Von Tobias Kaufmann, 15.06.09, 19:24h
Die romantisierende Sicht, nach der Mahmud Ahmadinedschad ein König ohne Land sei, den man nicht weiter ernst nehmen müsse, sollte sich ein für alle Mal erledigt haben. Der Iran ist eine Diktatur. Sie wird von Männern gelenkt, die innenpolitisch keine Skrupel kennen und außenpolitisch Vernunft für Schwäche halten. Während alle Welt die „grüne Welle“ und den angeblich offenen Wahlkampf bestaunte, hatte die iranische Diktatur längst die Daumenschrauben angezogen - die Verfolgung von Christen, Bahai und Oppositionellen hat seit Monaten zugenommen.
Dennoch sind die Hardliner bei der Wahl an einem Punkt gescheitert: mit ihrem Hochmut, mit dem sie glaubten, die Unterdrückten auch noch für dumm verkaufen zu können. Diesen Preis bezahlt das Regime nun auf der Straße. Dort ringen nicht Hardliner und Reformer. Dieser Kampf ist längst gegen die Reformer entschieden. Die Staatsmacht bekämpft Menschen, die die Nase voll haben - nicht nur von Ahmadinedschad, sondern generell. Im Windschatten des Reformislamisten Mussawi äußert sich der Protest echter Regimegegner. Sie zu unterstützen, müsste Aufgabe westlicher Politik sein - das wird nicht dadurch falsch, dass George W. Bush ebenfalls dieser Ansicht ist. Es gibt nun mal auf der Welt neben Nordkoreas Kim Jong Il keinen gefährlicheren Politiker als Mahmud Ahmadinedschad.
Der Iran, der zurecht stolz ist auf seine große Geschichte und Kultur, hat es nicht verdient, von einem Regime gelenkt zu werden, das mit Terrorismus und einem illegalen Atomprogramm zur Hegemonialmacht aufsteigen will - und alles andere aufs Jenseits verschiebt. Leider gibt es trotz aller Proteste keine Hinweise darauf, dass die Oppositionsbewegung stark genug wäre, dieses Regime abzusetzen. Also lässt man sie mit allen guten Wünschen im Regen stehen.
US-Außenministerin Hillary Clinton hat das unfreiwillig zugegeben, als sie sagte, sie hoffe, das Wahlergebnis gebe den tatsächlichen Willen des iranischen Volkes wieder. Hofft Washington wirklich, dass mehr als 60 Prozent der Iraner bei einer freien Wahl für den „Irren aus Teheran“ stimmen? Natürlich nicht. Vielmehr zeigen die sehr zurückhaltenden Reaktionen, wie wenig Hoffnung der Westen in das setzt, was als „samtene Revolution“ begann und sich nun zu Straßenschlachten auswächst. Niemand will Öl in ein Feuer gießen, in dem am Ende protestierende Iraner verbrennen. Zu groß ist die Sorge, die Unruhe lege sich spätestens dann, wenn die Schläger des Regimes zu scharfen Waffen greifen. Der Sieger der Schlacht um die Macht in Teheran steht fest, bevor sie richtig begonnen hat: Mahmud Ahmadinedschad, Irans Dr. Seltsam, der die Bombe liebt.
Am Ende soll eine neue persische Verfassung stehen
18.06.2009 | 01.37 Uhr | acjj2006
Zwar ist sie noch nicht in den Händen von Peter Scholl Latour geraten, aber man arbeitet dran. Die toten Demonstranten im Iran sind das Sinnbild…
Das soll ein „Leitartikel“ sein?
16.06.2009 | 10.05 Uhr | hdb
Glauben Sie wirklich, die Situation im Iran soweit verstanden zu haben, sich hier als Prophet gerieren können? Man muss die Zeichen der Zeit ja nicht…
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