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Interview mit DSDS-Produzentin

Kopiert oder variiert?

Erstellt 16.06.09, 21:19h, aktualisiert 17.06.09, 14:10h

Ein bekanntes Phänomen: Ein neues TV-Konzept und schon sprießen zehn weitere Ableger. "Superstar"-Produzentin Ute Biernat, Vorsitzende des Internationalen Urheberverbands FRAPA, will Formate schützen. Mit ksta.de sprach sie über den Ideenklau.

Schlag den Raab
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Internationales TV-Format aus Deutschland: Stefan Raab kombinierte mit "Schlag den Raab" Sport, Quiz und Spiel zu einem Show-Konzept. (Bild: Pro Sieben)
Schlag den Raab
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Internationales TV-Format aus Deutschland: Stefan Raab kombinierte mit "Schlag den Raab" Sport, Quiz und Spiel zu einem Show-Konzept. (Bild: Pro Sieben)
Frau Biernat, im deutschen Fernsehen wird wie verrückt geklaut. Ist dieser Verband ein Papiertiger?

UTE BIERNAT: Den Urheberrechtschutz kann kein internationaler Verband gewährleisten, weil dieses Thema in jedem Land anders legal gehandhabt wird. Nichtsdestotrotz gibt es im internationalen Formathandel auch Spielregeln. Die FRAPA hat sich Ende der 90er Jahre konstituiert, als der Programmbedarf wuchs und immer mehr ähnliche Formate produziert wurden.

. . .und sich alle beklauten?

BIERNAT: Diebstahl lässt sich generell nicht verhindern, und Ideen lassen sich nicht schützen. Aber man kann Vorsorge für den Formathandel treffen. In den vergangenen fünf Jahren sind hierzulande mehr als viermal so viele Eigenproduktionen on air gegangen als zuvor. Die Hersteller haben natürlich alle ein Interesse daran, ihre Werke ins Ausland zu verkaufen. Das können sie aber nur, wenn sie garantieren, dass sie auch die Rechte an den Formaten haben. Was mir langfristig mit der FRAPA vorschwebt, ist eine Art Patentamt für Ideen. Mit TV-Formaten ist es wie mit Autos, die sich ähnlich sehen: Alle haben vier Räder und unterscheiden sich trotzdem. Deswegen haben die Hersteller auch kein Lizenzproblem. Das möchte ich gerne aufs Fernsehgeschäft übertragen.

Ist nach deutscher Rechtsprechung ein urheberrechtlicher Formatschutz so gut wie unmöglich, da es sich bei Formaten nur um Ideen und nicht um Werke handelt?

BIERNAT: Von juristischer Seite stimmt das. Ideen lassen sich nicht schützen. Aber dann fragen Sie mal, warum die Sender alle die Rechte an den Formaten behalten wollen? Sicher, weil sie die Formate auch weiterverkaufen möchten. Aber auch die Produzenten sind daran interessiert, ihre Formate weltweit zu vertreiben. Sie möchten auf diesem Weg Entwicklungskosten wieder einspielen.

Dabei hat das Beispiel von „Schlag den Raab“ gezeigt, dass erfolgreiche Formate aus einer Schnapslaune heraus entstehen, oder?

BIERNAT: Nein, dass ein Moderator Kandidat wird, dazu gibt es in Amerika schon vier andere Shows. Dieses Prinzip reicht aber nicht, um es als Format schützen zu lassen. Raab hat aber eine eigene Idee für sein Format entwickelt: Die Kombination aus Sport, Quiz und Game sowie die Art der Präsentation haben ein Alleinstellungsmerkmal.

Was müssen Produzenten tun, damit aus einer Idee ein Format wird?

BIERNAT: Ein Format ist das Konzept einer Sendung. Sie können Spaghetti mit Tomatensoße in zehn verschiedenen Varianten essen. Sie würden aber immer ihre Lieblingssoße herausschmecken. Bei Adaptionen der jeweiligen Länder kann man einzelne Gewürze natürlich anpassen. Das gilt aber nur für lizensierte Formate. Denn die Änderungen sind auch immer Teil der Lizenzverträge.

Um das eigene Profil hervorzuheben, muss man das Konzept also so detailliert wie möglich festlegen?

BIERNAT: Genau. Sie müssen genau festlegen: Wie sieht das Set aus? Wie ist die Anordnung der Kandidaten? Worin unterscheidet sich meine Idee von der nächsten? Vom Set über den Einsatz von Musik bis hin zum detaillierten Ablauf muss alles genau beschrieben sein.

Weshalb ist dieser Formatschutz so wichtig? Macht nicht jeder Nachahmer auch Werbung fürs Original?

BIERNAT: Es gibt immer Me-Toos, die auf der Erfolgswelle mitschwimmen können. Aber je mehr ähnliche Formate es zu einem Thema gibt, desto schneller ist die Übersättigung beim Zuschauer erreicht.

Was ist mit ARD und ZDF, die sich ungeniert bedienen?

BIERNAT: Sie bedienen sich nicht bei den Privaten. Die öffentlich-rechtlichen Sender gehen inzwischen nur den gleichen Trends nach. Das ist ja nicht verboten. Sie dürfen ja nicht den Anschluss verlieren, nur weil sie öffentlich-rechtlich sind. Schließlich haben sie ja auch einen Unterhaltungsauftrag.

Das Gespräch führte Antje Hildebrandt



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