Von Markus Decker und Stefan Sauer, 16.06.09, 17:10h, aktualisiert 16.06.09, 23:26h
Nun haben sich Union und SPD gestern auf einen gemeinsamen Entwurf verständigt. Das Gesetz werde am Donnerstag vom Bundestag verabschiedet und könne somit 2010 in Kraft treten, sagte der SPD-Abgeordnete Martin Dörmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Einigung in der Koalitionsarbeitsgruppe bezeichnete er als „100-prozentigen Erfolg für die SPD“.
Heikle Punkte ausgeräumt
Alle heiklen Punkte am zuvor heftig kritisierten Entwurf von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) seien ausgeräumt worden. So werde es die von ihr vorgesehene Möglichkeit der Strafverfolgung wegen des Aufsuchens einschlägiger Internetseiten nicht geben. Denn: „Es ist technisch kein Problem, jemanden über eine Spam-Mail auf solche Seiten zu lenken, ohne dass der Empfänger dies bemerkte oder beabsichtigte.“ Mit dem Entwurf seien zudem die „völlig unangemessenen“ Vorwürfe der Internetlobby gegenstandslos, die Regierung übe Zensur aus. Die Debatte geht dennoch weiter.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar betonte: „Es ist für mich unmöglich, zu begründen, warum es einen freien Zugang zu kinderpornografischen Inhalten geben soll. Allerdings wirft der Weg, den die Koalition gehen will, viele Fragen auf.“ So sei die Wirksamkeit der Sperren nicht erwiesen. Auch sei zweifelhaft, ob „nicht doch personenbezogene Daten von Nutzern, die sich überhaupt nichts haben zuschulden kommen lassen“, erfasst würden.
Wen betrifft es noch?
Die Kernfrage laute: „Bleibt es auf Dauer dabei, dass nur Kinderpornografie herausgefiltert wird? Oder sind es demnächst auch der Aufruf zur Gewalt, illegales Glücksspiel oder der Zugriff auf geschützte Musik? Es entsteht eine Infrastruktur, die sich für eine umfassende Zensur verwenden ließe.“ Wichtiger seien „international anerkannte Regeln zum Schutz von Internetnutzern“, da zunehmend User-Profile erarbeitet würden.
Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach kontert: „Es geht ausschließlich um den Kampf gegen die Kinderpornografie. Ich kenne niemanden, der ernsthaft das Ziel verfolgt, weitere Inhalte auf gleiche Art und Weise sperren zu wollen.“ Tatsächlich hatten die Bundestagsabgeordneten Thomas Strobl (CDU) und Dieter Wiefelspütz (SPD) dies ins Gespräch gebracht. Einwände gegen die Effektivität lässt Bosbach nicht gelten. Für die geplanten Stoppseiten „gilt das Gleiche wie für Stoppschilder im Straßenverkehr. Man kann Stoppschilder überfahren. Trotzdem werden sie aufgestellt.“ Heine hält gleichwohl an ihrer Ablehnung fest: „Das Sperren von Seiten ist inakzeptabel. Und unter den Bedingungen, die da genannt werden, erst recht. Sinnvolle Maßnahmen wie eine bessere Ausstattung der Ermittlungsbehörden werden nicht mal angedacht. Da kann nicht akzeptiert werden, dass mit fadenscheinigen Gründen ein solches System installiert wird.“
Klar ist, dass sich mit dem Netz „eine Bewegung von Internet-Bürgerinnen und Bürgern bildet, die darauf achtet, dass ihre Rechte gewahrt bleiben“, so Schaar. Auch Bosbach stellt erstaunt fest: „Das ist eine straff organisierte Community. Die leben in der virtuellen Welt intensiver als in der realen.“
@ Heinz-1234
19.06.2009 | 11.06 Uhr | Newton
Ein Tippfehler bei Ihnen. Gewollt? oder gepennt?
mal nicht übertreiben
19.06.2009 | 10.53 Uhr | Newton
Es sind nicht 1,3 Millionen Mitzeichnungen, sondern mit Stand 19.06.09, 10:43 sage und schreibe 134.013 Mitzeichner. Der Artikel vom KstA ist vom…
es sind genau 1340016 Menschen
19.06.2009 | 10.15 Uhr | Heinz-1234
die die Petition mit unterzeichnet haben. Wieder ein Recherchefehler beim KStA. Gewollt? oder gepennt?
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