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Splitterpartei

Ich bin ein Bayer, wählt mich hier raus!

Von Thorsten Keller, 29.05.09, 14:16h, aktualisiert 07.06.09, 09:59h

Nein, die Plakate mit Lederhose und Dirndl sind keine satirische Fälschung. Bei der Europawahl am 7. Juni stehen auch die blau-weißen Separatisten von der Bayernpartei ernsthaft auf den Stimmzetteln.

Bayernpartei Wahlwerbung
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Die Bayernpartei ist eine separatistische Partei und will vor allem eins: Frei von Deutschland sein. (Bild: Max Grönert)
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Die Bayernpartei ist eine separatistische Partei und will vor allem eins: Frei von Deutschland sein. (Bild: Max Grönert)
Köln - Ein Anruf beim Wahlamt der Stadt Köln bringt Klarheit: Die Bayernpartei - laut Wikipedia eine "separatistische, ausschließlich in Bayern aktive Regionalpartei" - gibt es wirklich, der Wahlbürger findet sie am 7. Juni unter der Startnummer 20 seines umfangreichen Stimmzettels. Die Partei, die bei der jüngsten bayerischen Landtagswahl 1,1 Prozent der Stimmen abräumte, tritt bei der Europawahl zum ersten Mal außerhalb des Freistaates an - und sorgt mit einer satirisch anmutenden Plakat-Kampagne für Furore.

Während die Bayernpartei in ihrem Stammland entschieden pro-bayerisch unterwegs ist, dreht sie beim Auswärtsspiel in anderen Bundesländern den Spieß um: "Bayern loswerden!" lautet der volksnahe Slogan, mit dem die Partei an den Straßenrändern der Stadt auf Wählerfang geht. Hier eine Kostprobe von der Partei-Website: "Mal ehrlich, nervt Bayern uns nicht alle? Allein die 'Sprache', wenn man dieses geistlose Gebrabbel so nennen will, ist eine Zumutung für jeden kultivierten Deutschen. Trotzdem glauben sie ernsthaft, sie seien etwas besseres. Nur, weil sie sinnlose Berge und langweilige Seen haben und dafür ein paar Arbeitslose weniger." Die dialektische Gleichung geht so: Je mehr Kölnerinnen und Kölner nächsten Sonntag ihren anti-bayerischen Ressentiments freien Lauf lassen, desto besser ist das für die Bayernpartei, die nach eigenen Angaben 5.000 Mitglieder zählt.

Die zentrale politische Forderung der BP ist die Abspaltung Bayerns vom Rest der Republik - womit sie bestimmt auch dem ein oder anderen CSU-Wähler klammheimliche Freude bereitet. Für die Europawahl haben sich die Separatisten des Südens zudem diese Forderungen auf die Fahnen geschrieben: Mehr Transparenz in der EU, mehr direkte Demokratie, gegen Gentechnik, für Öko-Landbau. Zudem will die BP dem europäischen "Subventionswahn" den Garaus machen. Und, soviel Internationalismus darf schon sein: "Die Bayernpartei verlangt für den Freistaat Bayern im Falle seiner Unabhängigkeit Sitz und Stimme in den Vereinten Nationen."

Neben der hohen Politik geht es der BP und ihrem Vorsitzenden Florian Weber aber auch ganz schnöde ums Geld. Man will den Hungerleider-Bundesländern des Nordens und Ostens die Solidarität aufkündigen: "Die bayerischen Steuerzahler zahlen an den Bund und an an­dere Bundesländer jährlich etwa 16.000.000.000 Euro mehr ein, als wieder zurück­fließt." Pro Bayer seien das 1300 Euro im Jahr.

International hat die Bayernpartei ihre politische Heimat in der "Europäischen Freien Allianz" (EFA) gefunden. Zu den drei Dutzend abspaltwütigen Regionalparteien unter dem Dach der EFA gehören unter anderem die unaussprechliche "Megújult Magyarországi Roma Összefogás Párt" aus Ungarn, "Eusko Alkartasuna" (französisches und spanisches Baskenland) und "Plaid Cymru" aus Wales.



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