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Zoo-Kunst

Mercedes im Nashorn-Teich

Erstellt 09.06.09, 15:58h, aktualisiert 09.06.09, 16:09h

„Trouble in Paradise“ heißt die Aktion der beiden deutschen Künstler Christoph Steinbrener und Rainer Dempf im Wiener Zoo. Sie wollen damit an die Rücksichtslosigkeit des Menschen gegenüber der Natur erinnern.

Kunst am Nashorn
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Wenig beeindruckt von der Kunst: das Nashorn. (Bild: dpa)
Kunst am Nashorn
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Wenig beeindruckt von der Kunst: das Nashorn. (Bild: dpa)
WIEN - Die Pinguine waren nur kurz überrascht, ein Krokodil reagierte neugierig, und das Nashorn nahm auf einer Kühlerhaube des Kunstobjekts Platz. Im traditionsreichen Wiener Zoo, dem "Tiergarten Schönbrunn" ist zurzeit was los. "Trouble in Paradise" heißt die künstlerische Intervention der beiden Deutschen Christoph Steinbrener und Rainer Dempf, mit der die Betrachter in den kommenden Monaten an die Nachlässigkeit und Rücksichtslosigkeit unserer Gesellschaft gegenüber der Natur erinnert werden sollen. Und welcher Ort wäre besser geeignet als Wiens Tiergarten, den alljährlich drei Millionen Menschen besuchen.

Insgesamt sechs verschiedene Elemente haben die beiden Künstler in Tiergehegen aufgestellt: Eine originalgetreu nachgebaute Ölförderpumpe mitten unter den Pinguinen, ein alter, roter Mercedes im Nashorn-Teich zur Hälfte versenkt, Eisenbahnschienen im Bison-Gehege, eine Almhütte bei den Elefanten, eine alte Badewanne im Krokodilkäfig und ein leeres Giftmüllfass im Aquarium. "Wir wollen damit aufzeigen, dass die Natur in ernsten Schwierigkeiten ist", erläutert Zoodirektorin Dagmar Schratter, "wir wollen den Leuten zeigen, was sie verlieren, wenn die Bio-diversität abnimmt". Bei der Planung der Intervention habe man "bewusst darauf geachtet dass unsere Tiere nicht zu Schaden kommen", betont die Zoologin.

Der bisherige Erfolg der Schau gibt den Planern recht. "Die Pinguine sind heute Morgen schon (auf der Ölpumpe) drauf rumgeklettert", erzählt sie. Auch die Krokodile hätten sofort die alte Badewanne erkundet, und das Nashorn ertastete sich den - in weiser Vorahnung bereits verstärkten - roten Mercedes mit seinem schweren Hinterteil und setzte sich kurz auf das wassernde Kunstwerk, und die Bisons grasen friedlich neben den Eisenbahnschienen, die scheinbar unnütz in ihrem Gehege liegen.

Ziel des Projekts, von dem demnächst auch ein Buch veröffentlicht werden soll, ist es, die "Wahrnehmung der Betrachter" für das Problem der Umweltzerstörung zu schärfen, meint Steinbrener. Schon in den ersten Stunden wurde deutlich, wie unterschiedlich die Menschen auf die eigentlich provokativen Interventionen reagierten. "Ganze Schulklassen sind an der Ölpumpe vorbeigelaufen, ohne sie zu bemerken", beobachtete Steinbrener, andere Zoobesucher wiederum erfassen die Absicht sofort: "Ja, das geschieht mit unserer Umwelt, wenn wir nicht aufpassen", meint eine ältere Dame im Vorübergehen. "Wir sind uns schon im Klaren, dass dieses Projekt provoziert", gibt Zoodirektorin Schratter zu. Immerhin haben bereits drei Dauergäste des Tiergartens aus Protest ihre Jahresmitgliedschaft gekündigt. (dpa)



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