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BWL für Pappnasen

Nachhilfe für den Karneval

Von Helmut Frangenberg, 25.05.09, 15:17h, aktualisiert 26.05.09, 08:14h

Die Unternehmensberatung „Boston Consulting Group“ hat eine umfassende Studie zur Zukunft des Fastelovends erstellt. Experten fordern Risikobereitschaft, buntere Programme und Konzepte zur Integration von Migranten.

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Hilft der Wirtschaft: Der Karneval. (Bild: ksta)
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Hilft der Wirtschaft: Der Karneval. (Bild: ksta)
Köln - Die renommierte Unternehmensberatung „Boston Consulting Group“ hat dem organisierten Kölner Karneval dringend zur Entwicklung eines strategischen Zukunftskonzepts geraten. Vor allem bei den Karnevalsgesellschaften und ihrem Veranstaltungsangebot gebe es „erheblichen Handlungsbedarf“, so die Berater, die am Montag ihre umfangreiche Analyse zu Wirtschaftskraft, Image und Zukunft des Kölner Karneval vorstellten. Die Gesellschaften müssten an ihrem Profil arbeiten, neue Sitzungsprogramme entwickeln und sich mit ihren Angeboten stärker auf einzelne Zielgruppen ausrichten.

Die Konzentration auf wenige massentaugliche Künstler schüre das Desinteresse, weil in jedem Saal das Gleiche stattfinde. „Das Festhalten an alten, wiederkehrenden Konzepten lässt die Beliebtheit sinken“, heißt es in der Studie, die von den Verantwortlichen mehr Risikobereitschaft fordert. Neue und junge Künstler müssten auf die Bühnen, es fehle der Raum für Experimente und eine strukturierte Förderung des Nachwuchses.

Die Ausgangsbasis für Reformen sei gut, so die Experten, weil dem Karneval zur Zeit „keine substanzielle Gefahr“ drohe. Im Gegenteil: Die Unsicherheiten und Ängste, die mit Globalisierung und Wirtschaftskrise zu tun hätten, beförderten die Rückbesinnung auf Werte wie Heimat, Tradition und soziales Miteinander. Davon könne auch der Karneval profitieren. Um möglichen Problemen durch die demografische Entwicklung entgegenzuwirken, müsse der Karneval jedoch drei zentrale Herausforderungen annehmen: Zum einen müsse es gelingen, Bürger mit familiären Wurzeln im Ausland zu integrieren, was zur Zeit noch kaum gelinge. Des weiteren seien „verstärkte Anstrengungen nötig, um junge Leute zu begeistern“. Außerdem machten der Wertewandel und die Vielfalt der Geschmäcker eine stärkere Differenzierung und mehr Interaktivität bei den Veranstaltungen nötig. „Einzelne Veranstaltungen brauchen Alleinstellungsmerkmale“, fordert Heiner Leisten von der „Boston Consulting Group“.

Nach der Präsentation für die Medien hatte das Festkomitee die Präsidenten der Karnevalsgesellschaften ins Karnevalsmuseum eingeladen. „Die Studie ist die Grundlage, um eine Diskussion zu starten“, sagte Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach. Es gehe darum „den Karneval dauerhaft weiter zu entwicklen, damit er fit für die Zukunft ist“. Einzelheiten, wie das genau geschehen soll, wollte er noch nicht nennen. Klar war am Montag nur, dass das Festkomitee wenig Chancen auf Reformen hat, wenn die Gesellschaften nicht mitziehen.

Die umfassende Studie liefert nicht nur Argumente für die interne Diskussion, sie hat auch Gewicht für eine offensive Vertretung der Interessen gegenüber der Stadt. Die Unternehmensberater rechnen vor, dass der Kölner Karneval in knapp zwei Monaten eine Wirtschaftskraft mit einem Umsatzvolumen von 460 Millionen Euro bedeutet. Die Liste der einzelnen Effekte ist lang: Sie reicht von 540 000 Taxifahrten über fast eine Million Kneipenbesuche bis zu geschätzten 204 000 Haarschnitten vor dem Sitzungs- oder Ballbesuch. Kneipenkarneval und private Feste tragen den größten Anteil zum Umsatz bei. Die Karnevalszüge und der Sitzungskarneval sind mit jeweils 150 Millionen Euro beteiligt. Am meisten profitieren die Gastronomie, der Einzelhandel und Transportbetriebe. Der Karneval sichere rund 5000 Arbeitsplätze.

Weniger erfreulich fiel das Fazit der Berater bei der Frage aus, ob es Köln schafft, aus diesem Pfund auch einen angemessenen Imagegewinn zu machen. Der Karneval erfülle mehrere wichtige Funktionen für das gesellschaftliche Leben der Stadt. „Will man sich jedoch auch international pointierter positionieren, wäre das ein ganz weiter Weg“, so Heiner Leisten. Der Karneval in anderen Städten oder auch das Münchner Oktoberfest würden besser vermarktet als der Kölner Fastelovend.



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