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Journalistendebatte

Quo vadis, Printmedien?

Erstellt 06.06.09, 12:43h

Auf der Jahrestagung des „Netzwerks Recherche“ ist eine Diskussion über die Zukunft der Zeitung entbrannt. SZ-Redakteur Heribert Prantl plädiert für ein Ende des Gratis-Journalismus im Internet und gegen Staatshilfen für die Presse; viele Teilnehmer rechnen mit dem Ende der Papierzeitung in zehn bis 15 Jahren.

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Wird es die Zeitung in der derzeitigen Form auch in Zukunft geben? (Bild: dpa)
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Wird es die Zeitung in der derzeitigen Form auch in Zukunft geben? (Bild: dpa)
HAMBURG - Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), hat sich gegen Staatshilfe für die deutsche Presse ausgesprochen. In Abhängigkeit von staatlichen Zuwendungen zu geraten könne dazu führen, dass am Ende Politiker entscheiden, wer Chefredakteur der "tageszeitung" (taz) wird, sagte Prantl am Samstag in Hamburg auf der Jahrestagung der Journalistenorganisation "Netzwerk Recherche".

Prantl sieht keine sachliche Notwendigkeit, über staatliche Fördermodelle für Zeitungen nachzudenken. Denn das Ausmaß der Pressekrise mit Anzeigenverlusten und Arbeitsplatzabbau werde übertrieben. Es seien die Verlage, die die Krise nutzten, um im Form von "Putativ-Notwehr-Exzessen" die Redaktionen zu verschlanken und Kosten zu senken. "Überzogene Gewinnerwartungen" von Verlegern seien Ausdruck von "Kurzsichtigkeit und Dummheit", so Prantl in Hamburg.

Bernd Buchholz, Vorstandsvorsitzender des Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr (G+J), widersprach Prantl. Tatsächlich sei die Lage sehr ernst. Laut Buchholz brechen die Anzeigenmärkte derzeit um 30 bis 50 Prozent ein. Die Verlage bräuchten aber Gewinne, um die Unabhängigkeit der Redaktionen zu gewährleisten, so der Manager: "Wer nicht profitabel ist, wird auf Dauer nicht unabhängig bleiben."

Skeptisch äußerte sich der G+J-Vorstandsvorsitzende zu dem Vorschlag, Qualitätsjournalismus künftig über Stiftungsmodelle zu finanzieren. Auch dieses Modell würde ähnlich wie die Staatsförderung "die Medien an den Tropf führen". Provokant fragte Buchholz die in Hamburg versammelten Journalisten: "Was, wenn der Stifter Silvio Berlusconi heißt?"

Schweizer Verleger: Verlage sollen von Google lernen

Einig waren sich die Diskutanten darin, dass die Vertriebserlöse von Verlagen zunehmend wichtiger werden. "Das Geld muss aus dem Verkauf der Privatzeitungen kommen, sagte Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung "Der Freitag". "Zeitungen werden zu billig verkauft", sagte Prantl. Die Praxis, Artikel im Internet zu verschenken, muss nach Auffassung des leitenden SZ-Journalisten gestoppt werden. Alternative sei, dass Leser für einzelne Artikel online bezahlen ("micro-payment").

Der Schweizer Verleger Urs Gossweiler warf den deutschen Verlegern Inkompetenz im Marketing vor. So erwirtschafte die Suchmaschine Google Milliarden mit Online-Anzeigen, ohne selbst gute journalistische Inhalte zu produzieren. Die Verleger müssten sich fragen lassen, wieso sie das nicht selbst mit ihren guten Inhalten geschafft hätten.

Gossweiler ist sicher, dass der tägliche Druck einer Tageszeitung auf Papier auf Dauer zu teuer sei. Seine "Jungfrau Zeitung" in der Schweiz erscheine nur noch mit zwei gedruckten Ausgaben pro Woche, sei aber online ständig aktuell. In einem Verbreitungsgebiet mit nur 45.000 Einwohnern sei die Zeitung wirtschaftlich so gesund, dass der Verlag Gossweiler Media zehn Vollzeit-Journalisten beschäftigen könne.

Wie Gossweiler erwartet auch der Medienwissenschaftler Stephan Weichert, dass die auf Papier gedruckte Zeitung in zehn bis 15 Jahren ausgedient haben werde. (epd)



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