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Rock am Ring

Mit Madness kam der Sonnenschein

Erstellt 07.06.09, 08:26h, aktualisiert 07.06.09, 19:06h

Eine Messias-Kopie aus Schweden, französische Eleganz und britische Brachialgewalt: The Soundtrack of Our Lives, Phoenix und Bloc Party haben sich am zweiten Tag des Festival ins Herz von ksta.de-Reporter Thomas Schmitz gespielt.

Rock am Ring - T.S.o.O.L.
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Ebbot Lundberg gibt in Kutte wieder den Messias. (Bild: Schmitz)
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Ebbot Lundberg gibt in Kutte wieder den Messias. (Bild: Schmitz)
Schon ihr Album „The '59 Sound“ war im vergangenen Jahr absolut umwerfend und eine der besten Platten. Bruce Springsteen trifft auf Punk-Rock, heraus kommt eine mitreißende Hymne nach der anderen. Ob der Titelsong, ob „Meet Me by the River's Edge“, ob „The Backseat“ oder „Miles Da vis & the Cool“: Brian Fallon, Alex Levine, Benny Horowitz und Alex Rosamilia, besser bekannt als die New Yorker Band The Gaslight Anthem, schaffen Lieder für die Ewigkeit.

In der Nacht zum Sonntag lieferte die Gruppe im Coca Cola Soundwave Tent das vermutlich beste Konzert des gesamten Ring-Wochenendes ab. Kurz nach Mitternacht, während auf der Cen terstage Slipknot sich immer noch hinter Masken versteckten und grunzten und auf der Alternastage Jan Delay die Mädchen zum Tanzen verführte, brachten The Gaslight Anthem ein wenig Arbeiterklasse an den Nürburgring.

Auch eine weitere Band durfte leider nur im Soundwave Tent zei gen, was sie kann, obwohl ihre Musik und ihr Auftreten für Stadien geeignet sind. Das schwedische Kollektiv „The Soundtrack of Our Lives“ spielte geerdeten Rock, angesiedelt irgendwo in den 1970er Jah ren. Dabei gab Sänger Ebbot Lundberg in seiner Kutte wieder einmal die Messias-Kopie. Mit ausladenden Gesten predigte er, manchmalsogar brüllend, seine Texte. Äußerst agil neben ihm auch die Wolfgang- Petry-Kopie Mattias Bärjed an der Gitarre.

Wer sich bewegen wollte, war beim Konzert von Bloc Party äußerst schlecht bedient. Nicht wegen der Musik, die war schon allein wegen Matt Tongs ekstatischem Schlagzeugspiel wieder eine Wonne.

Und dann auch noch: gute Mu sik, gute Texte! Kele Okereke gab dem Publikum sogar Tipps, wie es bessere Laune bekommt. „Ihr seid bestimmt mies gelaunt wegen dem schlechten Wetter. Wir kommen aus England, da regnet es immer. Unser Rezept: Party harder!“, rief er vor dem Konzert. Doch richtig feiert konnte zumindest in den ersten Reihen niemand. Dicht gedrängt stauten sich die Fans am Wellenbrecher unmittelbar vor der Band. Während die Band „Mercury“, „Hunting for Witches“ oder „Banquet“ zum Besten gab, zogen die Ordner Dutzende Menschen aus dem Publikum.

Auch die britische Ska-Band Madness kam aufs Wetter zu spre chen. „Wir bringen Euch ein wenig Sonnenschein“, versprach Sänger Suggs. Der 48-Jährige, dessen Sakko mittlerweile ein wenig spannt, sprang wie ein Derwisch über die Bühne. Und mit seinen Tanzbewe gungen zeigte er unverwechselbar, in welchen Jahrzehnt seine Band mit Songs wie „Our House“ oder „One Step Beyond“ die größten Erfolge feierte: Richtig, in den 80ern. Sein Versprechen löste Suggs aber ein: Dem Publikum gefiel der Auftritt der alten Helden.

>Ein richtig gutes Set gaben auch die französischen Indie-Dance-Popper von Phoenix. Wie ihr aktuelles Album heißt konnte jeder gut erkennen. „Wolfgang Amadeus Phoenix“ stand da in großen Lettern auf einem Schild, der einzigen Bühnendekoration. Mit sanften, viel leicht sogar etwas schwülstigem Synthesizer-Gewaber beginnt das Konzert: typisch Frankreich eben. Nach diesem Intro folgte gleich „Lisztomania“, der Kracher vom neuen Album. Sänger Thomas Mars verstrickte sich zunehmend im roten Mikrokabel, das er beim Singen gerne um Handgelenke, Arme oder Körper bindet. Doch irgendwie ist er doch aus diesem Bondage-Spiel für Sänger wieder herausgekommen.



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