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GutenMorgenKöln

Nieten mit Nadelstreifen

Von Tobias Kaufmann, 12.06.09, 08:45h, aktualisiert 15.06.09, 09:08h

Der 1. FC Köln hat ein neues Trikot. Es ist schon ein paar Wochen auf dem Markt – und noch immer gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Hersteller Reebok es zurückziehen wird. Dabei sieht es schrecklich aus. Guten Morgen Köln – jeden Morgen auf ksta.de

Trikot des 1. FC Köln 2009/10
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Dynamischer Look mit Nadelstreifen? Das Trikot des 1. FC Köln 2009/2010.
Trikot des 1. FC Köln 2009/10
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Dynamischer Look mit Nadelstreifen? Das Trikot des 1. FC Köln 2009/2010.
Dynamischer Look. Ausgefeiltes Nadelstreifendesign. Moderne Zweilagenoptik. Was haben sie sich nicht für Wörter ausgedacht, die Marketingleute von Reebok, um das neue Trikot des 1. FC Köln zu bewerben. Ich habe es mir genau angesehen, so wie ich mir jedes Jahr das neue Trikot des 1. FC Köln, meines 1. FC Köln, genau ansehe. Mir fallen ein paar ganz andere Worte ein. Bezirksliga-Look. Peinliches Gestrichel. Billigoptik.

Wir haben schon so manches hässliche Hemdchen er- und getragen, zum Beispiel die Tornetz-Bienenwabenkombination in rot-weiß-orange von Puma Mitte der Neunziger. Aber damals hatten alle so was an. Es waren die Jahre, in denen Spielernummern schräg aufgeflockt wurden und in denen Borussia Dortmund in einem Neon-Outfit strahlte, das aussah als sei es in einem außerirdischen Chemielabor mit Textmarker imprägniert worden.

Aber die aktuelle Kombination aus Wortgeklingel und unansehnlicher Realität schlägt alles. Es fängt damit an, dass das Heimtrikot schon wieder rot ist. Hallo! Da redet Reeboks Marketingabteilung von der Kombination aus neuester Technologie und der „herausragenden Tradition des Vereins“, und dann wissen sie nicht einmal, dass diese Tradition nicht rot ist, sondern weiß. Weiß, weiß, weiß und nochmal weiß. Der 1. FC Köln ist das „weiße Ballett vom Rhein“, nicht das rote Ballett. Rot sind die Funkenmariechen.

Und statt, meinetwegen, ein schönes Trikot in knallrot zu designen, wurden von den Trikotschneidern dicke und dünne weiße Streifen hochkant an den Spielerrumpf gelehnt, die nach außen länger werden. Was soll das sein? Ein dezenter Hinweis auf die Türme des Doms? Die Skyline von Rheinhattan? Die angebliche Grundidee dahinter kann ich jedenfalls entkräften: Ein Doppelpass von Brecko und Matip sieht auch mit diesem Jersey nicht dynamischer aus. Das Ganze mit dem Wort „Nadelstreifen“ aufzupeppen ist ungefähr so, als würde man Betonpampe als Babybrei verkaufen und „Extra körnig“ auf die Packung schreiben. Haftstrafen wären die richtige Antwort, lange Haftstrafen.

Wir sind nicht Eintracht Frankfurt

Doch Reebok hat noch eine weitere Drohung im Gepäck. Das Auswärtstrikot! Über Jahre stets die letzte Hoffnung, oft eine Spielerei, die Sammlerwert entwickelte – denken wir nur an das blau-gelbe Dingsbums mit der Ford-Werbung vorne drauf. Aber nein. Nicht diese Saison. „Bei Auswärtsspielen präsentiert sich die Geißbock-Elf in schwarz-rot.“ Sind wir Eintracht Frankfurt, oder was? Bayer Leverkusen? Und was ziehen die Jungs an, wenn wir gegen Frankfurt oder Leverkusen spielen?

„Nächste Saison sind wir auch optisch bestimmt ein Highlight in der Bundesliga“, wurde FC-Profi Kevin McKenna bei der Vorstellung des neuen Leibchens zitiert. Wenn das, was McKenna da hofft, wirklich zutreffen soll, würde ich vorschlagen, auf ein Mittel zurückzugreifen, das beim Hobbykick auf der Wiese manchmal zur Anwendung kommt, um Verwechslungen zu vermeiden: Ein Team spielt mit freiem Oberkörper. In diesem Fall bitte der 1. FC Köln. Dann entgeht den Profis allerdings der enorme Tragekomfort, den der Ausrüster verspricht. Optimales Feuchtigkeitsmanagement. Erhöhte Bewegungsfreiheit. Beste Passform. Schön, wenn Reebok das alles garantieren kann – aber wäre das nicht in einer Aufmachung gegangen, von der man keine Bindehautentzündung bekommt?

Auch wenn die Kölner Spieler, treue Soldaten des Klubs, bisher keinen Widerstand erkennen lassen, habe ich große Angst, dass Reebok dem Verein mit seiner modischen Hightech-Entgleisung etwas vollkommen Neues geschneidert hat. Wenn der FC demnächst zu Hause 1:6 gegen den SC Freiburg untergeht und irgendjemand fragt, ob das Team vielleicht gegen den Trainer spiele, werden alle, die sehen können, die wahre Antwort kennen. Die Mannschaft spielt nicht gegen den Trainer. Sie spielt gegen das Trikot.



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