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Lesung mit Cem Özdemir

„Man muss die Vielfalt zulassen“

Von Norbert Ramme, 16.06.09, 19:20h

Im Literaturhaus las Cem Özdemir Passagen aus seinem Buch „Die Türkei“. Der Grünen-Vorsitzende, der sich als anatolischen Schwaben sieht, plauderte über Politik, Religion und den EU-Beitrittswunsch der Türkei.

Joachim Frank und Cem Özdemir
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Sie plaudern angeregt über Politik, Religion und Kultur: Chefredakteur Joachim Frank (l.) und Cem Özdemir. (Bild: Hennes)
Joachim Frank und Cem Özdemir
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Sie plaudern angeregt über Politik, Religion und Kultur: Chefredakteur Joachim Frank (l.) und Cem Özdemir. (Bild: Hennes)
Köln - „Fast alle Vorurteile, die man so landläufig über die Türken hat, stimmen. Die Gegenteile aber auch.“ Mit amüsanten, persönlichen Anekdoten, klaren Analysen zur Geschichte und dem heutigen Alltag in der Türkei sowie einigen politischen Forderungen - schließlich ist ja Wahlkampf - stellte Cem Özdemir im Jungen Literaturhaus (Schönhauser Straße 8) sein Jugendbuch „Die Türkei“ vor. Eine Lesereise mit Verspätung, denn das Buch ist schon im Vorjahr zur Frankfurter Buchmesse erschienen, doch zu der Zeit war Özdemir mit Kandidatur und Wahl zum grünen Vorstand ausgelastet.

Nun las einige Passagen vor und plauderte mit Joachim Franck, dem neuen Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, und den mehr als 150 Zuhörern über Politik, Religion und Kultur. Als „anatolischer Schwabe“, wie Özdemir sich selbst bezeichnet („Schwäbisch war die erste Sprache, die ich im Kreißsaal gehört habe und aus Anatolien stammen meine Eltern.“), kennt er die beiderseitigen Vorurteile zwischen Deutschen und Türken: „Die stimmen alle. Die Gegenteile aber auch.“

Eindringlich warb Özdemir um Verständnis für die Türken und ihren Wunsch nach einem Beitritt zur Europäischen Union. „Derzeit erfüllt die Türkei die Bedingungen nicht. Aber vergleicht man die Verhältnisse im Land vor zehn Jahren mit denen von heute, hat sich enorm viel verändert.“ So hat er bei Themen, über die man vor zehn Jahren noch nicht reden durfte, inzwischen „einen unglaublichen Diskussionsbedarf“ beobachtet - so zu Armeniern und Zypern, zu Kurden und Frauenrechten.

„Wenn man eine demokratische Türkei will, darf man die Tür nicht zuschlagen.“ Er erhoffe sich einen weiteren Weg hin zu einer multikulturellen Gesellschaft. „Es kommt darauf an, die Vielfalt zuzulassen. Das ist für die Bevölkerung weniger schwierig als für den Staat.“ In Deutschland sieht Özdemir die Hauptprobleme bei der Bildung und plädiert für eine Reform des Schulsystems: „Ein Trennung der Kinder nach der vierten Klasse passt nicht in eine moderne Gesellschaft. Man darf die Kinder nicht für die Fehler der Eltern bestrafen.“



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