ihr habe ich auch das Buch gewidmet. Sie war es, die meiner Mutter ein Studium in England ermöglichte, obwohl beide in einem kleinen Dorf in Jamaika aufgewachsen sind. Daisy hat mich etwas sehr Wichtiges gelehrt: Der eigene Erfolg ist oft der Lohn derer, die dich aufgezogen haben.

INTERVIEW: MALINA OPITZ



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