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Generalinspekteur

Kritik am Zustand der Bundeswehr

Erstellt 16.06.09, 16:05h, aktualisiert 16.06.09, 16:06h

Falsches Führungspersonal und miserable Kommunikation: In seltener Offenheit hat Generalinspekteur Schneiderhan den inneren Zustand der Bundeswehr kritisiert. Auch die Soldaten nahm er schwer unter Beschuss.

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Zum Kampf gerüstet: Deutsche Soldaten in Afghanistan. (Bild: ddp)
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Zum Kampf gerüstet: Deutsche Soldaten in Afghanistan. (Bild: ddp)
BERLIN - Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hat in seltener Offenheit den inneren Zustand der Bundeswehr kritisiert. Er beklagte mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein von Soldaten für den Staat und Kommunikationsprobleme bis hin zu Führungsebenen. Bei einer Veranstaltung des Bundeswehrverbandes sagte der Vier-Sterne-General am Dienstag in Berlin, viele Soldaten "jammern auf hohem Niveau". Zugleich stellte er die Frage, ob immer "die richtigen Leute in der Bundeswehr Spieß und Chef sind" und "die Binnenkommunikation stimmt".

Er machte deutlich, dass er seinen Ärger nicht als pauschale Kritik an allen Soldaten und Führungsoffizieren verstanden wissen wollte, und hob die Erfolge der Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten hervor. Er mahnte aber, auch die Bundeswehr müsse Kommunikation als Schlüsselkompetenz erkennen. Es gebe so viele Zuständigkeiten, dass sich "keiner mehr so richtig zuständig fühlt".

Schon am Vorabend hatte er beim Empfang des Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, vor mehreren hundert Gästen über die Anspruchshaltung vieler Soldaten an den Bund geklagt. Sie erwarteten für ihren Dienst an dem Land ein "Rundum-Wohlfühlangebot mit Erfolgserlebnis". So sei die Bereitstellung ungeeigneter Schlafsäcke im Kongo-Einsatz womöglich von medialem Interesse, sollte aber "keine parlamentarische Betroffenheit auslösen". Einem Berufssoldaten, der sich über den dritten Auslandseinsatz beklage, solle man deutlich sagen, dass es keine Abhilfe geben werde - denn das sei sein Beruf.

Der Deutsche Bundeswehrverband, die größte Vertretung der Soldaten, veranstaltet einmal im Jahr das sogenannte Parlament der Wehrpflichtigen. Rund 50 delegierte Wehrdienstleistende aus allen Bundesländern diskutieren mit Politikern und Generalen. Verbandschef Ulrich Kirsch sagte, die Bundestagsabgeordneten müssten sich als Auftraggeber für die Auslandseinsätze der Bundeswehr intensiver über die Lage der Soldaten informieren und die Missionen den Deutschen besser vermitteln. Zwei Wehrpflichtige beklagten, die Regierung könne den Sinn des Afghanistan-Einsatzes nicht vermitteln. Es sei "erbärmlich", dass sie Soldaten nur mit Geld dafür motivieren könne.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte: "Wir müssen die Risiken an den Quellen beseitigen, bevor sie in größeren Dimensionen Deutschland erreichen." Er bestätigte, dass die Soldaten in Afghanistan zunehmend mit Hinterhalten von Aufständischen zu kämpfen haben. Ebenso müssten sie sich Feuergefechten stellen. Robbe berichtete, noch nie habe er die Situation in dem Einsatz am Hindukusch "so schlimm erlebt" wie jüngt bei seinem Besuch der Soldaten im nordafghanischen Kundus. Die Soldaten hätten ihm gesagt: "Wir bauen hier im Moment keine Brücken und bohren keine Brunnen. Herr Wehrbeauftragter, wir befinden uns hier im Krieg." (dpa)



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