Von Michaela Krüger, 19.06.09, 21:00h
Sicherlich, man kann dem Plakat niedere Absichten unterstellen: Riesenburger zeigen, Hunger erwecken, mobile Fressstation ansteuern lassen. Das kann man aber auch als Kunst verstehen. Jährlich kürt der in Berlin ansässige Verein „100 Beste Plakate e. V.“ aus der Unmenge städtischer Bebilderungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowohl progressive Kulturplakate als auch innovative kommerzielle Aushänge. Diesmal sah sich die Jury, die sich unter anderem aus Designern und Kunsthistorikern zusammensetzt, mit 1521 Einsendungen konfrontiert. Von Opernfestival bis Pickelsalbe. Die aus dem Wettbewerb für Gestalter, Auftraggeber und Studenten entstandene Ausstellung tourt jetzt mit der finalen Auswahl durch Berlin, Essen, Wien und Luzern.
Zwei. Eins. Null. Oder: Es hat Zoom gemacht. Für Werbestrategen ist der Effekt in doppelter Hinsicht eine Herausforderung. Denn ein Mensch kann nur zwischen vier und sieben Informationen gleichzeitig ins Kurzzeitgedächtnis aufnehmen. Da die Informationsflut um uns herum beständig zunimmt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Aushang überhaupt registrieren. Als absoluter Volltreffer gilt daher bis heute das H & M-Plakat mit Anna Nicole Smith. Nicht nur, dass Männer Busenwunderbilder aus Bushaltestellenhäuschen klaubten, nein, sie rasten sogar direkt mit Autos hinein.
Um vor den Augen der Berliner Jury zu bestehen, bedarf es mehr. Zu den Auswahlkriterien zählen „ein schlüssigen Umgang mit Bild und Schrift, die gestalterische Idee und die visuelle Durchschlagkraft“. Radikale Zumutungen sind aber durchaus erwünscht. Denn die Motivauswahl für die Ausstellung will nicht nur einen Status quo dokumentieren, sondern, so heißt es, „über neue Sichtweisen auch neue Anstöße geben“.
Womit wir am Ende doch wieder bei einem niederen Instinkt wären. Hunger. Rechts abbiegen, Richtung Essen. Eins, zwei. Verstanden?
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